Nur wenige Mütter rauchen, viele leiden unter Allergien

„Die Rückmeldungen sind gut angelaufen, rund 15 Prozent der Eltern haben bereits geantwortet. Dafür sind wir sehr dankbar“, sagte der Studienleiter und Leiter der Abteilung für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin an der Universitätsmedizin Greifswald, Prof. Matthias Heckmann. Um noch mehr Feedback zu erhalten, werden diese Tage die Eltern, die noch nicht geantwortet haben, ein zweites Mal angeschrieben und zur Teilnahme eingeladen. „Je mehr Rückmeldungen wir erhalten, umso aussagekräftiger ist die Studie“, so Heckmann. Mütter und Väter, die umgezogen sind, können sich an das Studienteam wenden, um sich an der Umfrage zu beteiligen (snip@uni-greifswald.de). Die Beantwortung der Fragen ist sowohl online als auch schriftlich möglich und dauert ca. 20 bis 25 Minuten. „Es ist eine sehr wertvolle Zeit für unsere Ärzte und Wissenschaftler, die die Gesundheit von Kindern und Schwangeren weiter verbessern möchten“, so der Mediziner.

Was wollen die Wissenschaftler von den Eltern wissen?

Der einfach auszufüllende Fragebogen enthält 140 Fragen, die durch das Setzen von vorgegebenen Antwortmöglichkeiten relativ zügig abzuarbeiten sind. Neben allgemeinen Fragen enthält er Angaben zur Gesundheit des Kindes und der Eltern, zum Stillverhalten, zu Hilfsangeboten in den ersten zwölf Monaten nach der Geburt, zur Schulausbildung und Freizeitgestaltung des Kindes, zu Ess- und Schlafgewohnheiten und den Lebensumständen der Familien und den Umgang mit modernen Medien.

„Bei den Stichproben, die bereits gesichtet wurden, und die natürlich noch nicht wissenschaftlich abschließend ausgewertet worden sind, zeichnet sich ab, dass die Gesundheitsvorsorge bei den Eltern einen sehr hohen Stellenwert einnimmt“, erläuterte Studienärztin Dr. Anja Lange. „An den Standarduntersuchungen (U-Reihe) nehmen über 90 Prozent aller Kinder teil. Rund 80 Prozent des Nachwuchses nahm zudem an zusätzlich angebotenen Vorsorgeuntersuchungen teil. Fast alle Eltern beschreiben den Gesundheitszustand ihrer Kinder als gut oder sehr gut. Über 80 Prozent der Mädchen und Jungen putzt täglich die Zähne und genauso viele Kinder gehen zweimal im Jahr zum Zahnarzt.“
Eine weitere Momentaufnahme, die jedoch auch noch kein abschließendes Bild zulässt: 44 Prozent der Kinder nehmen jeden Tag am Schulessen teil, aber 21 Prozent überhaupt nicht. Ferner berichtet ungefähr die Hälfte der Mütter, dass sie unter einer Allergie leidet. Die Kinder sind zu einem Drittel von allergischen Reaktionen betroffen. Am häufigsten wird dabei der Heuschnupfen genannt.

Ferner geht aus den noch nicht repräsentativen Rückmeldungen hervor, dass 50 Prozent der Kinder in den letzten drei Monaten Kopfschmerzen hatte, die überwiegend mit Medikamenten behandelt wurden. 32 Prozent der Väter und 16 Prozent der Mütter gaben an, zu rauchen. Knapp die Hälfte der Mütter und nur acht Prozent der Väter arbeiten in Teilzeit, was weitestgehend dem bundesweiten Durchschnitt entspricht.

