Neue Arbeitsgruppe für einen maßgeschneiderten Einsatz von Antiinfektiva

Antiinfektiva sind Medikamente, die gegen von Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten hervorgerufene Infektionen arbeiten. Durch die Problematik der zunehmenden Resistenzen sind in den letzten Jahren speziell die Antibiotika in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt. „Antiinfektiva werden nicht nur in niedergelassenen Arztpraxen, sondern auch in den Krankenhäusern Deutschlands oft zu häufig und zu unkritisch eingesetzt“, weiß Prof. Andrew Ullmann, einer der beiden Leiter des Schwerpunkts Klinische Infektiologie der Medizinischen Klinik II am Uniklinikum Würzburg (UKW). Und Prof. Ulrich Vogel, der Leiter der Stabstelle Krankenhaushygiene des UKW, ergänzt: „Die Schere zwischen der steigenden Anzahl an resistenten Erregern und zu wenigen neuen Medikamenten geht immer weiter auseinander. Um in diesem Wettlauf mithalten zu können, müssen wir die vorhandenen Ressourcen an Antiinfektiva möglichst intelligent einsetzen auch mit Blick auf zukünftige Generationen.“

Interdisziplinäre Expertengruppe mit infektionsmedizinischen Kompetenzen
Vor diesem Hintergrund wurde Anfang Juli dieses Jahres unter dem Dach der Hygienekommission des Würzburg Uniklinikums eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe etabliert, in der Infektiologen, Mikrobiologen, Krankenhaushygieniker und Pharmazeuten ihre infektionsmedizinischen Kompetenzen zusammenführen. Unter dem Titel Antimicrobial Stewardship, kurz AMS, geht es den Experten darum, den Verbrauch an Antiinfektiva auf den Stationen des UKW zu analysieren, zu interpretieren und bei Abweichungen zu intervenieren. „Damit kommen wir auch den aktuellen gesetzlichen Forderungen nach. So verlangt das Infektionsschutzgesetz seit einer Änderung im Jahr 2011 zum Beispiel die Erfassung der Anwendungsdichte von Antiinfektiva in medizinischen Einrichtungen“, berichtet Prof. Vogel.

Bestes Behandlungsergebnis bei minimaler Toxizität
Strategisches Ziel der AMS-Arbeitsgruppe ist es, die Qualität der Antiinfektivabehandlung bezüglich Auswahl, Dosierung, Applikation und Anwendungsdauer zu sichern oder wo erforderlich zu verbessern. Im Mittelpunkt steht dabei, für jeden Patienten das beste klinische Behandlungsergebnis bei gleichzeitig minimaler Toxizität zu erreichen.

Viele Ansatzpunkte für zielführende Maßnahmen
Folgende Maßnahmen wurden bereits oder werden in naher Zukunft dazu am Uniklinikum Würzburg umgesetzt:
• Bei speziellen Visiten am Krankenbett bewerten Infektionsmediziner die jeweils gewählte Antibiotikatherapie.
• Seit über einem Jahr gibt es für Intensivstationen bereits ein Infektionsmedizinisches Board. Dieses Beratungsgremium, das die patientenspezifisch bestmögliche Infektionsbehandlung ermittelt, soll jetzt auch auf andere Stationen ausgeweitet werden.
• Die Antibiotikaschulung der UKW-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter soll intensiviert werden.
• Um die Strategien des Antimicrobial Stewardship weiterzuverbreiten, bietet Prof. Ullmann bereits jetzt von Krankenhäusern aus ganz Deutschland genutzte AMS-Kurse der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI) an.
• Die bislang in gedruckter Form vorliegenden Standards in der Antibiotikatherapie des UKW werden derzeit in einer Internetplattform zusammengefasst und dabei umfassend aktualisiert.
• Um die personelle Leistungsfähigkeit der AMS-Arbeitsgruppe zu erhöhen, wurde eine neue, der Hygienekommission angegliederte Stelle geschaffen, die seit 1. Juli dieses Jahres mit der Internistin und Infektiologin Dr. Güzin Surat besetzt ist.

Kastentext:

Mitglieder der AMS-Arbeitsgruppe des Universitätsklinikums Würzburg
• Prof. Dr. Andrew Ullmann, einer der beiden Leiter des Schwerpunkts Klinische Infektiologie der Medizinischen Klinik II und Leiter der AG AMS
• Prof. Dr. Johannes G. Liese, Leiter der Pädiatrischen Infektiologie und Immunologie
• Dr. Johann Schurz, Leiter der Stabstelle Apotheke
• Dr. Güzin Surat, Stabstelle Krankenhaushygiene
• Prof. Dr. Ulrich Vogel, Leiter der Stabstelle Krankenhaushygiene
• Dr. Johanna Sledziona, Institut für Hygiene und Mikrobiologie

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