Neues Zentrum hilft bei Blutgerinnungsstörungen

„Krankheit der Könige“ – unter diesem Namen wurde die Hämophilie, umgangssprachlich Bluterkrankheit, bekannt. Begünstigt von der Tradition, in engen Familienkreisen zu heiraten, konnte sich die Erbkrankheit im 19. und 20. Jahrhundert in den europäischen Königshäusern verbreiten und forderte dabei viele prominente Opfer. Heute ist der europäische Adel zwar nicht mehr überproportional betroffen, die Hämophilie und eine Vielzahl weiterer Blutgerinnungsstörungen bestehen aber weiter fort. Diese umfassen angeborene und erworbene Erkrankungen, bei denen die Blutgerinnung – das Festwerden des Blutes – zu stark oder zu schwach ausgeprägt ist. Bei verminderter Blutgerinnung können selbst kleine Wunden zu starken Blutungen führen, während eine zu starke Gerinnung das Blut dickflüssiger und anfälliger für Verklumpungen macht. Zur Diagnostik, Beratung und Therapie des kompletten Spektrums von Blutgerinnungsstörungen wurde nun am UKR das Gerinnungszentrum Regensburg gegründet. Das interdisziplinäre Ärzteteam betreut im einzigen Zentrum seiner Art in Ostbayern Patienten aller Altersstufen, Fachrichtungen und medizinischer Fragestellungen.

„Probleme mit der Blutgerinnung können in jedem Lebensalter und in allen medizinischen Bereichen auftreten. Für eine erfolgreiche Therapie der Patienten ist es deswegen unerlässlich, dass die Experten der betreffenden Fachbereiche intensiv zusammenarbeiten“, sagt Professor Dr. Wolfgang Herr, Direktor der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III des UKR. Für eine möglichst enge Zusammenarbeit wurde die am UKR bereits bestehende Gerinnungssprechstunde nun in ein Zentrum überführt. Durch die dadurch geschaffenen, festen Strukturen können die Zusammenarbeit institutionalisiert und neue Qualitätsstandards eingeführt werden.

Im Gerinnungszentrum Regensburg haben sich innerhalb des UKR mit Dr. Christina Hart, Dr. Stephanie Mayer, Dr. Klaus Rehe und PD Dr. Susanne Heimerl Hämostaseologen aus den Fachgebieten Innere Medizin, Kinder- und Jugendmedizin sowie Labormedizin zusammengeschlossen.

Das GZR bietet Diagnostik, Beratung und Therapie für das komplette Spektrum an Blutgerinnungsstörungen an. Ein besonderes Leistungsmerkmal des GZR ist, dass im Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin ein akkreditiertes Labor zur Untersuchung von Blutproben zur Verfügung steht. Professor Dr. Dr. André Gessner, kommissarischer Leiter des Instituts, erläutert: „Unser Labor ist vor Ort und hoch spezialisiert. So leisten wir einen effektiven Beitrag zum Zentrum, indem wir rund um die Uhr eine spezielle Gerinnungsdiagnostik und darüber hinaus ein breites Portfolio an Spezialdiagnostik vornehmen können.“
Das GZR steht Patienten aller Fachbereiche innerhalb des UKR sowie ambulanten Patienten aus ganz Ostbayern zur Verfügung. Zur passgenauen Betreuung wurden spezielle Sprechstunden für Erwachsene sowie für Kinder und Jugendliche eingerichtet. „Bei Kindern spielen vor allem vererbbare Formen der Blutgerinnungsstörung eine Rolle. Da sie sich beim Spielen und Toben gerne einmal verletzen, ist es wichtig, den richtigen Umgang mit der Krankheit schon von klein auf zu lernen. Unter konsequenter ärztlicher Betreuung ist unseren Patienten dann ein annähernd normales Leben möglich“, so Professor Dr. Selim Corbacioglu, Leiter der Abteilung für Pädiatrische Hämatologie, Onkologie und Stammzelltransplantation des UKR.

Hintergrundinformation: Blutgerinnung
In einem ständigen Kreislauf transportiert das Blut Sauerstoff und Nährstoffe in alle Organe und Gewebe des Körpers. Hierfür muss es flüssig sein und ungehindert zirkulieren können. Umgekehrt muss das Blut bei einer Verletzung möglichst schnell fest werden, um übermäßigen Blutverlust zu verhindern.
Das Gerinnungssystem schützt bei normaler Funktion also vor Blutungen und Blutverlusten. Gleichzeitig verhindert der Körper aber auch, dass das Blut zur falschen Zeit am falschen Ort gerinnt, wie es beispielsweise bei einem Blutgerinnsel innerhalb der Blutgefäße (Thrombose) der Fall ist.
Die Blutgerinnung ist ein komplexer Vorgang, der wie eine Kettenreaktion abläuft. Bei diesen komplexen Reaktionen kann es zu vielen Störungen kommen. Häufiger als angeborene Störungen der Blutgerinnung sind dabei erworbene, die im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen auftreten.

Kontakt:
Katja Rußwurm
Unternehmenskommunikation
Universitätsklinikum Regensburg
T: 0941 944-4200
presse@ukr.de

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