Neue Historische Stätte der Chemie: Chemisches Laboratorium Fresenius Wiesbaden

Am 18. Juli 2013 wird in Wiesbaden das 1848 gegründete Chemische Laboratorium Fresenius als zwölfte „Historische Stätte der Chemie“ mit einer Festveranstaltung im Großen Saal des Rathauses Wiesbaden gewürdigt. Anschließend wird eine Gedenktafel am letzten noch bestehenden Gebäude des ursprünglichen Chemischen Laboratoriums Fresenius in der Kapellenstraße 11 enthüllt. Eine Kopie der Gedenktafel befindet sich ab dem 20. Juli an der Hochschule Fresenius in Idstein. Mit dem Programm „Historische Stätten der Chemie“ würdigt die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) Leistungen von geschichtlichem Rang in der Chemie.

Mit der Festveranstaltung und der Gedenktafel wird das Werk von Carl Remigius Fresenius (1818-1897) geehrt. Fresenius war Lehrling in der Steinschen Apotheke in Frankfurt, als ihn Rudolf Böttger für die Chemie begeisterte. Noch im Studium in Bonn schrieb er die erste Fassung seiner „Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse“. Sie sollte 17 Auflagen erleben und begründete maßgeblich seinen Ruhm als Pädagoge und Analytiker. Von 1842 bis 1845 arbeitete Fresenius im Labor Justus Liebigs in Gießen, welcher von der „Anleitung“ derart begeistert war, dass er sie als Lehrbuch an seinem Institut einführte. Fresenius folgte 1845 dem Ruf an das herzoglich-nassauische Landwirtschaftliche Institut in Wiesbaden. Hier gründete er 1848 sein „Chemisches Laboratorium Fresenius Wiesbaden“ nach dem Vorbild von Liebigs Laboratorium. Im Jahr 1862 folgte seine „Zeitschrift für analytische Chemie“, die in der „Analytical and Bioanalytical Chemistry“, einer international renommierten Zeitschrift mit GDCh-Beteiligung, bis heute fortbesteht. Für sein politisches Engagement, er war u.a. Vorsitzender der Wiesbadener Stadtverordnetenversammlung, wurde er mit der Ehrenbürgerschaft Wiesbadens ausgezeichnet.

Die Festveranstaltung beginnt um 9 Uhr mit Grußworten des Staatssekretärs im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Ingmar Jung, des Oberbürgermeisters von Wiesbaden, Sven Gerich, des GDCh-Schatzmeisters, Dr. Thomas Geelhaar, und des Fresenius-Absolventen Dipl.-Ing. Günther Crass, bis vor kurzem Leiter des Industrieparks InfraServ in Wiesbaden. Anschließend spricht Professor Dr. Georg Schwedt, Bonn, Träger des GDCh-Preises für Journalisten und Schriftsteller, über das Werk von Carl Remigius Fresenius. Professor Dr. Torsten Schmidt, Universität Duisburg-Essen, Träger des Fresenius-Preises der GDCh 2013, berichtet über aktuelle Probleme der Wasseranalytik. Dr. Klaus-Dieter Franz, ehemals Merck KGaA, würdigt abschließend die Analytische Chemie als Innovationstreiberin in der Industrie. Moderiert wird die Festveranstaltung vom Vizepräsidenten der Hochschule Fresenius, Professor Dr. Leo Gros. Zur Enthüllung der Gedenktafel um 12:15 Uhr in der Kapellenstraße 11 werden der Geschäftsführer der GDCh, Professor Dr. Wolfram Koch, Ludwig Fresenius, Ehrenpräsident der Hochschule Fresenius, und Dr. Gerhard Prößl, Geschäftsleitung SGS Gruppe Deutschland, welcher das Institut Fresenius seit 2003 angehört, ein Grußwort sprechen.

Das Institut Fresenius ist bis heute einer der bedeutendsten Anbieter für chemische Laboranalytik in Deutschland. Es siedelte 1975 nach Taunusstein-Neuhof um. Die Hochschule Fresenius befand sich bis 1995 in den Räumen des Laboratoriums, bevor sie in die ehemalige Bauschule nach Idstein zog. An der Hochschule in Idstein wird daher am 20. Juli eine Kopie der Gedenktafel enthüllt. Für den anschließend stattfindenden Imbiss und Rundgang durch die Labore der Hochschule wird um Anmeldung bei der Hochschule Fresenius (kathrin.janisch@hs-fresenius.de) gebeten.

Neben der Würdigung mit einer Festveranstaltung und einer Bronze-Gedenktafel wird im Rahmen des „Historische Stätten“-Programms zu jeder Stätte eine Broschüre herausgegeben, die diese vorstellt und die geschichtlichen Zusammenhänge beschreibt. Die Broschüren können über die GDCh (b.koehler@gdch.de) bezogen werden.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 30.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Mit dem Programm „Historische Stätten der Chemie“ werden die Erinnerung an das kulturelle Erbe der Chemie wach gehalten und die Chemie und ihre historischen Wurzeln stärker in das Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt. Ein wesentliches Kriterium für die Auswahl einer Historischen Stätte ist, dass die mit ihr verbundenen Entdeckungen für Mensch und Gesellschaft große Bedeutung besitzen. „Historische Stätten der Chemie“ sind bislang die Institute von Hermann Staudinger in Freiburg, Fritz Strassmann in Mainz, Justus v. Liebig in Gießen, Clemens Winkler in Freiberg, Wilhelm Ostwald in Großbothen, Hans Meerwein in Marburg, Karl Ziegler in Mülheim/Ruhr, Ernst Beckmann in Leipzig, Robert Bunsen in Heidelberg, das Industrie- und Filmmuseum Wolfen und die Chemische Fabrik von Heyden in Radebeul.

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