Neue gezielte Therapie für spezielle Form der Leukämie

Ein neuer Wirkstoff (AC220) verspricht eine deutlich verbesserte Therapie für Patienten mit akuter myeloischer Leukämie (AML). Erste klinische Studien wurden an Patienten mit einem AML-Rückfall und einer speziellen Genveränderung, der FLT3-ITD-Mutation, durchgeführt. Die bisherigen Ergebnisse bei kleineren Patientenzahlen sind für Patienten mit FLT3-Mutationen ermutigend. Nun soll das neue Medikament in einer weltweiten Studie an einem größeren Patientenkollektiv überprüft werden. Studienleiter in Deutschland ist Professor Dr. Anthony Ho, Ärztlicher Direktor der Medizinischen Klinik V am Universitätsklinikum Heidelberg. Seit dem 31. Mai 2010 können die ersten Patienten rekrutiert werden.

An einer akuten Leukämie erkranken im Durchschnitt etwa sechs Personen pro 100.000 Einwohner im Jahr. Die AML betrifft vor allem ältere Menschen, das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 67 Jahren. Unreife Vorstufen bestimmter weißer Blutzellen vermehren sich unkontrolliert und breiten sich in Knochenmark und Blut aus. Die Leukämiezellen verdrängen im weiteren Verlauf alle anderen Blutbestandteile. Deshalb leiden die Patienten unter häufigen Infektionen und Blutungen. Standardmäßig wird die AML mit einer Chemotherapie behandelt.

AML-Patienten mit FLT3-ITD-Mutation gesucht

Bei etwa 30 Prozent der AML-Patienten weisen die Leukämiezellen eine bestimmte Genveränderung auf, eine Mutation der FLT3-Kinase, die Wachstum und Vermehrung der Krebszellen fördert. Patienten mit einer solchen Mutation haben eine schlechte Prognose und sprechen nur mangelhaft auf herkömmliche Behandlungsformen an. In jüngster Zeit wurde aber ein neuer Wirkstoff entwickelt (AC220), der die FLT3-Kinasen hoch selektiv hemmt. Klinische Studien der Phase I haben bereits äußerst ermutigende Ergebnisse geliefert. Es wurden Patienten mit einem AML-Rückfall und der häufigsten Form dieser Genveränderung, der internen Tandemduplikationsmutation (FLT3-ITD-Mutation), behandelt. Die Anzahl der Krebszellen ging daraufhin über einen längeren Zeitraum zurück.

Heidelberg leitet die weltweite Studie in Deutschland

Die Medizinische Klinik V des Universitätsklinikums Heidelberg mit den Schwerpunkten Hämatologie/Onkologie und Rheumatologie leitet in Deutschland die aktuelle Studie, an der 98 Zentren in Nordamerika und Europa teilnehmen. Etwa 180 Patienten mit rezidivierter AML und nachgewiesener FLT3-Mutation werden eingeschlossen und erhalten täglich eine orale Gabe des neuen Wirkstoffs AC220. Das Ziel der klinischen Phase II Studie ist es, die Wirksamkeit und Sicherheit an einem größeren Patientenkollektiv zu belegen. Der Wirkstoff wurde von der Biotechnologie-Firma Ambit Biosciences (San Diego, U.S.A.) entwickelt. Das Studienvorhaben folgt dem Trend zur individualisierten Therapie, bei der die verabreichten Medikamente spezifisch an die individuell unterschiedlichen Tumoreigenschaften angepasst werden.

Interessierte Patienten können sich im Sekretariat von Professor Dr. Anthony Ho (06221 / 56 80 01) oder bei Professor Dr. Alwin Krämer (06221 / 56 37 750) eingehend informieren.

Weitere Informationen im Internet:
www.klinikum.uni-heidelberg.de/Innere-Medizin-V-Haematologie-Onkologie-und-Rheumatologie-.106656.0.html

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Anthony D. Ho
Medizinische Universitätsklinik, Innere Medizin V
Im Neuenheimer Feld 410
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 80 01
Fax: 06221 / 56 58 13
E-Mail: sekretariat.ho@med.uni-heidelberg.de

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 7.600 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 40 Kliniken und Fachabteilungen mit ca. 2.000 Betten werden jährlich rund 550.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.400 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland.

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Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
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E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse

TN
(idw, 06/2010)

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