Neue Studie aus Wien: Blut-Harnstoff-Test verbessert Risikoabschätzung bei stabiler Herzschwäche

Wien, Stockholm/ Montag 30. August 2010 – Bei Patienten mit stabiler Herzschwäche (Herzinsuffizienz, HI) ist Blut-Harnstoff (blood-urea nitrogen, BUN), ein alt bekannter und universell und rasch verfügbarer Nierenfunktionswert, als starker und unabhängiger Parameter zur Risikoabschätzung der Sterblichkeit und erneuten Einweisung in ein Krankenhaus (Re-Hospitalisierung) geeignet. Das ist das Ergebnis einer auf dem Europäischen Kardiologenkongress (ESC, 28. August bis 1. September in Stockholm) vorgestellten Studie aus Österreich mit 184 teilnehmenden HI-Patienten, die über 914 Tage nachbeobachtet worden waren.

Das Überleben von Patienten mit Herzinsuffizienz ist eng mit deren Nierenfunktion verbunden. Ein Wiener Forscherteam um Univ.-Prof. Dr. Kurt Huber (3. Med. Abteilung mit Kardiologie und internistischer Notaufnahme, Wilhelminenspital, Wien) wollte herausfinden, ob BUN-Erhöhungen zusätzlich zu etablierten Markern für abgestorbenes Herzmuskelgewebe (TroponinT, cTnT) und hämodynamische Überlastung zum Beispiel bei arterieller Hypertonie oder Herzklappenfehlern (N-terminales B-Typ natriuretische Peptid, Nt-proBNP) für eine bessere Risikoabschätzung bei stabilen HI-Patienten herangezogen werden können. Fazit: „Selbst zusätzlich zu den bekannten Risikoprädiktoren Nt-proBNP und cTnT trägt Blut-Harnstoff zu einer besseren Risikoeinschätzung bei Patienten mit chronisch stabiler HI bei“, so Prof. Huber.

Die Ergebnisse im Detail

Die Ergebnisse im Detail: Während der „Follow-Up“-Periode traten 112 Ereignisse (60,9 Prozent) auf, 39 Patienten verstarben und bei 73 Patienten kam es zur Re-Hospitalisierung bedingt durch Herzinsuffizienz. Patienten mit einem klinischen Endpunktereignis hatten signifikant höhere Plasma-Konzentrationen von Nt-proBNP, cTnT, BUN sowie Krea und eine signifikant reduzierte eGFR. Mittels ROC Analyse errechnete sich für BUN eine Fläche unter der Kurve von 0,704 hinsichtlich der Vorhersage des kombinierten Endpunktes. Dieser Wert war signifikant besser als der des Serum-Krea oder der eGFR. In einer multivariablen Regressionsanalyse, korrigiert für Alter, Geschlecht, Nt-proBNP und cTnT, zeigte sich, dass nur ein erhöhtes BUN signifikant mit den klinischen Endpunktereignissen assoziiert war, während das für erhöhtes Krea oder bei niedrigem eGFR nicht der Fall war.

Darüber hinaus war ein erhöhter BUN-Wert auch bei Patienten mit einer normalen eGFR (>60ml/min/1.73m2) mit klinischen Endpunktereignissen korreliert. Für die Kombination aus Nt-proBNP und BUN zeigte sich im Speziellen bei Patienten mit relativ niederen Nt-proBNP Werten (≤1759pg/ml), dass sich das Risiko für Re-Hospitalisierungen und Tod ab einem BUN-Wert von >33mg/dl deutlich erhöht. Aber auch bei Patienten mit höheren Nt-proBNP Werten (>1759pg/ml) war ein erhöhtes BUN mit einem markant schlechteren klinischem „Outcome“ assoziiert.

Kontakt:

Prof. Dr. Eckart Fleck (Pressesprecher der DGK)

Roland Bettschart, B&K – Medien- und Kommunikationsberatung GmbH

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(idw, 08/2010)

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