Nobeltagung ganz anders: Wie man den Nobelpreis nicht gewinnt

Die Düsseldorfer Medizinhistoriker Dr. Nils Hansson, Thorsten Halling und Prof. Dr. Heiner Fangerau haben erforscht, wie man den Nobelpreis nicht bekommt, auch wenn die Voraussetzungen „bahnbrechender Erkenntnisse zum Wohle der Menschheit“ erfüllt waren. Ungünstig sind, so die Medizinhistoriker, die falsche Sprache der Publikation, eine Frau zu sein, zu komplexe, zu visionäre oder zu wenig visionäre Forschungsgebiete oder ein zu früher Tod, um nur einige Punkte zu nennen.

Zu diesem Thema findet vom 16. bis 18. November eine etwas andere Nobelpreistagung statt mit dem Titel „Noble Forschung und der Nobelpreis: Konstruktion und Kommunikation wissenschaftlicher Exzellenz im 20. Jahrhundert”, veranstaltet vom Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin der Heinrich-Heine-Universität. Experten aus Deutschland, Schweden, Italien, Kanada und den USA betrachten die Geschichte der Nobelpreisvergaben.

Nicht ganz ohne Augenzwinkern haben Nils Hansson, Thorsten Halling und Heiner Fangerau empirisch wissenschaftlich aufgearbeitet, welche Kriterien sich negativ auf die Möglichkeiten auswirken, den Nobelpreis tatsächlich zu bekommen. Zuerst sind die Statuten der Nobel-Stiftung zu erfüllen: Für den Nobelpreis muss man zuvor nominiert werden, wer eine Nominierung aussprechen darf ist festgelegt. Den Preis können nur lebende Personen erhalten, eine posthume Verleihung ist nicht möglich. Außerdem dürfen nicht mehr als drei Personen gleichzeitig für eine Leistung ausgezeichnet werden.

Hier beginnen dann die Schwierigkeiten: Kann eine Leistung höchstens drei Wissenschaftlern eindeutig zugeschrieben werden? Daran ist u.a. ein Nobelpreis für die die moderne Chirurgie revolutionierende Entwicklung der Lokalanästhesie gescheitert. Auch zu visionäre Leistungen sind von Nachteil. Bis die Anerkennung der Kollegen genug Nominierungen zur Folge hat, können Jahrzehnte vergehen und man ist einfach schon zu alt, im schlimmsten Fall tot. Der Berliner Chirurg Themistocles Gluck (1853 – 1942) war mit seinem Konzept des künstlichen und einzementierten Gelenkersatzes auf so viel Ablehnung gestoßen, dass es ihn fast seine Karriere gekostete hätte. Erst gut 50 Jahre nach seiner Pionierarbeit wurde die Idee wieder aufgegriffen und ist heute eine Erfolgsgeschichte. Da waren seine Publikationen für den Preis bereits zu alt.

Außerdem ist es von Vorteil, in Europa oder Nord-Amerika geboren zu sein, was auf die Hälfte bzw. ein Drittel der Preisträger zutrifft. Damit verbunden ist die Sprache der Publikation: Alle Sprachen sind schlechter als Englisch. Frauen sind natürlich auch unterrepräsentiert: Den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin erhielten bisher zwölf Frauen im Gegensatz zu 199 Männern. Gleichwohl gehört Marie Curie zu den vier Menschen, denen der Preis zweimal verliehen wurde – für Physik und für Chemie. Die anderen drei Doppelpreisträger waren übrigens Männer.

Die Düsseldorfer Medizinhistoriker Nils Hansson, Thorsten Halling und Heiner Fangerau haben für junge Wissenschaftler einen Rat, falls diese sich keinen Anruf aus Stockholm wünschen: Wichtig ist einerseits, den einzigartigen Gedanken möglichst nicht englischsprachig zu publizieren. Andererseits gilt es, entweder etwas Unvorstellbares zu denken oder dem wissenschaftlichen Mainstream zu folgen. Nicht zuletzt schützt vor dem Nobelpreis auch die Wahl des Fachgebiets, wie etwa die Orthopädie, die Anästhesie oder – für diejenigen, die ganz sicher leer ausgehen wollen – die Medizingeschichte.“

Kontakt:
Dr. Nils Hansson,
Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin,
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf,
Tel.: 0211 / 81-13940
E-Mail: nils.hansson@hhu.de

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