NAKO – Kurze Wege für Studienteilnehmer in der Region Waren (Müritz)

„Wir sind dem Bürgermeister und der Stadt Waren sehr dankbar für die tatkräftige Unterstützung der Gesundheitsstudie“, betonte Prof. Henry Völzke, Studienleiter für Nordostdeutschland von der Universitätsmedizin Greifswald. „So erhielten wir nicht nur Hilfe bei der Suche nach geeigneten Untersuchungsräumen. Es liegt auch allen Einladungen an die Bürger der Region ein Anschreiben des Bürgermeisters Norbert Möller bei, mit der Bitte, sich aktiv an der Studie zu beteiligen.“ Das Warener Studienzentrum der NAKO befindet sich in der Warendorfer Straße 4.

„Gemeinsam forschen für eine gesündere Zukunft“ ist das Motto der Nationalen Kohorte (NAKO), der größten Gesundheitsstudie Deutschlands. Über einen Zeitraum von 20 Jahren werden bundesweit 200.000 Teilnehmer zwischen 20 und 69 Jahren in 18 Studienzentren bundesweit mehrfach medizinisch untersucht und zu ihren Lebensgewohnheiten und sozialem Umfeld befragt. Ziel ist es, Ursachen und Risikofaktoren der wichtigsten Volkskrankheiten zu untersuchen. Das sind unter anderem Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Diabetes, Demenz und Depressionen.

In Mecklenburg-Vorpommern befinden sich zwei Untersuchungszentren. Der feste Hauptanlaufpunkt ist seit 2014 das Dietrich Bonhoeffer-Klinikum in Neubrandenburg. Die Vier-Tore-Stadt gehört zudem zu den fünf Standorten in Deutschland mit einem Magnetresonanztomographen (MRT). Die zusätzliche MRT-Untersuchung beinhaltet ein 60-minütiges Untersuchungsprogramm für den ganzen Körper und wird von den Radiologen Prof. Norbert Hosten und Dr. Robin Bülow der Universitätsmedizin geleitet.
Seit zwei Jahren wurden darüber hinaus auch in Neustrelitz Untersuchungen durchgeführt. Das Studienzentrum in Neustrelitz wurde jetzt für ein Jahr nach Waren (Müritz) verlegt. Mit geringeren Anfahrtszeiten soll vor allem die Entscheidung zur Teilnahme an dem Programm erleichtert werden. Die NAKO in der Region Mecklenburgische Seenplatte/Vorpommern wird von dem Institut für Community Medicine, Abteilung SHIP-Klinisch-Epidemiologische Forschung der Universitätsmedizin Greifswald verantwortet.

Erste Basiserhebung bis 2018 abgeschlossen

Die NAKO nimmt Fahrt auf. Auf Bundesebene konnte bereits der 50.000 Teilnehmer, das entspricht 25 Prozent der Probanden, untersucht werden, davon 6.000 mit einem zusätzlichen MRT-Check. In der gesamten Untersuchungsregion der Mecklenburgischen Seenplatte absolvierten schon 5.000 Teilnehmer, das sind ebenfalls 25 Prozent, das Untersuchungsprogramm, davon rund 2.000 mit MRT. Etwa 10.000 Probanden kommen aus der Region Neubrandenburg, weitere 10.000 aus der Region um Neustrelitz, Waren und Demmin.
„Sowohl bezüglich der Anzahl der bisherigen Untersuchungen bundesweit als auch von der Probandendichte im Verhältnis zur Einwohnerzahl ist Mecklenburg-Vorpommern der NAKO-Spitzenreiter“, betonte Dr. Sabine Schipf, die nordostdeutsche Projektmanagerin der Studie. „Bei der Umsetzung des ambitionierten Programms profitieren wir ganz klar von den umfangreichen Erfahrungen der seit 1997 laufenden SHIP-Studie (Study of Health in Pomerania).“

