Nicht wecken, Lebensgefahr! Marburger Lebenswissenschaftler erforschen Schläfer im Genom

Bestimmte Viren können sich im Erbgut ihrer Wirte einnisten. Zu diesen so genannten „Retroviren“ zählt zum Beispiel der AIDS-Erreger HIV. Wenn die Retroviren im Genom von Keimzellen siedeln – also in Ei oder Spermium statt in normalen Körperzellen –, so werden sie von Generation zu Generation weitergegeben.

„Zumeist sind diese endogenen Retroviren funktionslose Überbleibsel einer Infektion, die evolutionär sehr weit zurückliegt“, erklären die Autoren. Bei manchen Versuchstierstämmen führen solche Viren jedoch zu Erkrankungen. Wie kommt es zu ihrer Reaktivierung, und wie wird diese üblicherweise unterdrückt? Um dies in Erfahrung zu bringen, untersuchten die Forscher wichtige Bestandteile des angeborenen Immunsystems, nämlich Proteine aus der Familie der „Toll-like receptors“ (TLR).

Wie die Autoren nachweisen, sorgen mehrere TLR-Proteine dafür, dass die seit Generationen weitergegebenen, endogenen Krankheitserreger inaktiv bleiben. Fehlen diese Proteine, so bilden sich keine Antikörper gegen die endogenen Viren und die betroffenen Versuchstiere erkranken an Krebs.

„Unsere Ergebnisse legen den Schluss nahe, dass TLR-Proteine nicht nur in die Abwehr gegen Krankheitserreger involviert sind, die von außen eindringen, sondern auch zur Kontrolle endogener Retroviren beitragen“, resümieren die Wissenschaftler. In künftigen Arbeiten wollen sie ermitteln, wie die spontane Reaktivierung der viralen Schläfer im Genom im Detail vonstatten geht.

Die beteiligten Wissenschaftler wurden unter anderem durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die Deutsche Krebshilfe sowie im Rahmen des Schwerpunkts „Tumor und Entzündung“ der hessischen Landesexzellenzinitiative „LOEWE“ finanziell gefördert.

Originalpublikation: Philipp Yu, Wolger Lübben, Heike Slomka, Janine Gebler, Madlen Konert & al.: Nucleic acid recognizing Toll-like receptors are essential for the control of endogenous retrovirus (ERV) viremia and ERV-induced tumors, Immunity 2012

Weitere Informationen:
Ansprechpartner: Dr. Philipp Yu,
Institut für Immunologie
Tel.: 06421 28-66502
E-Mail:

Professor Dr. Stefan Bauer,
Institut für Immunologie
Tel.: 06421 28-66492
E-Mail:

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