„Die Informationen, die natürlich anonymisiert und verschlüsselt verarbeitet werden, sind für uns von enorm großer Bedeutung, um die Prävention und medizinische Versorgung von Neugeborenen und ihren Müttern noch effektiver zu gestalten“, betonte Prof. Matthias Heckmann. „Jeder ausgefüllte Fragebogen trägt dazu bei, junge Familien künftig in ihrer gesundheitlichen Entwicklung noch besser zu fördern.“

Studienteam SNiP: Dr. med. Anja Lange
Tel.: 03834 86-64 21, E-Mail: snip@uni-greifswald.de
Weitere Informationen:

#HINTERGRUND

Die Greifswalder Neugeborenenstudie SNiP (Survey of Neonates in Pomerania) wurde 2002 als bevölkerungsbezogene Erhebung in Greifswald und im damaligen Landkreis Ostvorpommern unter Einbeziehung aller Entbindungseinrichtungen und Kinderkliniken in Greifswald, Wolgast und Anklam gestartet. Die Reihenuntersuchung hat erstmals aussagekräftige Informationen über die Gesundheit und das soziale Umfeld der geborenen Kinder und ihrer Mütter zusammengeführt. Daran knüpft die zweite Untersuchungsphase SNiP II von 2013 bis 2018 an, in der jedoch auch eine Reihe neuer Akzente gesetzt werden.
In der gegenwärtig laufenden Folgestudie SNiP II wird der Fragestellung des Stillverhaltens, der Stillhäufigkeit und die Dauer des Stillens bei den Geschwisterkindern ein besonderes Augenmerk eingeräumt. In der Studie werden gleichzeitig mütterliche und kindliche Faktoren mit Blick auf Neugeborenenerkrankungen erfasst, die ansonsten eher getrennt betrachtet werden. Eine wesentliche Rolle spielt auch die bessere Betreuung von chronisch kranken Frauen sowie die Ernährung in der Schwangerschaft. In der 2013 gestarteten ersten Nachfolgestudie SNiP II wurden bislang rund 3.000 Kinder untersucht.
Mit den SNiP-Studien sollen wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen werden, um Krankheiten zukünftig möglichst zu vermeiden oder frühzeitig erkennen zu können. Angeborene Erkrankungen, insbesondere Fehlbildungen, gehören zu den häufigsten Ursachen einer medizinischen Betreuung im Neugeborenenalter. Ein Teil der Erkrankungen ist erbbedingt oder wird durch mütterliche Infektionen während der Schwangerschaft hervorgerufen. Bei über 60 Prozent der betroffenen Kinder sind die Ursachen von angeborenen Erkrankungen der Neugeborenenperiode aber unklar. Vermutet werden unter anderem chemische Stoffe und physikalische Einwirkungen, Umweltbelastungen und Medikamente in der Schwangerschaft. Ziel ist es, neue Behandlungs- und Vorbeugekonzepte zu entwickeln, um so die Gesundheit der Kinder zu schützen und weiter zu verbessern.

Fotos: Manuela Janke/UMG
Vorbildlich – Leon (Foto) aus Greifswald nahm sowohl an der ersten SNiP-Untersuchung nach seiner Geburt am 16. April 2004 als auch an der aktuellen Umfrageaktion teil. Für seine Eltern Verena (Foto/35) und Jens Kaiser (35) Ehrensache. „Der Umfragebogen nimmt zwar etwas Zeit in Anspruch, ist aber auch interessant und kommt ja den künftigen Eltern und Kindern zugute. Wir haben uns gern beteiligt“, so die zweifache Mutter Verena Kaiser.
Dr. Anja Lange und Prof. Matthias Heckmann mit dem Fragebogen, der für die Forschung von so großem Interesse ist. „Wir erhoffen uns durch die Umfrage Rückschlüsse aus möglichen Einflüssen aus der Schwangerschaft und der früheren Kindheit auf das Wachstum und die Entwicklung der Kinder“, so die Wissenschaftler.

Universitätsmedizin Greifswald
Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin
Abteilung für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin
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T +49 3834 86-64 21
E manuela.woeller@uni-greifswald.de
Studienärztin: Dr. Anja Lange
T +49 3834 86 19 889
E anlange@uni-greifswald.de

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