Neue Verhaltenstherapie für ADHS-Kinder im Praxistest

Das Forschungszentrum IDeA testet neue Möglichkeiten der Verhaltenstherapie für Kinder mit ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) im schulischen Umfeld. Die Forscherinnen und Forscher des ADHS-Projekts wollen ein breit anwendbares Training entwickeln, das den Kindern helfen soll, ihr zu impulsives und hyperaktives Verhalten besser zu kontrollieren. Überprüft werden die Ansätze derzeit am Privaten Gymnasium Esslingen (PGE), der ersten Schule im deutschsprachigen Raum, die Kinder mit ADHS zum Abitur führen will. Für die Entwicklung des Trainings werden das IDeA-Projekt und das Gymnasium von der Robert Bosch Stiftung gefördert. IDeA steht für Individual Development and Adaptive Education of Children at Risk und ist ein interdisziplinäres Forschungszentrum des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) und der Goethe-Universität in Kooperation mit dem Sigmund-Freud-Institut Frankfurt und untersucht das Lernen von Kindern.

Kinder mit ADHS haben Probleme mit der Selbstregulation. Sie tun sich schwer damit, ihr Verhalten zu hemmen oder Ablenkungen zu widerstehen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Projekts legen daher den Fokus auf Strategien zur Unterstützung der Selbstregulation. Dazu gehören sogenannte Wenn-Dann-Pläne, die den Kindern Hinweise geben, wie sie sich in konkreten Situationen verhalten können. Die Lehrkräfte des PGE werden nun in der Umsetzung solcher Strategien geschult und wenden sie dann im Unterricht an. Die Wirksamkeit der Verfahren und Rückschlüsse für die Umsetzung im Unterricht werden dabei mit objektiven Testverfahren und Unterrichtsbeobachtungen ermittelt. Alle 81 ADHS-Kinder der Schule sollen in die Studie einbezogen werden.

Auf Basis dieser Erkenntnisse soll eine umfassende Anleitung für dieses Training erstellt werden, die der Öffentlichkeit zu Verfügung gestellt wird und es allen Lehrkräften an jeder Schule ermöglichen soll, das Training selbständig anzuwenden. Bislang wird ADHS häufig ausschließlich mit der Verabreichung von Medikamenten behandelt, deren langfristige Wirkungen noch nicht abschließend untersucht sind. Das Training soll eine Alternative zu diesem Vorgehen bieten oder die Medikamente zumindest ergänzen. Studien haben bereits gezeigt, dass langfristig die Kombination von Medikamenten und verhaltenstherapeutischen Maßnahmen der alleinigen Medikation überlegen ist und sich durch die Kombination der Verfahren auch die Dosierung der Medikamente verringern lässt.

Informationstag am Privaten Gymnasium Esslingen:
Freitag, 10. Dezember 2010 von 15.00 bis 18.00 Uhr

Weitere Informationen
ADHS-Projekt, IDeA, Professor Caterina Gawrilow, Tel. +49 (0) 69 / 798-23623, gawrilow@dipf.de
Presse-Kontakt: Philip Stirm, DIPF, Tel. +49 (0) 69 / 24708-123, stirm@dipf.de

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