Neue Wege in der Therapie von Eierstockkrebs

Wie man durch Strahlentherapie Krebserkrankungen der Eierstöcke bekämpfen kann, ist der Forschungsschwerpunkt von Dr. Nathalie Rochet, Fachärztin in der Radiologischen Universitätsklinik Heidelberg. Sie zeigte im Rahmen ihrer Doktorarbeit erstmals, dass eine bestimmte Form der Bestrahlung – die sogenannte intensitätsmodulierte Strahlentherapie – als Behandlung bei fortgeschrittenem Ovarialkarzinom geeignet und gut verträglich ist. Für ihre hervorragenden Leistungen hat die 31-jährige Medizinerin im Juni 2011 ein Forschungsstipendium der Deutschen Gesellschaft für RadioOnkologie (DEGRO) erhalten.

Rund 9.000 Frauen erkranken jährlich in Deutschland an einem Ovarialkarzinom. Die Heilungschancen sind schlecht: Weniger als die Hälfte der Patientinnen überleben die ersten fünf Jahre nach Diagnose und Behandlung. Der Erfolg der Therapie hängt davon ab, ob möglichst alle Tumorzellen, die sich von den Eierstöcken ausgehend in der Bauchhöhle angesiedelt haben, abgetötet werden können.

Dr. Rochet forscht in mehreren Arbeitsgruppen der Abteilung für RadioOnkologie und Strahlentherapie der Radiologischen Universitätsklinik (Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. Dr. Jürgen Debus) sowie der Klinischen Kooperationseinheit Strahlentherapie im Deutschen Krebsforschungszentrum (Leiter: Prof. Dr. Dr. Peter Huber). Dabei beschäftigt sie sich insbesondere mit Planung und Durchführung klinischer Studien. Für ihre Promotion prüfte sie im Rahmen einer Studie mit zehn Patientinnen, ob die intensitätsmodulierte Bestrahlung des gesamten Bauches als Therapie bei erstmals diagnostiziertem, fortgeschrittenem Ovarialkarzinom machbar ist. Ziel dieser komplexen Form der Strahlentherapie ist es, nach Operation und Chemotherapie eventuell verbliebene Tumorzellen im Bereich der Bauchhöhle abzutöten.

Gesunde Organe werden geschont

Bei der intensitätsmodulierten Radiotherapie (IMRT) wird das Bestrahlungsfeld in mehrere kleinere Felder unterteilt, die mit unterschiedlicher Intensität und aus verschiedenen Richtungen bestrahlt werden. So kann die Dosis dem Gewebe präzise angepasst werden: Während Tumoren oder das Gewebe, aus dem ein Tumor entfernt wurde, eine insgesamt sehr hohe Strahlendosis erhalten, werden empfindliche, gesunde Gewebe und Nachbarorgane geschont. Rochet zeigte in der Studie, dass diese innovative Technik Organe wie Leber, Nieren und Knochenmark im Bestrahlungsgebiet schont und von den Patientinnen gut vertragen wird. Eine Folgestudie zur Wirksamkeit der Behandlung läuft seit 2010 und wird von der Deutschen Krebshilfe gefördert.

Die mit dem Stipendium verbundene Fördersumme von 15.000 Euro erlaubt der jungen Ärztin, sechs Monate an der Harvard Medical School in Boston, USA, ihr fachliches und methodisches Wissen zu vertiefen. „Von meiner Zeit in den USA verspreche ich mir eine interessante Forschungstätigkeit und Einblicke in das amerikanische Klinik- und Wissenschaftssystem“, so Rochet.

Kontakt:
Dr. med. Nathalie Rochet
Fachärztin für Strahlentherapie
Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie Universitätsklinikum Heidelberg
E-Mail: nathalie.rochet@med.uni-heidelberg.de
Tel: 06221 / 56 82 02 (Sekr.)

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 10.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 Departments, Kliniken und Fachabteilungen mit ca. 2.000 Betten werden jährlich rund 550.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.600 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland.

Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
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E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter

115 / 2011

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