Neue Patientenleitlinie zu nicht-spezifischen, funktionellen und somatoformen Körperbeschwerden

28 verschiedene medizinische Fachgesellschaften, eine Patientendachorganisation und die Arbeitsgemeinschaft wissenschaftlicher medizinischer Fachgesellschaften (AWMF) haben im Mai dieses Jahres unter der Federführung des Deutschen Kollegiums für Psychosomatische Medizin (DKPM) und der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) erstmals eine evidenz- und konsensbasierte wissenschaftliche S3-Behandlungsleitlinie zur Verbesserung der Versorgung der großen Gruppe von Patienten mit so genannten „unerklärten Beschwerden“ vorgelegt (S3 Leitlinie „Umgang mit Patienten mit nicht-spezifischen, funktionellen und somatoformen Körperbeschwerden“ (www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/051-001.html). Voraussichtlich Ende November erscheinen nun die offizielle Kurzfassung der Leitlinie im Deutschen Ärzteblatt, im Frühjahr nächsten Jahres die Buchfassung im Schattauer-Verlag.
Ab sofort besteht die Möglichkeit, die zugehörige Patienten-Leitlinie
„Mein Arzt findet nichts – so genannte nicht-spezifische, funktionelle und somatoforme Körperbeschwerden. Eine Leitlinie für Betroffene und ihre Angehörigen.“
in einer Kurz- und einer Langfassung vor ihrer endgültigen Veröffentlichung zu kommentieren. Sie wird von der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe (BAG Selbsthilfe), der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen (DAG SHG), dem DKPM und der DGPM herausgegeben. Unter www.funktionell.net haben vom 20.10.2012 (Mittag) bis zum 24.11.2012 (Mitternacht) alle, vor allem aber Betroffene, die Möglichkeit, Rückmeldungen, v.a. zur Relevanz und Verständlichkeit zu geben. Auch wenn sich die Patientenleitlinie inhaltlich natürlich an die Vorgaben der Expertenleitlinie halten muss, können konstruktive Kommentare in der Endfassung der Leitlinie noch berücksichtigt werden.
Eine Woche später beginnt, ebenfalls unter www.funktionell.net, die Pilotbefragung zu einer geplanten Studie: Expect – Erwartungen und Zufriedenheit von Patienten bezüglich medizinischer Behandlungen bei nicht-spezifischen, funktionellen und somatoformen Körperbeschwerden. Die Autoren erhoffen sich davon sowohl Informationen über die gegenwärtige Behandlungszufriedenheit Betroffener als auch Anregungen für weitere Verbesserungen und bitten auch hier um Mithilfe.

Sowohl die S3- als auch die Patientenleitlinie und zuletzt die Patientenbefragung sind das Ergebnis intensiver Zusammenarbeit von Ärzten und Patientenvertretern, über psychosoziale und somatische Fachdisziplinen hinweg – dies stellt in den Augen der Autoren einen großen Fortschritt dar. Nun muss der Einfluss der Leitlinie auf die Versorgungssituation, die Patienten- und die Behandlerzufriedenheit abgewartet werden.

Die Steuerungsgruppe der S3-Leitlinie (Constanze Hausteiner-Wiehle, Rainer Schäfert, Heribert Sattel, Joram Ronel, Winfried Häuser, Markus Herrmann und Peter Henningsen)
und die Redaktion der Patientenleitlinie (Jürgen Matzat, Helga Jäniche, Constanze Hausteiner-Wiehle)

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