Um den ausgewählten Personen die Studienteilnahme zu erleichtern, wurde neben dem Studienstandort Neubrandenburg von 2014 bis 2016 im Mai 2014 ein temporäres Studienzentrum in Neustrelitz eingerichtet. „Damit wird den regionalen Bedingungen unseres Flächenlandes Rechnung getragen und den Teilnehmern eine größere Wohnortnähe zum Studienzentrum ermöglicht“, so Schipf. Im kommenden Jahr ist ein weiterer Standortwechsel nach Demmin vorgesehen. Diese temporären Untersuchungszentren gibt es nur in Mecklenburg-Vorpommern.
Die erste Basiserhebung der 20.000 Probanden in MV soll bis April 2018 abgeschlossen werden. Ab Mai 2018 sollen dann die ersten Nachfolge-Untersuchungen anlaufen. Nach fünf Jahren werden alle Teilenehmer erneut eingeladen, um die individuellen gesundheitlichen Entwicklungen der untersuchten Frauen und Männer aufzuzeigen.

NAKO – HINTERGRUND

Wer kann an der Studie teilnehmen?
Nicht jeder, der möchte, kann an der Studie teilnehmen. Die Teilnehmer werden nach dem Zufallsprinzip über das zentrale Einwohnermeldeamtsregister in Schwerin ausgewählt. Dieses Prinzip der Stichprobenziehung ist für die Repräsentativität der Ergebnisse wichtig. Deshalb können nur die Bürger mitmachen, die auch eine Einladung, den „grünen Brief“ erhalten.
Für die Teilnahme an den MRT-Untersuchungen gelten zusätzliche Einschränkungen: Frauen mit einer möglichen oder sicheren Schwangerschaft dürfen nicht untersucht werden; gleiches gilt für Personen mit Herzschrittmacher oder großen Tätowierungen und anderen nicht MRT-kompatiblen Metallteilen im Körper.

Nicht jeder Angeschriebene folgt der Einladung. Funktioniert die Studie trotzdem?
Der Erfolg der Studie hängt natürlich vom Engagement eines jeden Einzelnen ab. Je mehr der auserwählten Menschen teilnehmen, desto aussagekräftiger sind die Ergebnisse und desto größer ist der medizinische Nutzen für uns als Gesellschaft und die nachfolgenden Generationen. Auch wenn nicht jeder Bürger der Einladung folgt, sind durch die statistischen Verfahren verwertbare Ergebnisse abgesichert.

Teilnehmerzahl
Das Basisprogramm erhalten bundesweit 200.000 Teilnehmer, bezogen auf die Region MV sind es 20.000 Teilnehmer mit einem zeitlichen Umfang von drei bis vier Stunden, inklusive Pausen und Imbiss.
Das intensivierte Programm erhält eine Gruppe von bundesweit 40.000 (20 %) aller Teilnehmer. Auch diese werden zufällig ausgewählt. Bezogen auf die Region MV sind das 4.000 Teilnehmer, die ein umfangreicheres Untersuchungsprogramm von ca. fünf bis sechs Stunden, inklusive Pausen und Imbiss erhalten
Die Magnetresonanztomographie(MRT)-Untersuchung mit 1,5 Stunden ist von besonderem wissenschaftlichem Wert und wird bundesweit bei 30.000 Teilnehmern durchgeführt. Bezogen auf die Region MV als eines der fünf MRT-Standorte werden in der Neubrandenburger Region 6.000 Teilnehmer mit dem bildgebenden Verfahren untersucht.

Ersetzt die Untersuchung den Gesundheits-Check beim Hausarzt?
NEIN! Die NAKO ist eine wissenschaftliche Studie mit Forschungsfokus. Ziel ist es, Vorbeugung, Früherkennung und Behandlung der typischen Volkskrankheiten, wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Krebs, aber auch noch weniger gut erforschte Erkrankungen wie Demenz, zu verbessern. Die Teilnahme ist somit kein Gesundheits-Check und es werden auch keine Diagnosen gestellt. Als Dankeschön erhalten die Teilnehmer neben einer kleinen Aufwandsentschädigung und einem Imbiss, einen Ergebnisbrief über die durchgeführten Untersuchungen. Diesen Brief können sie bei ihrem Hausarzt vorlegen.

