Neue Wege zur Lösung alter Probleme der Kindernephrologie

Wien. Vom 15.–18. Februar 2017 fand in Wien die 48. Jahrestagung der Gesellschaft für Pädiatrische Nephrologie (GPN) statt. Etwa 300 Experten aus Medizin und Psychologie sowie Pflegekräfte trafen sich zu einem intensiven wissenschaftlichen Austausch über neueste Erkenntnisse in Diagnostik und Behandlung von Nierenerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen.
Aktuelle Forschungsergebnisse der jeweiligen Fachgebiete sowie praktische Erfahrungen in der Betreuung wurden gemeinsam mit nationalen und internationalen Fachleuten diskutiert. „In einer ausgewogenen Mischung aus wissenschaftlichen Highlights und klinischen Updates in allen Bereichen der pädiatrischen Nephrologie fokussierten wir uns bewusst auf die Themen, für die wir auch lokal im Sinne unserer Profilbildung stehen wollen“, betont Tagungsleiter Prof. Dr. Christoph Aufricht, Medizinische Universität Wien, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde.

Nationale und internationale Nierenexperten präsentierten neue klinische und experimentelle Forschungsergebnisse zu den Schwerpunkten „Peritonealdialyse“, „Transplantation/Komplement“, „CKD-Epidemiologie“ und „Kinderurologie“. Unter dem Titel „Neue Medikamente für alte Erkrankungen“ und „Papers, die unsere Welt verändern“ stellten ausgewählte Experten die wichtigsten wissenschaftlichen Erkenntnisse und Publikationen der pädiatrischen Nephrologie der letzten Jahre vor und diskutierten die Zukunft ungelöster klinischer Probleme.

Ein Tagungs-Highlight waren Fortschritte bei der Bauchfelldialyse (Peritonealdialyse, PD) bei schwerem Nierenversagen, ein kontinuierliches und gut verträgliches Blutreinigungsverfahren, das von Familie oder Patient selbst als Heimtherapie durchgeführt werden kann und somit größtmögliche Mobilität und Unabhängigkeit trotz Dialyse erlaubt. Die Behandlung, bei der die Membran des Bauchfells als Filter dient, wird jedoch oft durch Infektionen und chronische Entzündungen kompliziert. Dies soll in Zukunft mit Hilfe einer neuartigen Dialyse-Flüssigkeit grundlegend verbessert werden. Unter dem Titel „Start up and do it! – PD-protec and more“ wurden dazu die Erkenntnisse einer aktuell publizierten klinischen Studie der MedUni Wien von Prof. Aufricht vorgestellt. Der von ihm entdeckte zellschützende Wirkstoff der innovativen Peritonealdialyse-Lösung macht das Bauchfell widerstandsfähiger gegen Schädigungen.

Zum Abschluss des Kongresses wurden in der Sitzung „Best of GPN“ die während der Tagung ausgewählten besten Poster vorgetragen. Ein Teamkurs des KfH-Bildungszentrums stellte begleitend zur Tagung die Zusammenarbeit in der Patientenbetreuung vor.
Alle Informationen zur 48. Jahrestagung der Gesellschaft für Pädiatrische Nephrologie (GPN) unter www.gpn-kongress.de.

Hintergrund

Bei Erkrankungen an den Nieren und dem Urogenitalsystem, die oft angeboren sind und zu den häufigsten Fehlbildungen im Kindesalter gehören, ist entscheidend, dass sie rechtzeitig einem Kindernephrologen vorgestellt werden. Jedes Alter kann betroffen sein. Nierenkranke Kinder benötigen dem Alter und dem Krankheitsspektrum angemessene diagnostische und therapeutische Maßnahmen. Bei kindlicher akuter und chronischer Niereninsuffizienz sind Kindernephrologen auf die Zusammenarbeit mit Spezialisten anderer Fachdisziplinen angewiesen: Pädiatrische Intensivmediziner, Pränatalmediziner, Geburtsmediziner, Neonatologen, Kinderchirurgen, Kinderurologen, Kinderradiologen, Kinderkardiologen und Transplantationsmediziner. Patienten der pädiatrischen Nephrologie sind in ihrer Krankheit und Diagnostik, dem Verlauf und der Behandlung individuell und oft hochkomplex. Chronisch nierenkranke Kinder und deren Familien benötigen psychologische, pädagogische und sozialmedizinische Unterstützung in spezialisierten kindernephrologischen Zentren, die eine kontinuierliche Betreuung anbieten. Etwa einhundert Kinder pro Jahr kommen in Deutschland an die Dialyse oder werden nierentransplantiert.

In der Gesellschaft für Pädiatrische Nephrologie (GPN) versammeln sich Kinderärzte mit kindernephrologischem Schwerpunkt. Die GPN unterstützt die wissenschaftliche und die praktische ärztliche und psychosoziale Arbeit mit nierenkranken Kindern und ihren Familien. Die GPN möchte zudem die Bedeutung der Kindernephrologie im Bereich der Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) mit ihren Besonderheiten hervorheben und vertritt gesundheitspolitische Interessen für nierenkranke Kinder und ihre Familien.

Die flexible Methode der Bauchfelldialyse (Peritonealdialyse, PD) kommt bei jedem zehnten Dialysepatient in Österreich zum Einsatz und ist das häufigste Nierenersatzverfahren im jungen Kindesalter. Wenn die Nieren nicht mehr in der Lage sind, Stoffwechselprodukte aus dem Blut zu filtern, muss das Blut mittels Dialyse (Blutwäsche) künstlich gereinigt und entwässert werden. Der große Vorteil der Peritonealdialyse ist, dass die Patienten sie selbständig durchführen können und unabhängig vom Dialysezentrum bleiben. Dies ist möglich, solange die körpereigenen Schutzmechanismen gegen die Dialyseflüssigkeiten wirken und keine Bauchfellentzündung entsteht, was bisher häufig zu einem Behandlungsabbruch führte.
Mit Hilfe der in Wien neu entwickelten, zellschützenden Dialyse-Flüssigkeit kann die Aktivierung von zellulären Abwehrmechanismen erhöht werden, die einen zentralen Bestandteil der natürlichen Zellreparatur darstellen und einer Schädigung der Zellen in der Bauchhöhle entgegenwirken. Zum Nachweis der Wirksamkeit und Verträglichkeit wurde eine multizentrische klinische Phase-II-Studie an der MedUni Wien in Zusammenarbeit zwischen der klinischen Abteilung für Nephrologie und Dialyse und der klinischen Abteilung für Pädiatrische Nephrologie und Gastroenterologie der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde erfolgreich durchgeführt, deren aktuelle Ergebnisse bei der GPN-Tagung in Wien vorgestellt werden.

Pressekontakt:
Kerstin Aldenhoff
Telefon +49 172 3516916
kerstin.aldenhoff@conventus.de

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