Nicht jede Berührung wird zu Gold

Zahlreiche Feldstudien belegen, dass Menschen nach einer Berührung großzügiger werden. So bekommen z.B. KellnerInnen mehr Trinkgeld, wenn sie Restaurantbesucher berühren. Weiters steigt die Bereitschaft, an einer Umfrage teilzunehmen oder Zigaretten mit Fremden zu teilen. Dieses Phänomen ist als Midas-Effekt bekannt, da König Midas in der griechischen Mythologie alles, was er berührte, in Gold verwandelte.

Vor einigen Jahren entdeckten ForscherInnen so genannte C-taktile Fasern in unserer Haut. Diese CT-Fasern nehmen angenehme Berührungen wahr und melden diese in den emotionalen Zentren unseres Gehirns. Die Doktorandin Lisa Rosenberger hat nun untersucht, ob diese auch „Kuschelnerven“ genannten Fasern dafür sorgen, dass Berührungen uns großzügiger machen.

In drei aufeinander aufbauenden Studien variierten die WissenschafterInnen jene Person, der gegenüber man sich großzügig verhalten konnte: Einmal war sie eine anonyme, übers Internet verbundene Person, einmal eine Person im selben Raum, die man aber nicht sehen konnte, und einmal diejenige Person, die die ProbandInnen berührte. Nachdem die VersuchsteilnehmerInnen dreiminütige Streicheleinheiten bekommen hatten, die entweder die Kuschelnerven besonders stark oder weniger stark aktivierten, erhoben die ForscherInnen, ob sie sich der anderen Person gegenüber großzügiger verhielten.

In der Folge zeigten die Kuschelnerven aktivierenden Berührungen in keiner der drei Studien eine Auswirkung auf das Verhalten der VersuchsteilnehmerInnen. Egal ob die C-taktilen Fasern stark aktiviert wurden oder weniger – die ProbandInnen verhielten sich nicht großzügiger. „In unserem Laborversuch konnten wir überhaupt keinen Midas-Effekt beobachtet, was im krassen Gegensatz zu den dokumentierten Effekten in vielen Feldstudien steht“, erklärt Lisa Rosenberger vom Institut für Psychologische Grundlagenforschung und Forschungsmethoden der Universität Wien.

Zum einen könnte das damit zu tun haben, dass das reine Ausführen einer Aufgabe schon großzügiger macht. Zum anderen folgern die ForscherInnen aber, dass die C-taktilen Fasern keine sehr große Rolle beim Midas-Effekt spielen. „Vermutlich sind hier andere Faktoren wichtig. Wenn man jemanden berührt, kommt man der Person sehr nahe, was wiederum eine gewisse Intimität schafft. Vermutlich interpretiert man das Verhalten der Person – bewusst oder unbewusst – als Ausdruck von Sympathie“, so die Psychologin. Es könnte also diese Interpretation des Verhaltens sein, und nicht die Berührung selber, die uns großzügiger stimmt.

Publikation in „Scientific Reports“:
„Slow touch targeting CT-fibres does not increase prosocial behaviour in economic laboratory tasks“: Lisa Anna Rosenberger, Anbjørn Ree, Christoph Eisenegger & Uta Sailer. Scientific Reports,
DOI: 10.1038/s41598-018-25601-7,
https://www.nature.com/articles/s41598-018-25601-7.

Wissenschaftlicher Kontakt
Lisa Rosenberger, MSc
Institut für Psychologische Grundlagenforschung und Forschungsmethoden
Universität Wien
1010 Wien, Liebiggasse 5
T +43-1-4277-471 88
M +43-681 81382990
lisa.anna.rosenberger@univie.ac.at

Rückfragehinweis
Mag. Alexandra Frey
Pressebüro der Universität Wien
Forschung und Lehre
1010 Wien, Universitätsring 1
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M +43-664-602 77-175 33
alexandra.frey@univie.ac.at

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