Neurovaskuläres Netzwerk gegründet

Neurovaskuläres Netzwerk gegründet

UKL und die Kliniken Borna, Altenburg und Altscherbitz vereinbaren Kooperation. Der interdisziplinäre Zusammenschluss dient allen Patienten mit Erkrankungen der Hirngefäße, die auf diese Weise auch in aufwändigen, komplizierten oder seltenen Fällen schnell die bestmögliche Therapie erhalten sollen. Hintergrund ist, dass gerade bei Schlaganfällen und anderen lebensbedrohlichen Erkrankungen des Gefäßsystems im Gehirn nicht an allen Kliniken jederzeit auch alle verfügbaren Behandlungen durchgeführt werden können.

„Unser Ziel ist es, künftig gemeinsam schnell zu identifizieren, welches Verfahren im jeweils individuellen Fall die beste Lösung für den Patienten ist“, beschreibt Prof. Joseph Claßen, Direktor der Neurologie am UKL, die Aufgabe des Netzwerks. Zur Wahl stehen an den vier Kliniken dabei medikamentöse, neurochirurgische und minimalinvasive kathetergestützte Methoden. Hier wird auch besprochen, ob die weitere Behandlung in einem spezialisierten überregionalen Zentrum erfolgen muss. „Oft kann die Behandlung vor Ort erfolgen und ist damit die beste Wahl für die Patienten“, so Claßen.

Neurovaskuläres Netzwerk

In manchen Fällen sind aber hochspezialisierte Verfahren erforderlich, die dann ebenfalls schnell und gezielt eingesetzt werden können. Die Grundlage dafür bilden Festlegungen zur Vorgehensweise, die von den Netzwerkpartnern gemeinsam entwickelt und in den Alltag übernommen werden. Die Ausrichtung an hohen gemeinsam verabredeten Standards stellt ein wesentliches Merkmal für die Qualität der medizinischen Versorgung in solchen Netzwerken dar. Diese Art der Kooperation kann die Versorgung der oft stark gefährdeten Patienten wesentlich verbessern, das zeigen Erfahrungen aus den 15 bereits in Deutschland existierenden zertifizierten Zentren. Privatdozentin Dr. Anne-Dorte Sperfeld, Chefärztin der Klinik für Neurologie im Sächsischen Krankenhaus Altscherbitz und Leiterin einer regionalen Schlaganfalleinheit, ist überzeugt, dass über dieses Netzwerk „nachhaltige Erkenntnisse der Spitzenmedizin schnellstens die Basis der Bevölkerungsversorgung erreichen“. Um konkret für betroffene Menschen körperliche und geistige Ausfallerscheinungen zu minimieren, kommen am Universitätsklinikum Leipzig die Experten des neurovaskulären Zentrums, die Spezialisten für Neuromedizin der weiteren drei beteiligten Kliniken und unterstützender Fachgebiete zusammen: Neurologen, Neurochirurgen und Neuroradiologen, aber auch Kardiologen, Gefäßchirurgen und Anästhesisten. Die Zusammenarbeit beschränkt sich nicht auf die Notfallversorgung, sondern schließt alle Fälle ein.
„Wir freuen uns sehr über die Schaffung dieses Netzwerkes, da wir so gemeinsam einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Patientenversorgung in der gesamten Region leisten können“, sagt Prof. Christoph Josten, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Leipzig.

Eine abgestimmte Versorgung von Patienten mit Gefäßerkrankungen des Gehirns sichert die spezialisierte Behandlung und damit die Chancen der Betroffenen auf Überleben und Heilung. „Der Zusammenschluss ist logische Konsequenz unserer langjährigen guten Kooperation in der Region“, betont Dr. Alexander Reinshagen, Chefarzt der Klinik für Neurologie am Sana Klinikum in Borna. „Mit unserer zertifizierten überregionalen Schlaganfallstation bieten wir vor Ort alle notwendigen Behandlungen von medikamentöser Akuttherapie bis Katheterverfahren an. Von der Möglichkeit, sich mit weiteren Experten zu beraten und besonders schwierige Fälle zu den Kollegen am Universitätsklinikum Leipzig zu verlegen, haben bereits schwer kranke Patienten profitiert. Das können wir im Netzwerk zukünftig noch schneller und gezielter organisieren“.
„Und wir müssen den Blick in die Zukunft richten“, ergänzt Dr. Torsten Hantel, Chefarzt des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie / Neuroradiologie
in Borna. „Die Ausbildung der nächsten Ärztegeneration stellt aufgrund der rasanten technischen Entwicklung höchste Anforderungen, die nur noch mit gemeinsamen Standards, fachlichem Austausch und einem stetigen Blick über den Tellerrand erfolgreich zu meistern sind.“

Prof. Dr. Jörg Berrouschot, Ärztlicher Direktor des Klinikums Altenburger Land, fügt hinzu: „Die Klinik für Neurologie des Klinikums Altenburger Land bringt ihre hervorragende Expertise in der akuten Schlaganfallversorgung in das Netzwerk ein. Wir sind ein großes überregionales Schlaganfallzentrum, betreuen unter anderem sieben internistische Kliniken telemedizinisch und sind in der Lage, rund-um-die-Uhr alle notwendigen akuten Behandlungsverfahren, zum Beispiel mechanische Thrombektomie, Thrombolyse und weitere, für Patienten mit Schlaganfall anzubieten. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit zum Wohle der Patienten in Mitteldeutschland.“

Nicht zuletzt sollen auch die in diesem Netzwerk getroffenen therapeutischen Entscheidungen evaluiert werden. In einem nächsten Schritt sollen die praktischen Modalitäten (z. B. zur klinikübergreifenden Kommunikation) und die finanzielle Ausstattung besprochen werden. Zudem strebt das Netzwerk, das offen ist für weitere Partner, eine Zertifizierung zur Sicherung der Qualität der hier erbrachten Leistungen an.

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