Studienzentren in der Region
Neubrandenburg: Im Dietrich Bonhoeffer Klinikum befindet sich seit 2014 das ständige Studienzentrum über die gesamte Laufzeit der Studie.
Neustrelitz: 1. temporärer Standort 2014 bis April 2016
Waren: 2. temporärer Standort ab Mai 2016 bis April 2017
Demmin: 3. temporärer Standort geplant ab Mai 2017

MV etabliert als einzige Untersuchungsregion neben dem ständigen Studienzentrum Neubrandenburg auch temporäre Studienzentren. Die Erfahrungen der SHIP-Studie zeigen, dass die Teilnahmebereitschaft an einer Studie mit der Entfernung zum Studienzentrum abnimmt. Mit mobilen SHIP-Zentren wurde der Situation in Vorpommern Rechnung getragen und die Teilnehmerzahlen wieder erhöht. Deshalb ist auch bei der neuen Studie das Motto im Flächenland MV: Kommt der Teilnehmer nicht zur NAKO, kommt die NAKO zum Teilnehmer. Dieses auch in Anbetracht der verkehrstechnischen Anbindung in der Region, welche mit einem hohen zeitlichen Aufwand verbunden ist, der zunehmend ein Argument zur Entscheidung gegen eine Studienteilnahme ist. Eine Bescheinigung für den Arbeitgeber wird bei Bedarf von der NAKO ausgestellt.

Warum wurde die Mecklenburgische Seenplatte als Basisregion gewählt?
Zum einen, weil die SHIP-Studie bereits in Vorpommern durchgeführt wird. Zum anderen, weil die Nachbarregion Besonderheiten aufweist, die im Vergleich zu anderen Regionen Deutschlands von großem Interesse sind. Diese Region ist durch eine relativ hohe Arbeitslosigkeit und Abwanderung geprägt. Vor allem im Osten Mecklenburg-Vorpommerns ist das Armutsrisiko im Vergleich zu wirtschaftlich stärkeren Regionen des Landes sehr groß (Uecker-Randow und Demmin). Wie wirken sich diese sozialökonomischen Faktoren auf die Gesundheit der Bevölkerung aus – das soll im Rahmen der NAKO erforscht werden.

Was passiert mit den ganzen Datenmengen?
Diese werden in zwei bundesweiten Integrationszentren des zentralen Datenmanagements anonymisiert erfasst. Durch die langjährige Erfahrung im Datenmanagement ist die Universitätsmedizin Greifswald/Abt. Versorgungsepidemiologie unter Leitung von Prof. Wolfgang Hoffmann eines der zwei Integrationszentren neben Heidelberg. Die Daten müssen qualitätsgesichert erhoben werden, eine wichtige Voraussetzung, um diese später wissenschaftlich auszuwerten.

Bioprobenlagerung
Die Bioproben werden teilweise in einem zentralen Biorepository in München eingelagert, teilweise dezentral gelagert. Die Bioproben der Region MV werden in einer automatischen Biobank im Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin der Universitätsmedizin Greifswald eingelagert. Das Labor unter Leitung von Prof. Matthias Nauck hat sich darüber hinaus als Sofortanalyselabor innerhalb der NAKO etabliert.

Projektmanagement und Leitung der Studienzentren
Dr. rer. med. Sabine Schipf, MSc (Epi)
T +49 3834-86 19 658 oder 0395-775 30 57
E sabine.schipf@uni-greifswald.de

Universitätsmedizin Greifswald
Institut für Community Medicine
Studienleiter: Prof. Dr. med. Henry Völzke
Walter Rathenau Str. 48, 17475 Greifswald
T +49 3834 86-75 41 oder 86 19 658
E voelzke@uni-greifswald.de

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