Neue Diagnosemöglichkeiten zur Vorhersage von Schwangerschaftserkrankungen

Etwa zwei bis drei Prozent der Schwangeren in Deutschland erkranken an einer Präeklampsie, oft umgangssprachlich Schwangerschaftsvergiftung genannt. Die Erkrankung macht sich zumeist mit Bluthochdruck (Hypertonie) und erhöhtem Eiweiß im Urin (Proteinurie) bemerkbar. Häufig leiden die Frauen auch unter vermehrter Flüssigkeitseinlagerung und ein dadurch bedingtes Anschwellen des Gewebes (Ödeme). Die Ursachen der Präeklampsie sind noch nicht vollständig geklärt. Risikofaktoren sind u.a. die erste Schwangerschaft, Mehrlingsschwangerschaften, vorbestehender Bluthochdruck bzw. Nierenerkrankungen sowie Diabetes und Adipositas. Wird eine Präeklampsie zu spät diagnostiziert, kann sie schlimmstenfalls zum Tod von Mutter und Kind führen.

In der publizierten internationalen Studie* ist es den Forschern gelungen, einen Weg zu entwickeln, mittels eines neuen Biomarkers die Erkrankung zuverlässig innerhalb einer Woche auszuschließen. Zudem ist es möglich, das Auftreten der Erkrankung und dadurch bedingter Komplikationen zu prognostizieren. Anhand von spezifischen Proteinen (angiogenen Faktoren) im Blut der Schwangeren können eine Präeklampsie zuverlässig ausgeschlossen und somit Komplikationen besser verhindert werden. Wesentlich ist dabei der Wert, der das Verhältnis der in der Plazenta produzierten
Proteine sFlt-1 und PIGF bestimmt.

Entlastung für Schwangere mit Bluthochdruck und Eiweißausscheidung

„Die Untersuchung zeigt eindrucksvoll, dass mit dem sogenannten Elecsys sFlt-1-PlGF-Quotient unter Verwendung des angegebenen Grenzwertes von 38 ein sehr zuverlässiger prospektiver Ausschluss der Erkrankung in einem definierten Zeitfenster möglich ist. Das entlastet viele Schwangere, bei denen Präeklampsie-ähnliche Symptome auftraten, sich diese gefährliche Komplikation aber im Fortgang der Schwangerschaft nicht entwickelte,“ erläutert Prof. Dr. Holger Stepan, einer der Autoren der Studie und Mitglied des wissenschaftlichen Programmkomitees des 61. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG). „Bisher war die Präeklampsie nicht immer eindeutig diagnostizierbar und noch schwerer vorherzusagen, d.h. die Symptome waren oft nicht klar zuzuordnen. Anhand des sFlt-1/PIGF-Quotienten ist es nun möglich, das Risiko für ein Auftreten der Erkrankung und mögliche Komplikationen sicher vorherzusehen.“

Die Forscher haben über tausend Schwangere untersucht, bei denen ein hohes Risiko oder bereits klinische Anzeichen für eine Erkrankung diagnostiziert wurden. Bisher war es in der etablierten Praxis mit herkömmlichen Untersuchungsmethoden wie Blutdruckmessen und Bestimmung des Eiweißgehaltes im Urin möglich, eine positive Vorhersage in nur 20 % zu ermitteln. In der vorliegenden Studie wurde ein positiver prädiktiver Wert von 36,7% ermittelt. Laut Stepan ein relevanter medizinischer Fortschritt. In der klinischen Routine sind beide Vorhersagen (positive und negative) bedeutsam und erreichen mit diesen Faktoren ein neues Niveau.

Die Ergebnisse der Studie erlauben den Einsatz dieser Faktoren in der klinischen Routine über die aktuelle Diagnosesicherung hinaus jetzt auch in der Vorhersage. Anschließend sind jetzt prospektive randomisierte Studien erforderlich, die prüfen, inwieweit der routinemäßige Einsatz des sFlt-1-PlGF-Quotienten den Ausgang der Schwangerschaft für Mutter und Kind positiv beeinflusst.

Literatur:
*Harald Zeisler, Elisa Llurba, Frederic Chantraine, Manu Vatish, Anne Cathrine Staff, maria Sennström, Matts Olovsson, Shaun P. Brennecke, Holger Stepan, Deirdre Allegranza, Peter Dilba, Maria Schoedl, Martin Hund, Stefan Verlohren, “Predictive Value oft he sFlt-1/PIGF Ratio Women with Suspectedt Preeclampsia.“ In: New England Journal of Medicine (NEJM). 2016; 374: 13-22.

Weitere Informationen sowie das Programm des 61. DGGG-Kongresses vom 19.-22. Oktober 2016 in Stuttgart finden Sie hier: http://dggg2016.de/de/Startseite/index.html

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