Neuroprotektion bei Multipler Sklerose

Wirkt die Wirkstoffkombination aus Interferon beta-1b und Flupirtin bei MS neuroprotektiv

 

Neuroprotektion bei MS

Multiple Sklerose – Die Arbeitsgruppe Klinische Neuroimmunologie des Exzellenzclusters NeuroCure an der Charité in Berlin erforscht Ursachen und Therapien der Multiplen Sklerose (MS). Ein aktuelles Projekt unter Leitung von Dr. Friedemann Paul ist die Therapie der MS mit Interferon beta-1b in Kombination mit Flupirtin in der FloriMS-Studie. Da schon die Einzelsubstanzen Flupirtin und Beta-Interferon neuroprotektive Wirkungen erzielen, erwarten die Forscher, dass die Kombination synergistische Effekte aufweist. „Die Kombination der Wirkstoffe Interferon beta-1b und Flupirtin könnte deren neuroprotektive Wirkung in der Behandlung von MS-Patienten verstärken“, so Dr. Paul, Oberarzt an der Klinik für Neurologie an der Charité in Berlin und Leiter der Arbeitsgruppe Klinische Neuroimmunologie von NeuroCure. NeuroCure ist im Rahmen der Exzellenzinitiative ein von Bund und Ländern gefördertes neurowissenschaftliches Forschungszentrum an der Charité in Berlin.

Ziel der Forschungsarbeit von Dr. Paul ist es, durch wissenschaftliche Studien neue Erkenntnisse zur Therapie der Multiplen Sklerose zu gewinnen und diese möglichst umgehend in den klinischen Alltag umzusetzen. Dabei können er und seine ärztlichen Kolleginnen und Kollegen auf moderne Diagnose-Methoden zurückgreifen: die MRT / Kernspintomographie, neuerdings auch die optische Kohärenztomographie (OCT) zur Messung der Nervenfaserschichtdicke der Netzhaut am Auge und die Doppler- und Duplexsonographie zur Darstellung des Hirngewebes und zur Untersuchung der Durchblutung des Gehirns.

Multiple Sklerose tritt schon in jungen Jahren auf – mehr Frauen betroffen
Die Multiple Sklerose ist eine chronische Autoimmunerkrankung des Zentralen Nervensystems (ZNS), die vielfach schon im jungen Erwachsenenalter beginnt. Frauen sind bis zu viermal häufiger betroffen als Männer (1). Die schubförmig auftretende MS ist gekennzeichnet durch Krankheits-Schübe, deren Abstände mehrere Monate bis Jahre betragen können (3).

Bei der radiologischen Diagnostik steht die Untersuchung des zentralen Nervensystems (ZNS) mit der Magnetresonanztomographie (MRT) im Vordergrund. Die hiermit dargestellten sogenannten schwarzen Löcher (black holes) gelten als Korrelat für irreversible Schäden infolge abgelaufener Entzündungsprozesse im Rahmen einer MS (2,4). Durch die akuten Entzündungsprozesse, die vom körpereigenen Immunsystem verursacht werden, entstehen Schäden an Myelinscheiden, Nervenzellen und Axonen des ZNS. Im Verlauf führen die im Rahmen von Schüben auftretenden Entzündungsprozesse zu einem kontinuierlichen Abbau von Nervengewebe im Hirn (1).

Damit einher geht der Verlust an Fähigkeiten, die bisher durch das zerstörte Nervengewebe gesteuert wurden. Da einmal zerstörtes Nervengewebe in der Regel nicht regenerierbar und eine Heilung der MS nicht möglich ist, muss es das Ziel jeder Behandlung sein, die Multiple Sklerose so früh wie möglich zu diagnostizieren, die Symptome zu behandeln und gegen das Fortschreiten der autoimmunologischen Prozesse vorzugehen (4).

Neuroprotektive Wirkung innovativer Substanzen frühzeitig nutzen
Um die wissenschaftliche Fragestellung zur Neuroprotektion bei MS abzuklären, führt die Arbeitsgruppe Klinische Neuroimmunologie im Klinischen Forschungszentrum des Exzellenzclusters NeuroCure mit einer Kombination der beiden Wirkstoffe Interferon beta-1b und Flupirtin eine Studie zur Therapie der MS durch. Die Studie trägt den Namen „FloriMS“ (Flupirtin as Oral Treatment in Multiple Sclerosis). Nur wenige innovative Substanzen sind zur Therapie der MS zugelassen. Eine dieser innovativen, zugelassenen Substanzen ist das Interferon beta-1b. Über Interferon beta-1b (Betaferon) ist bekannt, dass es das Fortschreiten der MS hemmt. Bei frühzeitigem Einsatz wird Interferon beta-1b auch eine neuroprotektive Wirkung zugeschrieben (5).

Der Wirkstoff Flupirtin ist als Analgetikum zur Behandlung von Schmerzen und Muskelverspannungen zugelassen. In weiterführenden Untersuchungen (6) konnte für Flupirtin gezeigt werden, dass es Hirngewebe vor dem Zelltod schützen kann.

Für Rückfragen zur FloriMS-Studie wenden Sie sich bitte an
NeuroCure Clinical Research Center (NCRC)
AG Klinische Neuroimmunologie
Charité – Universitätsmedizin Berlin, Campus Mitte Berlin
Tel: 030 – 450 639057 und 030 450 539 040
E-Mail: ncrc@charite.de

Referenzen

  1. Kantarci OH, Goris A, Hebrink DD, et al., IFNG polymorphisms are associated with gender differences in susceptibility to multiple sclerosis, Genes and Immunity (2005) 6, 153–161. doi:10.1038/sj.gene.6364164 Published online 27 January 2005
  2. Penner, IK et al., Treatment effects of IFNB-1b on cognitive performance in patients with a first event suggestive of MS, Poster Presentation at the 62nd annual American Academy of Neurology
  3. Jones JL, Coles AJ., New treatment strategies in multiple sclerosis, Exp Neurol. 2010 Jun 12.
  4. Poser CM, Paty DW, Scheinberg L, et. Al New diagnostic criteria for multiple sclerosis: guidelines for research protocols. Ann Neurol 1983; 13:227-231
  5. Cadavid et al. New acute and chronic black holes in multiple sclerosis patients randomized to interferon beta-1b or glatiramer acetate J. Neurol. Neurosurg. Psychiatry published online 16 Aug 2009 Bates D, Newcastle, GB, International Pressconference Bayer Schering Pharma, Berlin, 2010 Jun 21
  6. Klawe C, Maschke, M., Expert Opin Pharmacother. 2009 Jun; 10(9):1495-500
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