Neue Direktorin des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin

Frau Prof. Gadebusch Bondio übernimmt Leitung

Prof. Mariacarla Gadebusch Bondio ist neue Leiterin des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin der TU München. Das Institut ist am Klinikum rechts der Isar angesiedelt und verfolgt das Ziel, der modernen Medizin ein historisch und ethisch reflektiertes Fundament zu geben. Es wurde bereits 1972 kurz nach der Gründung der medizinischen Fakultät der TU ins Leben gerufen. In den letzten drei Jahren leitete Prof. Dietrich v. Engelhardt die Einrichtung kommissarisch.

Frau Prof. Gadebusch Bondio kommt von der Universität Greifswald, wo sie seit 2003 das Institut für Medizingeschichte und seit 2008 das Department für Ethik, Theorie und Geschichte der Lebenswissen¬schaften leitete. Die gebürtige Norditalienerin hat sich für ihre neue Aufgabe zum Ziel gesetzt, eine Brücke zwischen der Theorie und den klinischen Fächern zu schlagen. Besonders am Herzen liegt ihr dabei die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit den unterschiedlichen medizinischen Fachrichtungen. In Kooperation mit klinisch tätigen Ärztinnen und Ärzten will sie mögliche Schnittstellen als Grundlagen für Lehrveranstaltungen, Ringvorlesungen und Forschungsprojekte nutzen.

Als Direktorin des Instituts mit zwei festen und fünf projektgebundenen Mitarbeitern hat Gadebusch Bondio gleichzeitig den Vorsitz im klinischen Ethikkomitee des Klinikums rechts der Isar, das sich mit fallbezogenen ethischen Fragen aus dem medizinischen Alltag beschäftigt. Dort werden schwierige Entscheidungsfindungsprozesse mit den beteiligten Ärztinnen und Ärzten, Patienten und Pflegepersonal begleitet.

Seit 2002 ist das Fach Geschichte und Ethik der Medizin in der ärztlichen Approbationsordnung verpflichtend verankert. Dadurch steht es in einem ständigen Dialog mit den klinischen Fächern und ist zu einem wesentlichen Bestandteil der medizinischen Ausbildung geworden. Prof. Gadebusch bringt es auf den Punkt: “Medizin ohne Ethik ist schlechte Medizin. Medizinethik ohne Geschichte verkommt zu einem oberflächlichen, schnell alternden normativen Apparat. Medizingeschichte alleine bleibt beliebig, wenn sie nicht Fragen aufwirft, die uns heute noch bewegen. Die Theorie der Medizin lehrt uns, vorsichtig mit Begriffen wie „Wahrheit“ oder „empirischer Beweis“ umzugehen. Miteinander verbunden bilden Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin ein unverzichtbares, identitätsbildendes Fundament, auf das sich jede Ärztin und jeder Arzt – während des Studiums und danach – stützen kann und soll.”

Prof. Gadebusch Bondio, die sich über „Medizinische Ästhetik und plastische Chirurgie“ habilitierte, ist es gelungen, ein internationales Projekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zum Thema „Fehlbarkeit und Fehlerkultur in der Medizin“ einzuwerben, das im Juni startet. Das Projekt wird die drei Bereiche Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin verknüpfen und soll Medizinern ermöglichen, Lehren für den künftigen Umgang mit Fehlern zu ziehen. Ein weiterer Forschungsschwerpunkt des Instituts wird die individualisierte Medizin sein.

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