nAMD: Optimierte Behandlung der neovaskulären altersabhängigen Makuladegeneration

nAMD: Bei neovaskulärer altersabhängiger Makuladegeneration die Adhärenz durch optimiertes T&E-Regime erhöhen

Patienten mit nAMD (neovaskuläre altersabhängige Makuladegeneration) leiden häufig unter einer zunehmenden Verschlechterung des Visus. Dies kann deutliche Auswirkungen auf die Lebensqualität haben: Körperliche Aktivität und psychische Gesundheit sind ebenso beeinträchtigt wie das Arbeits- und das soziale Leben. Die Unabhängigkeit der Betroffenen wird oftmals eingeschränkt.(1,2)

nAMD: Bei neovaskulärer altersabhängiger Makuladegeneration die Adhärenz durch optimiertes T&E-Regime erhöhen

Um die Versorgung in der klinischen Praxis zu verbessern und die Adhärenz zu erhöhen, können Ophthalmologen an mehreren Stellschrauben drehen. Dazu gehört nicht nur die Einführung eines T&E-Regimes (Behandlungskonzept Treat and Extend), das durch längere Injektionsintervalle die Behandlungslast verringern kann. „Sinnvoll ist es weiterhin, die Praxisabläufe zu optimieren. Die Praxiskapazität muss geplant und analysiert werden. Betroffene ohne Vorerfahrung mit der intravitrealen Medikamentengabe (IVOM) sollten besonders umfassend aufgeklärt werden“, riet Maria Wäsler, Medizinische Fachangestellte, Prien am Chiemsee. „Wichtig ist ein zudem einheitliches Praxiskonzept. Auch die Medizinischen Fachangestellten müssen sich verantwortlich fühlen und der Ophthalmologe muss Hand in Hand mit ihnen zusammenarbeiten“, betonte Wäsler.

Adhärenz durch realistische Terminplanung erhöhen

Praxen können außerdem ihre Terminplanung optimieren. Folgetermine sollten direkt verfügbar sein und Patienten sollten IVOM-spezifische Termine erhalten. Die Terminlast kann verringert werden, indem eine Kontrolle mit der IVOM kombiniert wird. Rückfragen bei verpassten Terminen sowie Erinnerungsfunktionen mit Hilfe von Apps, E-Mails oder SMS können die Adhärenz ebenfalls erhöhen. Therapiepausen, z.B. wenn der Patient in Urlaub ist, sollten vermieden werden. Vorher gilt es, einen realistischen Plan mit dem Patienten zu entwickeln, damit die Adhärenz gewährleistet bleibt.

Patienten durch Aufklärung motivieren

Auch die Kommunikation bzw. die Aufklärung spielt eine wichtige Rolle. Zunächst sollte der Wunsch des Betroffenen klar evaluiert werden. Der Ophthalmologe und seine Mitarbeiter sollten den Patienten schon beim ersten Gespräch Informationen zur Verfügung stellen und sie auf die Notwendigkeit einer regelmäßigen Behandlung hinweisen. „Wir Ärzte stehen in der Verantwortung, unsere Patienten zu motivieren und umfassend aufzuklären“, betonte Prof. Lanzl. Patienten und deren Angehörige sollten außerdem routinemäßig in die Therapieplanung eingebunden werden. „Bei der nAMD handelt es sich um eine chronische Erkrankung. Deshalb ist es besonders wichtig, die Therapie langfristig fortzuführen“, so Prof. Lanzl. Dabei können leicht verständliche Informationen wie beispielsweise auf der Webseite www.visusvital.de unterstützen. Auch spezielle Materialien wie etwa Motivationsbroschüren können hilfreich sein. Weitere Informationen dazu gibt es unter: https://www.visusvital.de/service/hilfreiche-materialien

Früher Behandlungsbeginn mit Anti-VEGF-Inhibitoren wie Aflibercept und Therapieadhärenz können Visus-Entwicklung positiv beeinflussen

Daten aus der klinischen Praxis zeigen, dass eine Therapie der neovaskulären altersabhängigen Makuladegeneration (nAMD) oft verzögert erfolgt. Dabei kann eine nAMD mit Anti-VEGF-Inhibitoren wie Aflibercept gut behandelt werden. Ein früher Therapiebeginn und eine gute Adhärenz sind besonders wichtig, da es sich um eine chronische Erkrankung handelt. Als besonders geeignet hat sich hier das Behandlungskonzept Treat and Extend (T&E) herausgestellt – es ermöglicht eine individuelle Therapie und kann die Behandlungslast der Patienten reduzieren. Auch eine gute Aufklärung und Motivation der Patienten sowie optimierte Praxisabläufe können sich positiv auf die Adhärenz auswirken.

Gutes Wirksamkeits- und Sicherheitsprofil von Aflibercept

Schon in den Zulassungsstudien View 1 und 2 wurde die gute Wirksamkeit von Aflibercept belegt.(3) Gemäß aktueller Zulassung wird die Behandlung zunächst mit drei aufeinanderfolgenden monatlichen Injektionen initiiert und das Behandlungsintervall danach auf zwei Monate verlängert. Anschließend kann der Arzt basierend auf dem funktionellen und/oder morphologischen Befund das zweimonatige Behandlungsintervall aufrechterhalten oder entsprechend einem T&E-Dosierungssansatz weiter verlängern. Inzwischen liegen zahlreiche Daten aus Klinik und Praxis vor, die das gute Wirksamkeits- und Sicherheitsprofil von Aflibercept bestätigen. Dabei hat sich der Behandlungsansatz Treat and Extend als besonders vorteilhaft erwiesen: Mit T&E werden die Injektionen bei geplanten Visiten unabhängig vom funktionellen und/oder morphologischen Befund vorgenommen, das zukünftige Behandlungsintervall wird für jeden Patienten individuell basierend auf dem Befund angepasst.

