Neue Mutter-Kind-Behandlungseinheit für Frauen mit psychischen Störungen nach der Geburt

Jena(08.06.10) Es sieht aus wie in einem normalen Zimmer einer Geburtsstation oder Kinderklinik: Freundliche gelbe Wände, neben dem großen Bett steht ein fröhlich dekoriertes Kinderbettchen. Ein Wickeltisch und ein Kinderwagen vervollständigen die Einrichtung. Nebenan im „Kinderzimmer“ stehen Spielsachen und kleine Tische und Stühlchen bereit. So unspektakulär präsentiert sich die neue Mutter-Kind-Behandlungseinheit der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum Jena, die auf der verhaltenstherapeutischen Depressionsstation entstanden ist.

Seit der Eröffnung sind die beiden Zimmer durchgehend belegt. „Der Bedarf ist da, zumal bisher nur wenige Kliniken ein solches Angebot machen“, erklärt Dr. Uta Pietsch, Oberärztin in der Jenaer Psychiatrie. Deshalb kommen zu ihr auch Frauen aus Hessen und Sachsen.

10 bis 15 Prozent aller Mütter erkranken im Wochenbett an einer Depression, sehr selten kann auch eine Wochenbettpsychose oder eine Angststörung auftreten. Diesen Frauen bieten die Jenaer Psychiater eine stationäre Behandlung, bei der ihr Baby mit in die Klinik aufgenommen wird. „Wichtig ist – die Mütter versorgen ihr Kind selbst“, erklärt Dr. Uta Pietsch das Konzept. Während der zur Behandlung gehörenden Gruppenzeiten und Therapiesitzungen können die Kleinen stundenweise von Tagesmüttern in der Klinik betreut werden, damit die Frauen ungestört am Therapieprogramm teilnehmen können. Finanziert wird die Kinderbetreuung durch den Förderverein des Klinikums.

„Das funktioniert sehr gut“, freut sich Dr. Pietsch. Gut funktioniert auch die für alle, Personal und andere Patienten, ungewohnte Anwesenheit von Babys und Kleinkindern auf einer psychiatrischen Station. „Wir sind überrascht, wie gut das allen tut“, so Pietsch.
Aufgenommen werden vor allem Mütter mit Kindern bis zu einem Jahr, in Ausnahmefällen auch mit Kleinkindern. Derzeit ist neben einem Baby auch ein zwei Jahre altes Mädchen mit seiner Mutter auf Station. Durchschnittlich sechs bis acht Wochen bleiben die Frauen hier in Behandlung. „Da die Frauen häufig noch stillen, arbeiten wir nur zum Teil mit Medikamenten und entsprechend unserer Schwerpunktsetzung dann verstärkt mit psychotherapeutischen Maßnahmen“, erläutert Dr. Uta Pietsch. Das nehme zwar etwas mehr Zeit in Anspruch, aber der Erfolg sei dafür auch dauerhaft.

Unter den Patientinnen sind viele Frauen mit psychischen Vorerkrankungen, aber auch solche, die völlig unerwartet eine behandlungsbedürftige psychische Störung nach der Geburt eines Kindes entwickelt haben. Häufig kommen die Frauen auf Vermittlung ihrer Hebammen zum Arzt und in die Klinik, denn diese sehen am ehesten, wann Hilfe notwendig ist. In der Klinik ist man bemüht, die Plätze kurzfristig und ohne lange Wartezeiten zu vergeben. „Wir hoffen, dass wir das beibehalten können, denn so helfen wir den betroffenen Frauen am besten“, so Dr. Pietsch.

Kontakt:
Oberärztin Dr. Uta Pietsch
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinikum Jena
Tel. 03641/9 352 51
E-Mail: uta.pietschmed.uni-jena.de
(idw, 06/2010)

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