Neue Technologien im Kampf gegen Viruserkrankungen

Rund 1.000 junge und etablierte Wissenschaftler aus der ganzen Welt und aus allen Bereichen der Virologie werden vom 14. bis 17. März 2018 zur 28. Jahrestagung der Gesellschaft für Virologie e. V. (GfV, Society for Virology) in Würzburg erwartet, der größten wissenschaftlichen Fachgesellschaft der Virologie in Europa. Gemeinsam mit der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten e. V. (DVV, German Association for the Control of Virus Diseases) wird die wichtigste Veranstaltung für Virologen im deutschsprachigen Raum ausgerichtet, die ihre aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse im Zusammenhang mit Viren und viralen Infektionen vorstellen und diskutieren.

Einen ersten Einblick in Tagungsschwerpunkte und Highlights gibt Kongresspräsident Professor Dr. Lars Dölken, Inhaber des Lehrstuhls für Virologie am Institut für Virologie und Immunbiologie der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und Leiter des Virusdiagnostik-Labors.

Was sind die wichtigsten Themen dieses Jahr und welche spezifischen Schwerpunkte haben Sie als Kongresspräsident in den Fokus gestellt?

Prof. Dölken: „Wie jedes Jahr, gibt es natürlich viele Kongressbeiträge zu den großen Virusinfektionen wie HIV, Influenza-, Hepatitis- sowie Herpesviren. Zudem werden natürlich auch Arbeiten zu tropischen Viren wie Ebola und Zika vorgestellt, auch wenn es in der Öffentlichkeit hierzu in der letzten Zeit wieder etwas ruhiger geworden ist. Ein ganz wichtiger, treibender Faktor für hochkarätige virologische Forschung ist die Entwicklung neuer Technologien. Hier wurden insbesondere im Bereich der Hochdurchsatz RNA- bzw. DNA- Sequenzierung, aber auch bei Gesamt-Proteomanalysen sowie ultra-hoch auflösenden Mikroskopieverfahren wichtige Durchbrüche erzielt. Dies hat nicht nur Auswirkungen auf die Grundlagenforschung, sondern auch zunehmend auf die virologische Diagnostik. So werden wir eine Plenarsitzung haben mit Vorträgen zum Einsatz neuer Hochdurchsatz-Sequenzierverfahren zur (i) Entdeckung neuer pathogener Viren, (ii) Resistenztestung bei HIV Infektionen sowie (iii) zu epidemiologischen Untersuchungen bei konatalen Zytomegalievirus Infektionen. Unter einer konatalen Infektion versteht man die Übertragung von Viren von der Mutter auf das ungeborene Kind während der Schwangerschaft. Dies führt häufig beim ungeborenen Kind zu schweren Schäden. Mit der Sequenzierung der viralen und humanen Genome von Mutter und Kind werden wir in Zukunft so vielleicht besser verstehen lernen, warum manche Kinder schwere Verläufe erleiden, andere aber nicht.

Der Forschungsstandort Würzburg hat gerade im Bereich der Infektionsforschung hochaktuelle und spannende Entwicklungen zu bieten. Inwieweit hat das Auswirkungen auf den Kongress und die Schwerpunkte, die Sie gesetzt haben?

Prof. Dölken: „In den letzten beiden Jahren hat es in der Infektionsforschung in Würzburg in der Tat äußerst spannende Entwicklungen gegeben. Mit der Gründung eines neuen Helmholtz-Instituts für RNA-basierte Infektionsforschung (HIRI) werden in den nächsten Jahren unglaublich spannende neue Technologien der virologischen Forschung in Würzburg zur Verfügung stehen. So lässt sich zum Beispiel seit kurzem am HIRI mit der Einzelzell-RNA-Sequenzierung der Verlauf einer Virusinfektion in tausenden von einzelnen Zellen für fast alle zellulären Gene gleichzeitig verfolgen. Dies wird unser Verständnis über den Ablauf von Virusinfektionen grundlegend verändern. Zudem werden noch dieses Jahr mehrere neue Max-Planck-Forschergruppen im Bereich der Systemimmunologie in Würzburg ihre Arbeit beginnen. Mit diesen kommen natürlich viele international führende Wissenschaftler nach Würzburg, die wiederum neueste Technologien, wie z.B. die 2-Photonenmikroskopie, für die Infektionsforschung in Würzburg etablieren. Neue Technologien und ihre Einsatzmöglichkeiten in der virologischen Forschung und Diagnostik sind daher ein wesentlicher Schwerpunkt dieser Tagung.“

Was ist denn für Sie das Highlight dieses Kongresses?

