Mammografie-Screening sinnvoll – Schweizer Fachgremium hinterfragt Nutzen

Die Brustkrebsvorsorge wird durch das Mammografie-Screening in Deutschland von den Krankenkassen gefördert. Experten diskutieren immer wieder die Sinnhaftigkeit und den Nutzen des bundesweiten Mammografie-Screenings. Auch in der Schweiz befassen sich Fachgremien mit dem Thema. 

Nutzen der systematischen Mammographie

Das Swiss Medical Board ist der Frage nachgegangen, ob mit dem systematischen Mammographie – Screening Tumore in einem früheren Stadium entdeckt werden können, so dass die Überlebenszeit bei guter Lebensqualität der betroffenen Frauen verlängert und letztlich auch die Sterblichkeit an Brustkrebs verringert werden kann. Dabei sind auch die potenziell negativen Wirkungen des Screenings (z.B. unnötige chirurgische Interventionen oder psychischer Stress bei falsch – positiven Untersuchungsergebnissen) sowie das Kosten – Wirksamkeits – Verhältnis beurteilt worden. Die Analyse der untersuchten Literatur ergibt, dass das systematische Mammographie – Screening dazu beitragen kann, Tumore in einem früheren Stadium zu entdecken und dadurch die Sterblichkeit an Brustkrebs geringfügig zu senken. Der erwünschten Wirkung von 1 bis 2 verhinderten Todesfällen auf 1.000 Frauen mit regelmässigem Screening sind die unerwünschten Wirkungen von 100 Fehlbefunden auf 1.000 Untersuchungen gegenüberzustellen. Letztere führen zu weiteren Abklärungen und zum Teil zu unnötigen Behandlungen , die für 100 von 1.000 Frauen physische und psychische Belastungen zur Folge haben.

Das Fachgremium des Swiss Medical Board rät in seinem Bericht von systematischen Screenings ab; statt dessen empfiehlt es eine gründliche ärztliche Abklärung und eine für die betroffenen Frauen verständliche Aufklärung mit Darstellung der erwünschten und unerwünschten Wirkungen, bevor sich diese für ein Mammographie – Screening entscheiden.

Empfehlungen für die Schweiz

Die Erkenntnisse aus der Analyse führen zu folgenden Empfehlungen für die Schweiz:

  1. Es wird nicht empfohlen, systematische Mammographie – Screening – Programme einzuführen.
  2. Die bestehenden systematischen Mammographie – Screening – Programme sind zu befristen.
  3. Alle Formen des Mammographie – Screenings sind bezüglich Qualität zu evaluieren.
  4. Ebenfalls werden bei allen Formen des Mammographie – Screenings eine vorgängige gründliche ärztliche Abklärung und eine verständliche Aufklärung mit Darstellung der erwünschten und unerwünschten Wirkungen empfohlen.

Post – Publication Review zum Fachbericht Systematisches Mammographie – Screening

Der Fachbericht „Systematisches Mammographie – Screening“ gibt die auf aktueller medizinischer Evidenz basierende Einschätzung des unabhängigen Fachgremiums Swiss Medical Board wieder. Die Organisationen der Trägerschaft des Swiss Medical Board (Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte, Schweiz. Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und – direktoren, Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften und Regierung des Fürstentums Liechtenstein) teilen die Einschätzungen des Fachgremiums nicht zwingend. Wie für alle Fachberichte möchte die Trägerschaft auch zu diesem brisanten Thema eine Fachdiskussion anregen und die verschiedenen Stakeholder dazu einladen, ihre Meinungen zu äussern ; diese werden auf der Webseite des Swiss Medical Board aufgeschaltet werden.

Auskunft: Susanna Marti Calmell,
Sekretariat Trägerschaft Swiss Medical Board
www.swissmedicalboard.ch
info@medical-board.ch

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