Nanomedizin gegen Krebs: EU fördert Folgeprojekt

„Wir wollen die experimentellen Untersuchungen abschließen und den Labormaßstab hinter uns lassen, um die klinische Testung und die Zulassung in Angriff nehmen zu können“, beschreibt Prof. Dr. Ingrid Hilger das Ziel des Projektes. Die Leiterin der Arbeitsgruppe experimentelle Radiologie am Uniklinikum Jena war schon an der Entwicklung der Nanopartikel beteiligt.

Die in einer Trägersubstanz gebundenen multifunktionellen magnetischen Nanopartikel sind mit spezifischen Antikörpern und Zytostatika versehen, so dass sie sich zielgerichtet an Krebszellen anlagern und die Chemotherapeutika direkt vor Ort bringen können. Die magnetischen Eigenschaften der Partikel ermöglichen zudem, dass auch kleinste Absiedlungen im MRT sichtbar werden, und eine punktgenaue Erhitzung und Aktivierung der Chemotherapeutika durch äußere Magnetfelder. Ingrid Hilger: „Wir konnten in Zellkulturen und im Tiermodell die Sicherheit und die Wirksamkeit der Nanopartikelformulierungen gegen Brust- und Bauchspeicheldrüsenkrebs nachweisen.“

Vom Labor in den klinischen Maßstab und Test

Das NoCanTher-Konsortium mit Forschungszentren, Kliniken und Unternehmen aus Spanien, Frankreich, Deutschland, Großbritannien und Irland geht jetzt den nächsten Schritt: Die Nanopartikel müssen im größeren Maßstab hergestellt und dabei alle Prozesse auf die strengen Qualitätsrichtlinien der Arzneimittelproduktion ausgerichtet werden. Die Jenaer Wissenschaftler werden an der Feinabstimmung der medikamentösen und der thermischen Wirkung der Partikel arbeiten, die an die physiologischen Vorgänge im menschlichen Körper angepasst sein müssen.

Das sind die Voraussetzungen für die Planung und Beantragung einer klinischen Phase-I Studie, in der die Substanzen erstmals klinisch an Patienten getestet werden. „Im Idealfall wollen wir mit einer kontrollierten Therapiestudie gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs beginnen, um diesen vielversprechenden Therapieansatz der Nanomedizin gegen Krebs der klinischen Anwendung ein Stück näher zu bringen“, so Ingrid Hilger.

Die EU fördert das auf fünf Jahre angelegte Projekt im Rahmen ihres Horizon2020-Programms mit insgesamt sieben Millionen Euro; eine Dreiviertelmillion davon geht an die vierköpfige Projektgruppe am Uniklinikum Jena.

Kontakt:
Prof. Dr. Ingrid Hilger
Experimentelle Radiologie, Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Universitätsklinikum Jena
E-Mail: Ingrid.Hilgermed.uni-jena.de

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