Neue Studie: Versorgung von Alzheimer-Patienten in Deutschland mangelhaft

(19. September 2010) Eine neue Studie gibt der Betreuung von Alzheimer-Patienten in Deutschland mangelhafte Noten: Nur etwa zehn Prozent von ihnen werden mit modernen Untersuchungsverfahren (z.B. neuropsychologische Tests, Bildgebung) untersucht, weniger als die Hälfte erhält die zur Verfügung stehenden Medikamente. Die Behandlungskosten sind dennoch hoch: Sie beliefen sich pro Patient und Jahr auf rund 18 500 Euro, davon wurden etwa 8800 Euro durch die Inanspruchnahme von Pflegeleistungen verursacht. Insgesamt wurden rund 400 Alzheimer-Patienten untersucht, teilte heute die Deutsche Gesellschaft für Neurologie mit. In Deutschland sind rund eine halbe Million Menschen von der Erkrankung betroffen.

„Unsere Studie zeigt eindeutig, dass die modernen Standards der Diagnose und Behandlung, wie sie in den Behandlungsstandards, den Leitlinien, beschrieben sind, nur unzureichend im Betreuungsalltag umgesetzt werden“, sagt Studienleiter Professor Richard Dodel, Neurologe am Universitätsklinikum Marburg. Nie zuvor wurde die Qualität der Versorgung von Patienten auf verschiedenen Versorgungsebenen wie Kliniken, Pflegeheime, hausärztlicher oder fachärztlicher Betreuung so eingehend untersucht. Professor Dodel stellt die Ergebnisse erstmals in einem Fachvortrag auf der Neurowoche 2010 in Mannheim vor. Diese Tagung, die vom Heidelberger Neurologen Professor Werner Hacke organisiert wird, findet nur alle fünf Jahre statt und ist mit mehr als 6000 Spezialisten für Gehirn und Nerven der größte klinisch-neurowissenschaftliche Kongress Europas.

„Alzheimer-Patienten werden noch immer diskriminiert, weil ihnen die Lobby fehlt“, erläutert Professor Günther Deuschl, Direktor der Universitätsneurologie in Kiel und federführender Neurologe der so genannten „S3-Leitlinie Demenz“, die im vergangenen Herbst von insgesamt 28 Fachorganisationen gemeinsam veröffentlicht wurde. „Ohne den politischen Willen werden diese Standards nicht den Weg in die Versorgung finden“, so Günther Deuschl, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Neurologie. So gebe es derzeit zum Beispiel Streit um ein wirksames Medikament, das aus Kostengründen aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen fallen soll.

Lichtblicke seien allerdings das im Jahr 2009 gegründete Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen mit Hauptsitz in Bonn und 5 Satellitenstandorten. Hoffnung setzen Wissenschaftler auch in die Entwicklung einer Impfung gegen die Alzheimer-Demenz, allerdings werde es noch einige Jahre dauern, bis diese Immunisierung zur Verfügung steht.

Seit 1994 finden am 21. September unter dem Dach der Alzheimer’s Disease International in aller Welt vielfältige Aktivitäten statt, um die Öffentlichkeit auf die Situation der Alzheimer-Kranken und ihrer Angehörigen aufmerksam zu machen.

Fachlicher Kontakt für Rückfragen
Prof. Dr. med. Richard Dodel
Klinik für Neurologie
Universitätsklinikum Marburg
Tel.: 06421 – 586 6251
dodel@med.uni-marburg.de

Prof. Dr. med. Günther Deuschl
Direktor der Klinik für Neurologie
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Neurozentrum Kiel
Tel.: 0431 / 597 – 8550
g.deuschl@neurologie.uni-kiel.de

Hinweis für die Medien

Alle Pressekonferenzen der medizinischen Fachgesellschaften auf der Neurowoche finden im Pressezentrum statt: Congress Centrum Rosengarten, Raum „Maurice Ravel“, Dorint Hotel, Friedrichsring 6, 68161 Mannheim:
• Auftaktpressekonferenz aller Fachgesellschaften
Dienstag, 21.09.2010, 12.00-13.00 Uhr
• Themenpressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Neurologie
Mittwoch, 22.09.2010, 10.00-11.00 Uhr, direkt im Anschluss:
• Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie
Mittwoch, 22.09.2010, 11.00-12.00 Uhr
• Pressegespräch mit Prof. Peter Frankenberg, Wissenschaftsminister von Baden-Württemberg 23.09.2010, 15.30-16.00 Uhr

Weitere aktuelle Informationen zur Neurowoche und Online-Akkreditierung für Journalisten unter http://www.dgn.org/presse.

Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN) sieht sich als neurologische Fachgesellschaft in der gesellschaftlichen Verantwortung, mit ihren mehr als 6500 Mitgliedern die neurologische Krankenversorgung in Deutschland zu verbessern. Dafür fördert die DGN Wissenschaft und Forschung sowie Lehre, Fort- und Weiterbildung in der Neurologie. Sie beteiligt sich an der gesundheitspolitischen Diskussion. Die DGN wurde im Jahr 1907 in Dresden gegründet. Sitz der Geschäftsstelle ist die Bundeshauptstadt Berlin.

Pressestelle der Neurowoche
c/o albertZWEI media GmbH, Frank Miltner,
Tel: 089/46148614, presse@dgn.org
(idw, 09/2010)

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