Neue Herzklappenprothese verkürzt Eingriffszeit

Bochum, 03. Juli 2013. Zum 50. Mal wurde am Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikum Bergmannsheil eine neuartige Aortenklappenprothese implantiert. Die Klappe ist so konstruiert, dass sie schneller und mit geringerem Aufwand eingesetzt werden kann. Während herkömmliche Klappentypen mit 12 bis 15 Nähten im Herzen fixiert werden, wird das neue System mit einem speziellen Verankerungsmechanismus und nur noch drei Nähten eingearbeitet. Dadurch verringern sich die Operationszeit und die Zeitspanne, in der das Herz des Patienten stillgelegt werden muss, zum Teil erheblich. Für den Patienten ist das Verfahren weniger belastend. Eine neue Behandlungsoption bietet es vor allem Patienten, die an einer Verengung an der Aortenklappe (Aortenklappenstenose) und zugleich an begleitenden Erkrankungen leiden oder einen problematischen Allgemeinzustand haben. Die Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie im Bergmannsheil (Direktor: Prof. Dr. Justus Strauch) ist deutschlandweit eine von derzeit sechs Kliniken, die das neue Verfahren anwendet.

„Oft weniger als 20 Minuten an der Herz-Lungenmaschine“

„Für das Einsetzen einer herkömmlichen Klappenprothese muss der Patient durchschnittlich etwa 60 Minuten an der Herz-Lungenmaschine angeschlossen sein“, sagt Prof. Strauch. „Die neue Prothese erlaubt es uns, diese Zeitspanne in vielen Fällen auf deutlich unter 20 Minuten zu verringern.“ Der Patient erholt sich im Allgemeinen schneller von der Operation, denn sein Herz- und Kreislaufsystem wird weniger belastet. Der neue Klappentyp lässt sich zudem auch mit den modernen Verfahren der minimal-invasiven Herzchirurgie („Schlüssellochchirurgie“) implantieren. Hierbei genügt ein etwa 5 bis 8 Zentimeter langer Schnitt entlang des Brustbeins, während beim konventionellen Verfahren eine vollständige Durchtrennung des Brustbeins mit dreimal so langen Schnitten nötig ist. Mögliche Folgeprobleme der Operation wie zum Beispiel Wundheilungsstörungen werden auf diese Weise erheblich reduziert.

Neues Klappenmodell nutzt Patienten mit Begleiterkrankungen

Zwar gibt es auch andere schonende, kathetergestützte Verfahren, bei denen eine zusammengefaltete Herzklappe mittels eines kleinen Zugangs über die Herzspitze oder die Leistengefäße und ohne Herz-Lungenmaschine eingebracht werden kann (sog. Transkatheter-Aortenklappenimplantation, TAVI). Allerdings verbleibt bei dieser Methode die verkalkte Klappe im Herzen und wird von der neuen Klappenprothese lediglich aufgedehnt. Zudem erfolgt die Implantation mittels Röntgentechnik und nicht unter Sicht. „Die neue Technik verbindet die Vorteile der konventionellen Aortenklappenchirurgie mit der Möglichkeit, die Dauer und die Belastung des Eingriffs für den Patienten deutlich zu verringern“, sagt Prof. Strauch. Er und sein Team waren an der multizentrischen Studie zur Etablierung des neuen Verfahrens beteiligt. „Bislang sind wir die erste und einzige Klinik im Ruhrgebiet, die den neuen Klappentyp implantiert. Wir erweitern damit erneut unser Spektrum, um auch Patienten in fortgeschrittenem Alter und mit schweren Begleiterkrankungen eine Behandlung zu ermöglichen“, so der Herzchirurg. Das neue Verfahren böte sich beispielsweise auch bei Kombinationseingriffen von Bypass-OP und Aortenklappenersatz an.

Aortenklappenstenose: Häufigster Klappenfehler beim Menschen

Die Aortenklappe ist eine von vier Herzklappen. Sie befindet sich zwischen der linken Herzkammer und der Hauptschlagader (Aorta) und reguliert wie ein Ventil die Flussrichtung des Blutes. Erbliche Faktoren, Entzündungen und altersbedingter „Verschleiß“ bzw. Verkalkung können zu einer Verengung und Undichtigkeit der Klappe führen. An einer Verengung der Aortenklappe, einer sogenannten Aortenklappenstenose leiden schätzungsweise fünfzehn Prozent der über 75-jährigen Menschen in Deutschland. Sie gilt damit hierzulande als häufigster Herzklappenfehler. Folgen sind eine stärkere Beanspruchung und Verdickung des Herzmuskels und eine Verringerung der Blut- und Sauerstoffversorgung im Herzen sowie im ganzen Körper. Bemerkbar macht sich die Erkrankung anfänglich durch Atemnot oder ein Engegefühl in der Brust. Im fortgeschrittenen Stadium kann es zur zeitweisen Bewusstlosigkeit und zur Ausbildung einer Herzinsuffizienz kommen. Bei einer schwergradigen Symptomatik muss die erkrankte Herzklappe in der Regel operativ ersetzt werden. Dies kann konventionell über eine partielle Öffnung des Brustkorbs erfolgen oder mit interventionellen Katheterverfahren.

Über das Bergmannsheil

Das Berufsgenossenschaftliche Universitätsklinikum Bergmannsheil repräsentiert den Strukturwandel im Ruhrgebiet wie kein anderes Krankenhaus: 1890 als erste Unfallklinik der Welt zur Versorgung von verunglückten Bergleuten gegründet, zählt es heute zu den modernsten und leistungsfähigsten Akutkliniken der Maximalversorgung und gehört zum Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum (UK RUB). In 23 Kliniken und Fachabteilungen mit insgesamt 622 Betten werden jährlich rund 20.000 Patienten stationär und 63.000 Patienten ambulant behandelt. Mehr als die Hälfte der Patienten kommen aus dem überregionalen Einzugsbereich. Weitere Informationen im Internet unter: www.bergmannsheil.de.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Justus Strauch
Direktor der Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie
Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil GmbH
Bürkle-de-la-Camp-Platz 1
44789 Bochum
Tel.: 0234 / 302-6000 (Sekretariat)
E-Mail: elke.janowski@bergmannsheil.de

Pressekontakt:
Robin Jopp
Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit und Marketing
Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil GmbH
Bürkle-de-la-Camp-Platz 1
44789 Bochum
Tel.: 0234 / 302-6125
E-Mail: robin.jopp@bergmannsheil.de

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