Neuer Rechtsmedizin-Professor tritt in Halle seinen Dienst an

Die Rechtsmedizin im südlichen Sachsen-Anhalt erhält einen neuen Professor. Der Leipziger Rechtsmediziner Professor Dr. Rüdiger Lessig löst am 1. Oktober 2010 Professor Dr. Manfred Kleiber als Lehrstuhlinhaber an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg ab. Professor Kleiber geht nach 18 Jahren als Institutsdirektor in den Ruhestand. Der 52-jährige Professor Lessig war bisher stellvertretender Direktor des rechtsmedizinischen Instituts der Universität Leipzig. Dort absolvierte er auch seine Ausbildung zum Facharzt für gerichtliche Medizin. In Halle kann die Rechtsmedizin auf eine lange Tradition verweisen, seit dem 18. Jahrhundert gibt es Vorlesungen auf dem Gebiet, eine eigenständige Professur wurde 1901 eingerichtet.

Das spannende an der Arbeit als Rechtsmediziner sei, dass man bei dem morgendlichen Dienstantritt nie weiß, wie sich der Arbeitstag entwickelt und welche Herausforderungen auf einen zukommen. Es gibt immer wieder Fälle wie Kindestötungen, die nicht an einem spurlos vorüber gehen würden: „Ohne familiären Rückhalt wäre meine Arbeit undenkbar.“ Sein Ziel sei es, die Rechtsmedizin in Sachsen-Anhalt auf ein festes Fundament zu stellen, um Justiz und Polizei des Landes auf hohem Niveau mit rechtsmedizinischen Gutachten und Dienstleistungen versorgen zu können. „Ohne fundierte, qualifizierte Erkenntnisse der forensischen Medizin ist die Justiz oftmals nicht in der Lage, sachgerechte Entscheidungen zu treffen“, unterstreicht Professor Lessig die Bedeutung seines Faches. Für Gewaltopfer sei es zudem außerordentlich wichtig, die Rechtsmedizin als eine Anlaufstelle mit unabhängigen Sachverständigen nutzen zu können.

Die Fortschritte in der rechtsmedizinischen Forschung wirken sich positiv auf die Ermittlungsarbeit von Polizei und Justiz aus. So sei die DNA-Datenbank des Bundeskriminalamtes ohne die bundesweite Forschung der forensischen Molekulargenetik in den Instituten undenkbar gewesen. „Es ist noch viel Potenzial vorhanden, um durch rechtsmedizinische Forschung die Ermittlungsarbeiten voranzubringen.“ Eines seiner Tätigkeitsschwerpunkte ist die forensische Molekulargenetik, u. a. durch den Einsatz von DNA-Systemen zur Identifizierung unbekannter Toter im Katastrophenfall.

Seine jahrelangen Erfahrungen auf dem Gebiet der Identifizierung auf Grund des Gebisszustandes von Todesopfern führten nicht nur zur Mitgliedschaft in der Identifizierungskommission des Bundeskriminalamtes, sondern auch zu einem insgesamt mehrmonatigen Einsatz nach der Tsunami-Katastrophe in Asien vor fast sechs Jahren. Zudem wirkt er bundesweit als Ausbilder für das BKA auf dem Gebiet der stomatologischen Identifikation, um andere Zahnmediziner für Katastropheneinsätze vorzubereiten. Ein weiteres Augenmerk legt der Rechtsmediziner auf bildgebende Verfahren zur Identifizierung unbekannter Toter sowie auf die Suche nach Todesursachen und der Rekonstruktion von Todesfällen bei Bränden.

Zum Lebenslauf: Professor Lessig wurde 1958 in Leipzig geboren und studierte zunächst Zahnheilkunde in Wolgograd und absolvierte dann in seiner Heimatstadt ein Humanmedizin-Studium, welches er 1983 abschloss. Seit 1981 arbeitet Rüdiger Lessig am Institut für Gerichtliche Medizin der Universität Leipzig, promovierte an der Universität und erlangte 1987 seine Anerkennung als Facharzt für gerichtliche Medizin. Im Jahr 2000 wurde er zum Oberarzt und ein Jahr später zum stellvertretenden Direktor der Einrichtung ernannt. Im vergangenen Jahr erfolgte die Ernennung zum außerplanmäßigen Professor. Der Rechtsmediziner ist Mitglied in zahlreichen, auch internationalen Organisationen der Rechtsmedizin.
(idw, 09/2010)

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