Neue Herzklappe ohne Operation: Bergmannsheil behandelt 100. Patienten mit Kathetertechnik

Nur einen winzigen Schnitt in der Leiste erfordert ein Verfahren, mit dem Herzspezialisten des Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikums Bergmannsheil Patienten eine neue Herzklappe einsetzen können. Dabei wird die zusammen gefaltete Ersatzklappe mit einem Katheter in die Beinarterie eingeführt und im Herzen implantiert. In diesen Tagen hat die Kardiologische Klinik (Direktor: Prof. Dr. Andreas Mügge) des Bergmannsheil bereits den 100. Patienten erfolgreich mit dieser Methode behandelt. Sie eignet sich speziell zur Behandlung von Erkrankungen an der so genannten Aortenklappe. Das Bergmannsheil ist die erste Bochumer Klinik, die den Aortenklappenersatz per Katheter einsetzt und gehört mit ihren nunmehr 100 durchgeführten Eingriffen deutschlandweit zu den zehn führenden Herzzentren in der Anwendung dieses Verfahrens.

Viele ältere Patienten blieben früher unbehandelt

Als eine von vier Herzklappen, die die Flussrichtung des Blutes regulieren, sitzt die Aortenklappe zwischen der linken Herzkammer und der Körperschlagader (Aorta). Meist macht eine Verengung an der Aortenklappe eine Behandlung erforderlich, die beispielsweise durch Verkalkungen entsteht. Die Folge: Das Herz muss stärker pumpen, um einen ausreichenden Blutdurchfluss an der Klappe zu gewährleisten. Die höhere Belastung macht sich bei den Patienten oftmals durch Atemnot oder ein Engegefühl in der Brust bemerkbar. Bleibt die Erkrankung unbehandelt, ist häufig eine akute Herzschwäche die Folge. "Gerade für ältere Patienten stellt die neue Behandlungsmethode gegenüber der herkömmlichen Herzoperation eine erhebliche Verbesserung dar, weil sie mit wesentlich geringeren Belastungen für den Patienten durchgeführt werden kann", erklärt Dr. Waldemar Bojara, Oberarzt der Klinik für Kardiologie und Angiologie des Bergmannsheil. Der chirurgische Einsatz einer Ersatzklappe erfolgt am offenen Herzen, das während der Operation still gelegt wird. Die Herzfunktionen werden währenddessen von einer Herz-Lungen-Maschine übernommen. "Früher blieben etwa ein Drittel der älteren Patienten unbehandelt, weil man bei ihnen das Risiko einer Operation als zu hoch einstufen musste", sagt Dr. Bojara.

Ersatzklappe entpackt sich selbst

Weitaus schonender läuft dagegen der Einsatz der Ersatzklappe mit der Katheter-Technik ab. Er wird "perkutan", dass heißt: "durch die Haut" vorgenommen: Ein winziger Schnitt in der Leiste schafft den Zugang, durch den der Kardiologe seine Katheterinstrumente in die Beinarterie einführen und bis zum Herzen schieben kann. Dabei wird zunächst die alte Herzklappe mit einem aufblasbaren Ballonkatheter geweitet. Anschließend wird der Katheter mit der Ersatzklappe an die Stelle der alten Klappe positioniert. "Natürlich hat die Ersatzklappe einen größeren Durchmesser als das Blutgefäß, durch das sie transportiert werden muss", erklärt Dr. Bojara. "Der besondere Clou dieser Methode besteht deshalb darin, dass die Herzklappe auf eine Größe von wenigen Millimetern zusammengefaltet ist. Erst an ihrem Bestimmungsort wird sie entfaltet und eingesetzt."

Eingriff am schlagenden Herzen

Die Ersatzklappe besteht aus Biomaterial. Sie ist mit einem Metallgeflecht verwoben, das aus einer besonderen Nickel-Titan-Legierung (Nitinol) besteht. Wenn sie im Herzen an der Stelle der alten Klappe platziert ist, entfaltet sie sich selbst, nimmt ihre vorgegebene Form an und übernimmt fortan eigenständig die Funktion der Aortenklappe. Der komplette Eingriff erfolgt unter Monitorkontrolle im Herzkatheterlabor des Bergmannsheil. Anders als die chirurgische Methode kann dieses Verfahren am schlagenden Herzen vorgenommen werden. Der Patient muss somit nicht an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen werden.

Hohe Erfolgsquote

"Über drei Viertel der bisher behandelten Patienten waren anschließend beschwerdefrei oder konnten zumindest eine erhebliche Linderung der Symptome feststellen", so der Kardiologe. "Damit ist die Erfolgsquote mindestens so gut wie bei der chirurgischen Methode." Weiterer Vorteil: Die Patienten können in der Regel wenige Tage nach dem Eingriff das Krankenhaus wieder verlassen. "Und das häufig mit einem völlig neuen, positiven Lebensgefühl", resümiert Dr. Bojara.

Über das Bergmannsheil

Das Berufsgenossenschaftliche Universitätsklinikum Bergmannsheil – Klinikum der Ruhr-Universität Bochum – repräsentiert den Strukturwandel im Ruhrgebiet wie kein anderes Krankenhaus: 1890 als erste Unfallklinik der Welt zur Versorgung von verunglückten Bergleuten gegründet, zählt es heute zu den modernsten und leistungsfähigsten Akutkliniken der Maximalversorgung. In 22 Kliniken und Fachabteilungen mit insgesamt 622 Betten werden jährlich rund 19.000 Patienten stationär und ca. 60.000 ambulant behandelt. Mehr als die Hälfte der Patienten kommen aus dem überregionalen Einzugsbereich. Weitere Informationen im Internet unter: <www.bergmannsheil.de>.

Über die Klinik für Kardiologie und Angiologie

Das Spektrum der Klinik umfasst die Behandlungen von Herzerkrankungen, Krankheiten des Kreislaufes und der Blutgefäße. In den Herzkatheterlaboratorien werden alle modernen Verfahren der Herzuntersuchung durchgeführt. Besondere Schwerpunkte bilden die Behandlung der Herzmuskelschwäche durch Implantation spezieller Schrittmachersysteme, Implantationen von Defibrillatoren bei lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen und der perkutane Aortenklappenersatz. Für die Akutbehandlung des Herzinfarktes ist das Herzkatheterlabor 24 Stunden in Bereitschaft.

Weitere Informationen:

Dr. Waldemar Bojara
Medizinische Klinik II – Kardiologie und Angiologie
Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil GmbH
Bürkle-de-la-Camp-Platz 1
44789 Bochum
Tel.: 0234/302-6050
E-Mail: waldemar.bojara@bergmannsheil.de
(idw, 03/2010)

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