Neuroblastom: Frankfurter Forscher entwickeln Therapie mit Natürlichen Killerzellen

Normalerweise übernehmen die sogenannten Natürlichen Killerzellen des angeborenen Immunsystems als primäre Verteidigungslinie der Immunabwehr die Überwachung, Erkennung und Zerstörung entarteter Zellen. Bei Patienten mit Neuroblastom im fortgeschrittenen Stadium ist diese gezielte Tumorüberwachung stark eingeschränkt. Grund dafür sind „Störfaktoren“, die die Tumorzellen freisetzen und die verhindern, dass Natürlichen Killerzellen aktiviert werden. Ein vielversprechender Therapieansatz gegen dieses Phänomen beinhaltet zum einen die dauerhafte Steigerung der Anzahl und Aggressivität von Natürlichen Killerzellen und andererseits die Überwindung der Tumorimmunmechanismen, die zur Freisetzung der „Störfaktoren“ führen.

Im Rahmen einer klinischen Studie hat das Frankfurter Forscherteam einen immuntherapeutischen Ansatz entwickelt: Die jungen Patienten erhalten per Infusion eine große Anzahl hoch aktivierter Natürlicher Killerzellen, die aus dem Blut eines Elternteils, isoliert wurden. Die vorbehandelten Natürlichen Killerzellen besitzen eine drastisch erhöhte Anzahl von Oberflächenrezeptoren mit denen Tumorzellen besser erkannt, gebunden und effizienter zerstört werden können. „Dadurch konnten wir die Aggressivität der Natürlichen Killerzellen gegenüber Neuroblastomzellen deutlich steigern“, freut sich Köhl über einen ersten kleinen Erfolg. Allerdings mussten die Forscher auch feststellen, dass die alleinige Immuntherapie mit Natürlichen Killerzellen in dieser Form nicht ausreichen wird, um die Heilungsrate der jungen Patienten mit Neuroblastom im fortgeschrittenen Stadium entscheidend zu verbessern. „Schuld daran sind die im Rahmen der Studie entdeckten Tumor-Immun-Escape-Mechanismen“, erläutert Köhl.

In ihrem aktuellen Forschungsvorhaben nehmen Ulrike Köhl und Joachim Koch diese Tumorimmunmechanismen genauer unter die Lupe. Ziel ist es, die bereits erprobte Therapie mit aktivierten Natürlichen Killerzellen weiter zu entwickeln. „Wir haben die Hoffnung, dass in einigen Jahren junge Patienten mit fortgeschrittenem Erkrankungsstadium bessere Heilungschancen haben“ beschreibt Ulrike Köhl die Motivation zu ihrem Vorhaben.

Die Wilhelm Sander-Stiftung unterstützt die in Kooperation laufenden Arbeiten in den Laboren von PD. Dr. Ulrike Köhl, Dr. Stephan Klöß (Universitätsklinikum Frankfurt, Labor für Stammzelltransplantation und Immuntherapien) und Priv. Doz. Dr. Joachim Koch (Georg-Speyer-Haus) mit rund 250.000 Euro.
Stiftungszweck ist die Förderung der medizinischen Forschung, insbesondere von Projekten im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 190 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Weitere Informationen zur Stiftung: http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Kontakt (Projektleitung):
PD Dr. Ulrike Köhl
Labor für Stammzelltransplantation und Immuntherapie
Klinikum der Goethe-Universität Frankfurt am Main
Pädiatrische Hämatologie, Onkologie und Hämostaseologie
Direktor Prof. Dr. Thomas Klingebiel
Tel.: +49(69) 6301 4918
E-Mail: ulrike.koehl@kgu.de

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