Neurowissenschaftlicher LOEWE-Schwerpunkt am Uniklinikum

Das menschliche Gehirn und seine Erkrankungen bleiben eine der großen wissenschaftlichen Herausforderungen: Noch immer gibt es weitgehend unergründete Bereiche mit großem Forschungspotenzial. Dazu gehört die neuronale Koordination, die die räumlich-zeitliche Wechselwirkung der Aktivität von Neuronenverbänden darstellt und als zentraler Mechanismus für sämtliche höhere Hirnleistungen wie Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Bewusstsein gilt. Störungen in der neuronalen Koordination sind häufig Ursache oder Ausdruck von Hirnerkrankungen wie Schizophrenie, Autismus, Alzheimer-Demenz oder Multiple Sklerose. Neuronale Koordinationsforschung stellt somit einen zukunftsweisenden Ansatz in der Diagnostik und Behandlung dieser Krankheiten dar.

Die Goethe-Universität Frankfurt hat mit dem Max-Planck-Institut für Hirnforschung Frankfurt, dem Ernst-Strüngmann-Institut und dem Frankfurt Institute for Advanced Studies eine Kooperation zur Erforschung der neuronalen Koordination gegründet. Mit Hilfe der gemeinsamen hochspezialisierten und leistungsstarken Infrastruktur und einem intensiven Wissensaustausch soll ein national und international einzigartiger Forschungsschwerpunkt in den systemischen Neurowissenschaften etabliert werden.

Im Rahmen der Landesoffensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz (LOEWE) haben die Partner, unter der Federführung des Neurologen Prof. Dr. Ulf Ziemann, einen Antrag auf Förderung eines Forschungsschwerpunktes an das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst gestellt. Im Juni dieses Jahres wurde vom Land Hessen eine finanzielle Förderung des „Neuronale Koordination Forschungsschwerpunktes Frankfurt“ (NeFF) in Höhe von 4,34 Millionen Euro über drei Jahre ab Januar 2011 bewilligt.

Mit der Förderung wird der Grundstein für ein interdisziplinäres und translationales Forschungsprogramm gelegt. Der Einsatz modernster und innovativer neurophysiologischer, bildgebender, pharmakologischer und mathematischer Methoden macht es möglich, zukunftsweisende Erkenntnisfortschritte hinsichtlich der Bedeutung neuronaler Koordination für normale höhere Hirnfunktionen und deren Störung bei Hirnerkrankungen zu erreichen. Nachhaltigkeit und Langfristigkeit dieses Frankfurter Forschungsprogramms sollen durch die Überführung in einen Sonderforschungsbereich der Deutschen Forschungsgemeinschaft gewährleistet werden. Ein wichtiges Anliegen ist zudem die intensive Heranbildung und langfristige Bindung von exzellentem neurowissenschaftlichen Nachwuchs an der Goethe-Universität und den Partnereinrichtungen. Hierfür sind im Rahmen des LOEWE-Schwerpunktes umfangreiche Fördermittel eingeplant.

Der Neuronale Koordination Forschungsschwerpunkt Frankfurt (NeFF) verknüpft Grundlagenneurowissenschaften zielgerichtet mit klinischer Neuroforschung und der forschenden pharmazeutischen Industrie. „Die Chancen, mit dem LOEWE-Schwerpunkt NeFF einen der leistungsstärksten systemneurowissenschaftlichen Forschungsverbünde in Europa zu entwickeln, sind groß", erklärt Prof. Dr. Ziemann. „Unser Vorhaben, das geschaffene Grundlagenwissen in der klinischen Neuroforschung direkt zur Verbesserung von Frühdiagnostik und Therapie häufiger Hirnerkrankungen zum Einsatz zu bringen, birgt hohes Potenzial.“

Frankfurt am Main, 3. September 2010

Über das Klinikum der J.W. Goethe-Universität
Das Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt am Main, gegründet im Jahr 1914, zählt zu den führenden Hochschulkliniken Deutschlands. Es bietet seinen Patientinnen und Patienten eine bestmögliche medizinische Versorgung in 25 Fachkliniken. Der enge Bezug zur Wissenschaft – Klinikum und Fachbereich Medizin betreiben zusammen 25 Forschungsinstitute – sichert den Patientinnen und Patienten eine zeitnahe Umsetzung neuer Erkenntnisse in die therapeutische Praxis. 1.169 Betten stehen zur Verfügung. Zahlreiche Institute widmen sich medizinisch-wissenschaftlichen Spezialleistungen. Jährlich werden 47.200 stationäre und 220.000 ambulante Patienten betreut. Besondere interdisziplinäre Kompetenz besitzt das Universitätsklinikum unter anderem auf den Gebieten der Neurowissenschaften, Onkologie und kardiovaskulären Medizin. Auch als Standort für Organ- und Knochenmarktransplantationen, Dialyse sowie der Herzchirurgie nimmt es besondere Aufgaben der überregionalen medizinischen Versorgung wahr. Neben der Herzchirurgie besteht beim Versorgungsauftrag nach dem Hessischen Krankenhausgesetz auch in der Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, der Dermatologie und der Kinder- und Jugendpsychiatrie ein Alleinstellungsmerkmal für die Region Frankfurt-Offenbach. 4.055 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmern sich rund um die Uhr um die Patientinnen und Patienten. Weitere Informationen über das Klinikum der J.W. Goethe-Universität finden Sie unter http://www.kgu.de.

Für weitere Informationen:

Prof. Dr. Ulf Ziemann
Leitender Oberarzt der Klinik für Neurologie
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Ricarda Wessinghage
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Klinikum der J.W. Goethe-Universität Frankfurt am Main
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Internet: www.kgu.de
(idw, 09/2010)

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