Neurowissenschaftler der Universität Tübingen ausgezeichnet

Die Attempto-Preise des Universitätsbundes der Universität Tübingen gehen dieses Jahr an die Nachwuchswissenschaftler Dr. Thomas Baden, der am Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN) und am Forschungsinstitut für Augenheilkunde arbeitet, und an Dr. Larissa Wolkenstein vom Fachbereich Psychologie der Universität Tübingen. Der Rektor der Universität, Professor Bernd Engler, und der Vorsitzende des Universitätsbunds, Staatssekretär a.D. Hubert Wicker, übergeben die Auszeichnungen am heutigen Mittwoch, den 16. Oktober. Die Preisverleihung erfolgt im Rahmen der Mitgliederversammlung des Universitätsbunds.

Dr. Thomas Baden hat an der Universität Cambridge (Großbritannien) studiert. Am CIN sowie am Forschungsinstitut für Augenheilkunde erforscht er, wie die Netzhaut (Retina) Informationen über das, was eine Maus sieht, verarbeitet bevor diese in das Gehirn übertragen wird. Für die Weiterleitung der Informationen müssen diese zuerst in Aktionspotenziale umgewandelt, sozusagen digitalisiert werden. Diese Aktionspotenziale ermöglichen eine schnelle und zeitlich präzise Signalübertragung. Nach der klassischen Lehrmeinung sind dazu nur die so genannten Ganglienzellen der Netzhaut in der Lage. Baden und seine Kollegen fanden jedoch heraus, dass zumindest bei Mäusen auch die so genannten Bipolarzellen, die den Ganglienzellen vorgeschaltet sind, derartige digitale Aktionspotenziale aussenden können. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Funktionsweise der Retina noch nicht ausreichend verstanden wird.

Dr. Dipl.-Psych. Larissa Wolkenstein hat Psychologie an den Universitäten Konstanz und Tübingen studiert. Sie promovierte 2009 an der Universität Tübingen und machte eine Ausbildung zur psychologischen Psychotherapeutin. In ihrer Forschung beschäftigt sich die Wissenschaftlerin mit der Behandlung von Depressionen. Sie konnte zeigen, dass mit Hilfe der so genannten transkraniellen Gleichstromstimulation der Einfluss negativer Informationen auf das Denken von Menschen mit Depressionen vorübergehend beseitigt werden kann. Bei der transkraniellen Gleichstromstimulation wird durch den Schädelknochen hindurch ein schwacher elektrischer Strom angewendet, der für den Patienten kaum spürbar ist, aber eine aktivierende Wirkung auf den stimulierten Hirnbereich haben kann. Wolkenstein und ihre Kollegen wandten dies im linken Stirnhirn an und wiesen den Erfolg während der 20 Minuten dauernden Stimulation nach. Wenn sich die Effektivität des Verfahrens in weiteren klinischen Studien bestätigt, könnte es sich als weitere Möglichkeit zur Behandlung von depressiven Störungen etablieren.

Der Attempto-Preis wurde 1983 vom Psychiater Konrad Ernst und seiner Ehefrau Dorothea gestiftet. Jährlich werden zwei mit je 7.500 Euro dotierte Auszeichnungen an Tübinger Nachwuchswissenschaftler aus dem Bereich der Neurowissenschaften verliehen. Zur Jury gehören Professor Heinrich Bülthoff (Direktor des Max-Planck-Instituts für Biologische Kybernetik), Professor Andreas Fallgatter (Ärztlicher Direktor der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie); Professor Peter Thier (Direktor des Hertie-Instituts für klinische Hirnforschung) sowie Rektor Professor Engler. Die Laudatio hält in diesem Jahr Professor Andreas Fallgatter.

Kontakt:
Rainer Hummel
Universitätsbund Tübingen e.V.
Geschäftsführer
Geschwister-Scholl-Platz • 72074 Tübingen
Telefon +49 7071 29-77067
unibunduni-tuebingen.de

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