Prof. Dölken: „Mein persönliches Highlight ist der Vortrag von Professor Klaus Früh, Ph.D., aus Portland (USA). Seine Arbeitsgruppe arbeitet seit Jahren an der Entwicklung eines Impfstoffs gegen HIV. Im Gegensatz zu allen bisherigen gescheiterten Versuchen basiert ihr Ansatz auf einem Herpesvirus, dem humanen Zytomegalievirus. Dieses wurde genetisch zu einer unglaublich breiten Stimulation unseres adaptiven Immunsystems getrieben, wie sie bis vor kurzem noch für unmöglich gehalten wurde. Im Tiermodell hat ein entsprechender Impfstoff bereits funktioniert. Die dabei gewonnen Erkenntnisse haben unser Grundverständnis von unserem Immunsystem an vielen Stellen völlig über den Haufen geworfen. Jetzt ist seine Arbeitsgruppe mit breiter finanzieller Unterstützung dabei, den Impfstoff auf den Menschen zu übertragen. In den nächsten fünf Jahren werden wir hoffentlich hören, dass dies gelungen ist. Wenn ja, könnte dies zudem eine Plattformtechnologie für weitere Impfstoffe gegen andere schwer kontrollierbare Erreger, wie zum Beispiel Malaria oder Tuberkulose, bilden.“

Die meisten der beim Menschen neu auftretenden Viren wurden von Tieren übertragen. Inwiefern bedeutet der Bereich der zoonotischen Viren eine besondere Herausforderung für die Forschung? Gibt es bei der Tagung schon eine Zusammenarbeit zwischen Human- und Veterinärmedizin?

Prof. Dölken: „In der Tat werden insbesondere die für den Menschen besonders gefährlichen Virusinfektionen zumeist von Tieren übertragen. Kooperationen zwischen Forschern aus der Human- und Veterinärmedizin sind daher erforderlich, um den von diesen Viren ausgehenden Gefahren erfolgreich entgegenzutreten. Neben der Humanmedizin wird bei unserer Tagung daher auch die Veterinärmedizin breit vertreten sein. In den letzten Jahren hat es gerade von dieser Seite zahlreiche exzellente virologische Arbeiten insbesondere aus dem Bereich der Impfstoffentwicklung, zum Beispiel gegen Ebola oder MERS-Coronaviren, gegeben. Aber auch in der virologischen Grundlagenforschung sind Veterinärmediziner in Deutschland wissenschaftlich stark vertreten. Häufig erlaubt dabei virologische Forschung in der Veterinärmedizin tiefere Einblicke in den Ablauf von Virusinfektionen als sie beim Menschen jemals möglich wären. Umgekehrt müssen die Erkenntnisse aus der Veterinärmedizin natürlich auf den Menschen übertragen werden. Ebenfalls erwähnen möchte ich an dieser Stelle die seit mehreren Jahren bestehende, enge Kooperation deutscher und chinesischer Virologen. Es freut mich, auch dieses Jahr wieder drei Gastredner aus China in Würzburg begrüßen zu dürfen.“

Bei dem hochkarätigen Kongress treffen junge und erfahrene Virologen zu aktuellen wissenschaftlichen Diskussionen zusammen. In welchen Bereichen wird der wissenschaftliche Nachwuchs in der virologischen Forschung unterstützt?

Prof. Dölken: „In vielen medizinischen Bereichen gibt es in Deutschland gerade in der Forschung substantielle Nachwuchsprobleme. Dies liegt unter anderem daran, dass die wissenschaftlichen Fragestellungen immer komplexer werden und ein immer größeres Maß an Zusammenarbeit erfordern. In diesen größeren Gruppen von Forschern sind Nachwuchswissenschaftler häufig einfach nicht mehr besonders sichtbar. Daher haben wir dieses Jahr einen besonderen Schwerpunkt auf die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses gelegt. So werden alle Sessions – außer den vier großen Plenarsitzungen – von Nachwuchswissenschaftlern unter 40 Jahren geleitet. Zudem haben wir für Doktoranden und Postdoktoranden eine eigene Plenarsitzung vorgesehen, in der zuerst das Angebot der GfV-Arbeitskreise an sie dargestellt wird und in der anschließend gestandene Wissenschaftler in offener Fragerunde erläutern, wie man erfolgreich Drittmittel zum Beispiel bei der DFG einwirbt. Ich freue mich daher auf eine spannende und interessante Tagung!“

Herzlichen Dank für das Interview!

Alle Informationen zum Jahreskongress gibt es unter . Journalisten sind herzlich eingeladen, die Tagung zu besuchen, sich über die Themen zu informieren und darüber zu berichten.

Gern vermitteln wir Ihnen Gesprächspartner für Interviews! Akkreditierungen bitte über die Kongress-Homepage oder direkt über den Pressekontakt: Kerstin Aldenhoff Tel. +49 172 3516916, kerstin.aldenhoff@conventus.de

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