Netzwerken für die wissenschaftliche Karriere

Bin ich immer Herr meiner Gedanken? In der Regel schon. Doch schizophrene Patienten erleben einen Teil ihrer Gedanken als von außen eingegeben und fremd. Sie scheinen im Gegensatz zu Gesunden nicht in der Lage zu sein, die eingegebenen Gedanken in den Griff zu bekommen. Wieder andere Menschen leiden an Zwangsgedanken, die zwar ihre eigenen Gedanken sind, die sie aber nicht kontrollieren können. Was es bedeutet, einen unkontrollierbaren Gedanken zu haben, erforschen der Philosoph Gottfried Vosgerau von der Universität Düsseldorf, der Psychiater Martin Voss von der Charité Campus Mitte und die Psychologin Daniela Simon von der Humboldt-Universität zu Berlin in einem interdisziplinären Forschungsprojekt. Die drei Wissenschaftler gehören zur ersten Generation der European Platform for Life Sciences, Mind Sciences, and the Humanities.

Die VolkswagenStiftung rief dieses besondere Förderangebot 2006 mit dem Ziel ins Leben, die Vernetzung europäischer Nachwuchsforscher(-innen) voranzutreiben, die im Grenzbereich von kognitiven Neurowissenschaften, Lebenswissenschaften sowie Geistes- und Gesellschaftswissenschaften an neuen Fragen zum Menschen arbeiten. Rund 60 junge Talente aus ganz Europa konnten bereits von der Teilnahme an der European Platform profitieren und ihre Forschungsarbeit sowie ihre Karriere als Wissenschaftler voranbringen.

Gottfried Vosgerau: „Die Möglichkeit, schon sehr früh in Eigenverantwortung interdisziplinäre Forschungsprojekte durchzuführen, hat meine philosophische Arbeit enorm befruchtet und bereichert. Der persönliche und inhaltliche Erfolg dieser Projekte zeigt sich unter anderem an meiner Berufung auf eine Junior-Professur sowie am Preis für Philosophie in der Psychiatrie (der DGPPN), den ich zusammen mit Martin Voss erhalten habe.“

Nun geht die European Platform in die zweite Runde: Die VolkswagenStiftung fördert fünf neue Netzwerkgruppen mit Nachwuchsforschern(-innen) aus Belgien, Deutschland, Estland, Großbritannien, den Niederlanden und der Schweiz mit insgesamt 350.000 Euro. Die Architektin Gesine Marquardt von der Technischen Universität Dresden ist eine von ihnen. Sie wird sich in ihrem Netzwerkvorhaben mit Glas beschäftigen, das als transparentes Material in der zeitgenössischen Architektur eine zunehmend wichtigere Rolle spielt und häufig als unsichtbare Barriere verwendet wird. Wie Menschen diese Barriere wahrnehmen, sie repräsentieren und mit ihr umgehen – dieser Frage geht das interdisziplinäre Forscherteam nach, in dem neben der Architektur die Fachrichtungen Anthropologie, Neurowissenschaften, Sozial- und Wahr-nehmungspsychologie vertreten sind.

Gesine Marquardt: „Der interdisziplinäre Austausch in der European Platform erlaubt mir eine anderweitig kaum mögliche Forschungsarbeit weit über die Grenzen meines Fachgebietes hinaus. Ich verspreche mir nicht nur neue Erkenntnisse zu unserem Forschungsthema „Glas“, sondern auch, dass wir aus unserer Zusammenarbeit in der Netzwerkgruppe heraus weitere Forschungsprojekte initiieren können.“

Weitere Auskunft und Kontakt:
VolkswagenStiftung
Förderinitiative
Dr. Thomas Brunotte
Telefon: 0511 8381 297
E-Mail:

Universität Düsseldorf
Institut für Philosophie
Jun.-Prof. Dr. Gottfried Vosgerau
Telefon: 0211 81 10525
E-Mail:

TU Dresden
Fakultät Architektur
Dr.-Ing. Gesine Marquardt
Telefon: 0351 463 34724
E-Mail:

Mehr Informationen zur European Platform:

Die Pressemitteilung steht im Internet zur Verfügung unter .

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