Neue Möglichkeiten der Vorbeugung einer Arteriosklerose (Gefäßverfettung bzw. -verkalkung) durch direkte Reninhemmung

Bereits im zwölften Jahr vergaben die Freunde des Universitätsklinikums des Saarlandes e.V. einen der mit 20.000 Euro höchstdotierten Forschungspreise in Südwestdeutschland. Der Fachbeirat des Vereins hat dafür vier Forschungsvorhaben ausgewählt. Eines davon wird von Dr. med. Janine Pöss, Klinik für Innere Medizin III – Kardiologie, Angiologie und internistische Intensivmedizin am Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) betreut:

Die direkte Reninhemmung erhöht die Anzahl und verbessert die Funktion Gefäß schützender Stammzellen

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die Hauptursache für die Sterblichkeit in westlichen Industrienationen. Das Spektrum kardiovaskulärer Erkrankungen kann als Kontinuum dargestellt werden. Risikofaktoren wie die arterielle Hypertonie begünstigen die Entstehung von Arteriosklerose. Diese bedingt die Entstehung akuter Herzinfarkte. Hierdurch kann es zur Entstehung einer chronischen Herzschwäche kommen.
Das Renin-Angiotensin-System (RAS) ist ein Hormonsystem, welches bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen überaktiv und bei der Entstehung aller genannten Schritte des Kontinuums beteiligt ist. Die pharmakologische Blockade dieses Systems ist daher ein wichtiger Bestandteil der Therapie kardiovaskulärer Erkrankungen. Ein neues Therapieprinzip zur RAS-Blockade ist die direkte Reninhemmung. Endotheliale Progenitorzellen (EPC) sind Stammzellen aus dem Knochenmark, welche die Herz-Kreislauf-Funktion stark beeinflussen. Vorarbeiten unserer Arbeitsgruppe zeigen, dass eine Erniedrigung dieser Zellpopulation im Blut bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit schlechterem Überleben einhergeht. Eine Aktivierung des RAS-Systems schädigt diese Zellpopulation. Effekte von Renin sowie einer direkten Reninhemmung auf die Anzahl und die Funktion der EPC waren bislang nicht bekannt. Unsere Forschungsergebnisse zeigen, dass eine Reninhemmung bei Mäusen zu einer Erhöhung der Anzahl gefäßschützender Stammzellen (EPC) führt und auch die Funktion der im Blut vorhandenen Zellen verbessert. Interessanterweise wurde dieser positive Effekt in ersten Experimenten auch dann beobachtet, wenn Aliskiren in einer nicht blutdrucksenkenden Dosis verabreicht wurde. Ferner war in mit Aliskiren behandelten Tieren deutlich weniger Arteriosklerose zu beobachten. In kultivierten menschlichen Vorläuferzellen führte Aliskiren zu einer reduzierten Zelltodrate und einer Verbesserung der funktionellen Eigenschaften.
Zusammengefasst führt eine direkte Reninhemmung zu einer Erhöhung der Anzahl und einer Verbesserung der Funktion von EPC. Dies könnte bei Patienten mit Gefäßerkrankungen zusätzlich zur Blutdrucksenkung günstige kardiovaskuläre Effekte bedingen.

Kontakt:

Universitätsklinkum des Saarlandes (UKS)

Dr. med. Janine Pöss
Klinik für Innere Medizin III
Kardiologie, Angiologie und internistische Intensivmedizin
(Direktor: Prof. Dr. Michael Böhm; Projektleiter: Prof. Dr. Ulrich Laufs)

Tel. (06841) 16-23436
Fax: (06841) 16-23434
E-Mail: Janine.poess@gmx.de
(idw, 06/2010)

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