Neuer Herr über CT und MRT

Einer der Punkte, die Prof. Thorsten Bley an der universitären Radiologie begeistert, ist deren Schnittstellenfunktion: „Als klinisch tätige Ärzte werden wir täglich mit Fragen aus der Krankenhauspraxis konfrontiert. Gleichzeitig stehen uns hochmoderne Werkzeuge, wie Computertomografen und Magnetresonanztomografen, zur Verfügung. In Kooperation mit anderen Disziplinen, wie der Medizin-Physik, haben wir das Wissen und die Mittel, neue Lösungen für klinische Probleme zu erarbeiten.“

Forschungserfolg bei Riesenzellarteriitis
Dieses Vorgehen hat dem 39-Jährigen selbst seinen bisher größten wissenschaftliche Erfolg eingebracht: Es gelang ihm, eine Methode zu entwickeln, mit der die Riesenzellarteriitis per Magnetresonanztomografie (MRT) sichtbar gemacht werden kann. Die Riesenzellarteriitis ist die häufigste entzündliche Gefäßerkrankung. Pro Jahr kommen in Deutschland auf 100.000 Menschen, die älter als 50 Jahre sind, etwa 20 Neuerkrankungen. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Die Krankheit gilt als schwer zu diagnostizieren – mit seiner Forschungsarbeit hat Prof. Bley hier neue Wege aufgezeigt, die in der Fachwelt mit größtem Interesse aufgenommen wurden. Als besondere Anerkennung dieser wissenschaftlichen Leistung wurde Bley vor zwei Jahren der Röntgenring verliehen. Der Röntgenring ist neben dem Röntgenpreis die bedeutendste Auszeichnung der Deutschen Röntgengesellschaft.

Münster, Freiburg, Madison, Hamburg – Würzburg
Zum ersten April dieses Jahres hat Prof. Bley die Nachfolge von Prof. Dietbert Hahn als Direktor des Instituts für Röntgendiagnostik am Universitätsklinikum Würzburg (UKW) angetreten. Sein Karriereweg bis dahin lässt sich in vier Phasen unterteilen. Nach dem Medizinstudium an der Universität Münster erarbeitete sich der gebürtige Frankfurter am Universitätsklinikum Freiburg die Basis seines radiologischen Wissens. Dort sammelte er Oberarzterfahrungen und habilitierte für das Fach Radiologie. Den akademischen Facetten seines Berufs spürte Prof. Bley anschließend in einer intensiven, 18-monatigen Forschungszeit an der University of Wisconsin-Madison (USA) nach. Für seinen vierten Karriereschritt vor seiner Berufung nach Würzburg wählte der zielorientierte Arzt das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Hier vervollkommnete er seine Kenntnisse und Fertigkeiten in der Interventionellen Radiologie.

Neuer Direktor – neues CT-Gerät
Als Leiter der Röntgendiagnostik am UKW kann Prof. Bley seine Interessen und angesammelten Fähigkeiten voll einbringen. „Die kardio-vaskuläre Bildgebung als einer der Leitfäden meiner Karriere ist auch einer der Schwerpunkte der Würzburger Medizinischen Fakultät. Ich treffe hier auf exzellente personelle, organisatorische und technologische Strukturen, mit denen ich sehr gut weiterarbeiten kann“, freut sich der Experte. Begleitend zu seinem Amtsantritt wird die an sich schon sehr gute Geräteausstattung des Instituts weiter aufgestockt. „Wir werden einen neuen, noch schnelleren Hochleistungs-Computertomografen anschaffen“, berichtet Prof. Bley. „Insbesondere die Darstellung des bewegten Herzens und der Blutgefäße wird dadurch deutlich verbessert. Dies ermöglicht uns Ärzten noch bessere Diagnosemöglichkeiten und verkürzt über ein schnelleres Prozessmanagement die Wartezeiten für die Patienten.“

Ausbau der interventionellen Radiologie
Neben der Stärkung der kardio-vaskulären Bildgebung plant er den weiteren Ausbau der interventionellen Radiologie: „Als universitäres Institut ist es unsere Aufgabe, den Patienten radiologische Interventionen mit höchstem Standard und bestmöglicher Fachexpertise anzubieten und diese mit universitärer Forschung und Lehre zu flankieren“.

Klinische Schwerpunkte Onkologie und Traumatologie
Weitere Schwerpunkte des Universitätsklinikums Würzburg stellen die Onkologie und Traumatologie dar. „Daher werden wir uns auch in Zukunft im Schulterschluss mit den Ärzten diverser Disziplinen sehr intensiv mit der Diagnostik und interventionellen Behandlung onkologischer und traumatologischer Patienten beschäftigen“, betont der neue Institutsdirektor.

Entzündungen von Arterien weiter erforschen
In der Forschung sollen die Arbeiten rund um die Riesenzellarteriitis weiter vorangetrieben werden. Prof. Bley: „Obwohl ich mich schon seit nunmehr zehn Jahren mit diesem Thema beschäftige, stehen wir immer noch vor einem weiten Feld. Aus jeder gewonnenen Erkenntnis erwachsen weitere Fragen.“ Neue Antworten hofft er in Würzburg zum Beispiel in enger Zusammenarbeit mit der Nuklearmedizin des Uniklinikums über die Einbeziehung der PET-Diagnostik zu finden.

Lehre mit US-amerikanischen Einflüssen
Neben den Möglichkeiten zur Forschung ist auch die Lehre einer der Gründe, warum Prof. Bley gerne an einem Universitätsklinikum arbeitet. „In mein didaktisches Angebot werde ich Einflüsse aus der US-amerikanischen Lehre einfließen lassen, wie zum Beispiel die Arbeit in möglichst kleinen Gruppen mit viel ‚Hands-on‘ oder den ‚Heißen Stuhl‘“, kündigt er an. Beim heißen Stuhl müssen in erster Linie Assistenzärztinnen und -ärzte in einer prüfungsartigen Situation vor einer Gruppe einzeln Diagnose- und Therapieentscheidungen treffen. „Wenn es gelingt, hierfür das richtige Gruppenklima zu schaffen, ist dies kein Vorführen des Einzelnen, sondern ein sehr effizientes und intensives Lernformat“, weiß Prof. Bley aus eigener Erfahrung.

Gut in Würzburg eingelebt
Privat ist der Neu-Franke mit seiner Frau und seinen drei Kindern bereits Anfang März von Hamburg an den Main umgesiedelt. „Schon in dieser kurzen Zeit haben wir erkannt, dass Würzburg speziell für Familien ein wunderbarer Ort zum Leben ist“, freut sich Prof. Bley. Für die kommenden Monate plant er, gemeinsam mit seiner Familie die vielen Kulturschätze der Region zu erkunden.

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