Nicht nur die Abiturbesten haben Erfolg bei der Bewerbung um Medizin-Studienplätze

Pressemitteilung
Heidelberg, 24. Oktober 2013

Nicht nur die Abiturbesten haben Erfolg bei der Bewerbung um Medizin-Studienplätze
Kompensatorisches Zulassungsverfahren hat in Heidelberg positiven Einfluss auf die Studienleistungen

Bei der Zulassung zum Medizinstudium an der Universität Heidelberg haben auch Studierende, die nicht zu den „Abiturspezialisten“ gehören, die Chance auf einen Studienplatz. Sie profitieren davon, dass mit der Einführung einer hochschuleigenen Auswahlquote seit 2009 auch andere Faktoren als ausschließlich die Abiturnote relevant zum Tragen kommen. Dieses „Auswahlverfahren der Hochschulen“ (AdH) hat seitdem zu einer größeren Diversität unter den zugelassenen Studierenden geführt und zeigt zugleich auch positive Auswirkungen auf den Studienerfolg, wie Untersuchungen der Medizinischen Fakultät Heidelberg belegen. Im Vergleich zu vorhergehenden Jahrgängen haben sich die Lernleistungen insgesamt deutlich verbessert. Zugleich konnte der Anteil der Studentinnen und Studenten, die das Studium verlängern oder abbrechen, gesenkt werden.

In der hochschuleigenen Auswahl der Medizinischen Fakultäten Heidelberg und Mannheim werden – zusätzlich zu dem zentralen Bewerbungsverfahren über die Stiftung für Hochschulzulassung (SfH) – jährlich rund 270 Bewerber zum Studium zugelassen. Ziel dabei ist es, die am besten geeigneten Bewerberinnen und Bewerber auszuwählen, wobei die zugelassenen Studierenden unabhängig von ihrem Abiturergebnis ein ähnliches Erfolgspotential haben sollten. Dabei soll die AdH-Quote im Sinne des „Diversity“-Gedankens keine Fortsetzung der Abiturbestenquote sein. Um dies zu erreichen, setzen die beiden Fakultäten auf das Prinzip eines kompensatorischen Auswahlverfahrens: Wer Defizite in einem Auswahlkriterium hat, kann sich durch Erfolg in einem anderen dennoch eine Chance auf einen Studienplatz erarbeiten.

Die Medizinischen Fakultäten Heidelberg und Mannheim nutzen dafür vorrangig die Durchschnittspunktzahl der Hochschulzugangsberechtigung und das Ergebnis im freiwilligen Test für Medizinische Studiengänge (TMS). Bewerber, die eine durchschnittliche Abiturnote beispielsweise mit einem Schnitt von 2,3 haben, können durch ein hervorragendes TMS-Ergebnis dennoch erfolgreich an der Bewerbung um die Medizin-Studienplätze an der Universität Heidelberg teilnehmen. Hier kommt zum Tragen, was in einer umfassenden Untersuchung nachgewiesen werden konnte: Obwohl sich beide Auswahlkriterien an kognitiven Kompetenzen orientieren, bilden TMS und Abitur unterschiedliche Fähigkeiten ab. Mit dem Test für Medizinische Studiengänge werden nicht erneut fachspezifische Kenntnisse der Abiturprüfung abgefragt, sondern die besondere Studierfähigkeit sowie das Verständnis für naturwissenschaftliche und medizinische Problemstellungen überprüft.

Obwohl die Studierenden mit den besten Abiturdurchschnittsnoten nach wie vor in der Mehrheit sind, gibt es seit 2009 auch eine beträchtliche Anzahl von Studentinnen und Studenten mit Abiturnoten zwischen 1,6 und 2,3. Mit dem Erfolg im TMS haben sie – ohne Wartezeit – einen Studienplatz an der Ruperto Carola erhalten. Um nach der Einführung der kompensatorischen Zulassung die „Eignung“ dieses Verfahrens für die Auswahl der besten Bewerber festzustellen, hat die Medizinische Fakultät Heidelberg im Rahmen eines kontinuierlichen wissenschaftlichen Qualitätsmanagements die Leistungen und den Studienverlauf der Studierenden bis zum Abschluss des Studiums untersucht und mit den Eingangsdaten verglichen.

Die Ergebnisse belegen, dass sich die Lernleistungen der Medizinstudierenden in Heidelberg seit der Einführung dieses kompensatorischen Auswahlverfahrens im Jahr 2009 im Vergleich mit den vorhergehenden Jahrgängen insgesamt deutlich verbessert haben. Das Leistungsniveau der Studierenden ist homogen hoch – unabhängig von der Abiturnote. Dabei hat die Auswertung der Daten auch ergeben, dass die Studiumsleistungen der zugelassenen Studierenden mit Abiturdurchschnittsnoten schlechter als 2,0 durchaus denen der „Abiturbesten“ gleichen. Auch auf die Studienkontinuität hat sich die veränderte Zulassung günstig ausgewirkt. Der Anteil der Studentinnen und Studenten, die das Studium verlängern oder gar abbrechen, konnte mit Blick auf die Vorjahre und auch im Vergleich mit den durch die SfH zugelassenen Studierenden der Abiturbesten- und Wartezeitquote erheblich gesenkt werden.

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