In der klinischen Routine schränken jedoch Verzögerungen in der Behandlung oftmals den Therapieerfolg ein. Das zeigen unter anderem die Daten der OCEAN-Studie.(4) „Eine Verzögerung der Therapie von mehr als zwei Wochen bei Behandlungsbeginn resultierte in schlechten Visusergebnissen“, berichtete Prof. Dr. Ines Lanzl, Prien am Chiemsee. Zusätzliche Daten liefert zudem die PONS-Studie: Hier kam es bei Wiederbehandlungen zu einer mehr als achtwöchigen Verzögerung zwischen der 3. und 4. Injektion.(5) „Bei zwei Drittel aller Patienten erfolgte die Wiederbehandlung, d.h. die 4.IVOM, später, im Median nach über neun Wochen“, so Prof. Lanzl.

Auch die Ergebnisse der PERSEUS-Studie verdeutlichen, dass ein Großteil der Betroffenen im klinischen Alltag nicht kontinuierlich behandelt wurde. Die Therapiepersistenz nahm im Lauf der Zeit ab und nach zwei Jahren hatten zwei Drittel der Patienten die Behandlung abgebrochen. Dabei hatten Betroffene, die 24 Monate lang regelmäßig Injektionen erhielten, einen besseren Visus als solche, die nur unregelmäßig behandelt wurden.(6)

Proaktives T&E-Behandlungskonzept verringert Behandlungslast für Patienten

Es gibt zahlreiche Ursachen für die Unterbehandlung einer nAMD: Aufgrund ihres meist höheren Alters haben viele Patienten zum einen Komorbiditäten. Auch die Behandlungslast bei einer chronischen Erkrankung wie der nAMD und die damit oft einhergehende abnehmende Motivation oder unerfüllte Therapieerwartungen der Patienten spielen eine wichtige Rolle. Patienten fällt es mitunter schwer, Termine im Therapiezentrum zu organisieren. Oftmals sind die Zentren weit entfernt und es wird eine Begleitperson benötigt.

Ein erster Ansatzpunkt, um die Behandlungslast für die Patienten zu verringern, ist die Umstellung auf das proaktive T&E-Behandlungskonzept. Dadurch kann eine Hürde zur Therapiewahrnehmung reduziert werden.

Dass eine langfristige Therapie mit guten Behandlungsergebnissen möglich ist, zeigen die Daten verschiedener Studien. In einer retrospektiven, monozentrischen Beobachtungsstudie erhielten 82 behandlungsnaive nAMD-Patienten zwei initiale monatliche Aflibercept-Injektionen, direkt gefolgt von einem T&E-Regime. Nach zwölf Monaten verbesserte sich die bestkorrigierte Sehschärfe (BCVA) um 11,8. Auch nach 48 Monaten war der Visus um 6,6 Buchstaben besser als zu Beginn bei abnehmender Behandlungslast.(7)

25 Artikel belegen Visusverbesserung

In einer weiteren Studie wurden 157 Augen von 148 nAMD-Patienten behandelt. Die Teilnehmer erhielten initial 3-monatliche Injektionen, gefolgt von einem q8-Regime bis zum Ende des ersten Jahres und anschließendem proaktiven T&E-Regime. Der Visus erhöhte sich von 54,4 zu Beginn auf 60,3 im ersten Behandlungsjahr. Auch hier zeigte sich eine langfristige Wirksamkeit der Aflibercept-Therapie über vier Jahre hinweg: Der Visus lag nach 48 Monaten bei 60,4.(8)

Die Ergebnisse wurden von einer systematischen Literaturrecherche, in der feste Behandlungsintervalle mit dem PRN-Regime und dem T&E-Schema verglichen wurden, untermauert.(9) In Bezug auf das T&E-Regime bestätigten 25 Artikel eine Visusverbesserung über einen Zeitraum von bis zu drei Jahren. „Das T&E-Regime ermöglicht von den untersuchten Behandlungsschemata eine Balance zwischen optimierten Visus-Ergebnissen und reduzierter Behandlungslast für nAMD-Patienten in der klinischen Routinepraxis“, so die Expertin.

Quellen:

  1. Mitchell J et al. Health Qual Life Outcomes 2006; 4:97
  2. Wysong A et al. Arch Ophthalmol 2009; 127 (3):320–327.
  3. Heier JS et al. Ophthalmology 2012; 119 (12): 2537–2548
  4. Ziemssen et al. Ophthalmologe 2016; 113(2): 143–151.
  5. Ehlken et al. Retina 2017; 0:1-11
  6. Eter N et al. Graefes Arch Clin Exp Ophthalmol. 2021 Feb 6.
  7. Jaggi D et al. Br J Ophthalmol 2020; 0: 1–5
  8. Lukic et al. Eur J Ophthalmol 2020; epub ahead of print: doi: 10.1177/1120672120938565.
  9. Daien V et al. Ophthalmol 2020; 0:1–5. Epub ahead of print (dio:10.1136/bjophthalmol-2020-317434).
  10. Frühstart mit Eylea®: Real-World-Evidence und Adhärenz im Fokus; Interaktive Presseveranstaltung 19. Mai 2021, Online-Veranstaltung live aus der BayArena
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