Nierenkrebs: Inzidenz, Mortalität, Überlebensraten, Prävalenz

Zum Nierenkrebs werden an dieser Stelle sowohl Krebserkrankungen der Niere selbst – also des Nierenparenchyms und des Nierenbeckens – als auch der Harnleiter und der Harnröhre gerechnet, wobei lediglich unter 10 % dieser Krebserkrankungen im Bereich von Nierenbecken und ableitenden Harnwegen auftreten. Die Zusammenfassung von Krebskrankheiten der Niere mit denen der ableitenden Harnwege nach ICD-9 ist hier zur Beurteilung des zeitlichen Verlaufs der Raten beibehalten worden. Bei bösartigen Neubildungen der Niere im Erwachsenenalter handelt es sich zu 85 % um Nierenzellkarzinome (Hypernephrome). Dagegen sind die im Kindesalter vorkommenden Nephroblastome (Wilms-Tumoren), Sarkome oder Lymphome der Niere im Erwachsenenalter selten. Der wichtigste Risikofaktor für die deutlich häufigeren Krebskrankheiten der Nierenrinde ist das Übergewicht. Zudem werden verschiedene von der Niere ausgehende oder sie in Mitleidenschaft ziehende Erkrankungen, z. B. Nierensteine, Bluthochdruck oder Diabetes, seit längerem als Risikofaktoren diskutiert. Die längerfristig höher dosierte Einnahme von phenacetinhaltigen Schmerzmitteln – die heute nicht mehr verwendet werden – und daraus resultierende Nierenschäden erhöhen das Nierenkrebsrisiko, ebenso Rauchen und Passivrauchbelastung. Die Risikofaktoren für Krebs des Nierenbeckens und der ableitenden Harnwege entsprechen weitgehend denen beim Harnblasenkrebs. Primäre Therapie ist die vollständige Entfernung des Tumors, auch wenn die befallene Niere dadurch nicht erhalten werden kann. Chemo- oder Strahlentherapie versprechen wenig Erfolg. Einzelne Lungenmetastasen können in kurativer Absicht reseziert werden. Bei Lokalisation im Nierenbecken wird der jeweilige Ureter mit entfernt. Auch hier ist eine kurative Chemo- oder Strahlentherapie nicht möglich (Preiß et al. 2008).

Trends von Inzidenz, Mortalität und Überlebensraten
Bei beiden Geschlechtern kam es in den 1980er- Jahren zunächst zu einem deutlichen Anstieg der altersstandardisierten Inzidenzraten an Krebs der Niere und ableitenden Harnwege. Seit etwa Ende der 1990er-Jahre haben die Raten jedoch nicht weiter zugenommen. In 2004 erkrankten im Vergleich zu 1980 etwa doppelt so viele Frauen und mehr als zweieinhalbmal so viele Männer an Nierenkrebs Altersstandardisiert betrug der Anstieg rund 50 % bzw. 80 %. Betroffen waren vor allem die Altersgruppen über 65 Jahre. Dagegen liegt die altersstandardisierte Mortalität im Jahr 2004 auf ähnlichem Niveau wie zu Beginn der 1980er-Jahre. Die Überlebensraten mit Nierenkrebs haben sich mit der Zeit deutlich verbessert. Ausgehend von relativen 5-Jahres-Überlebensraten unter 60 % für Diagnosen aus den 1980er-Jahren verbesserten sich die Überlebensraten bis auf 66 % für Männer und 67 % für Frauen der Diagnosejahrgänge 2000 bis 2004.

Prävalenz
Im Jahr 2004 lebten in Deutschland insgesamt etwa 35.800 Männer und 22.300 Frauen, denen in den fünf Jahren zuvor die Diagnose Nierenkrebs gestellt worden war. Bei 56.200 erkrankten Männern und 36.600 Frauen war die Krankheit bis zu zehn Jahre zuvor aufgetreten. Die 5- bzw. 10-Jahres-Prävalenzen haben sich seit 1990 bei den Männern in etwa verdoppelt, bei den Frauen betrug der Anstieg 50 % bzw. 65 %. Betroffen waren alle Altersgruppen, am stärksten jedoch die über 70-jährigen Frauen bzw. über 60-jährigen Männer. Im Jahr 2004 waren damit etwa die Hälfte der betroffenen Frauen und etwas mehr als ein Drittel der erkrankten Männer 70 Jahre und älter. Für das Jahr 2010 ist bei gleich bleibenden Erkrankungs- und Überlebensraten mit einem weiteren Anstieg der 5-Jahres-Prävalenz auf 39.700 Männer und 23.400 Frauen zu rechnen.

Fazit
Gestiegene Erkrankungsraten, verbesserte Überlebensaussichten und demografische Veränderungen haben bei den vor allem im höheren Alter auftretenden bösartigen Tumoren der Nieren und ableitenden Harnwege seit 1990 zu einem erheblichen Anstieg der Prävalenzen, bei Männern sogar auf etwa das Doppelte, geführt. Für 2010 ist in Deutschland mit etwa 63.000 Personen (davon knapp 40.000 Männer) zu rechnen, die in den fünf Jahren zuvor an einem dieser Tumoren erkrankt sind.
(RKI 02/2010)

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