Nach wie vor erheblicher Personalmangel im Gesundheitswesen

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Laut einer kürzlich veröffentlichen Studie zum Fachkräftemangel im Gesundheitswesen der Unternehmensberatung PwC wird sich der jetzt schon gravierende Personalnotstand im Gesundheitswesen in den nächsten Jahren dramatisch verschärfen. So könnten bis 2035 annähernd 1,8 Millionen ausgebildete Fachkräfte fehlen, um die Gesundheitsversorgung Deutschlands zu sichern.

Besonders hart trifft es die Bereiche Alten- und Krankenpflege. Es wird erwartet, dass eine Unterversorgung von mehr als einem Drittel eintreten wird. Auch bei den Ärztinnen und Ärzten werden große Einschnitte zu spüren sein. Lösungen müssen schnell gefunden werden. Ist es doch laut Michael Burkhart, dem Leiter des Bereichs Gesundheitswirtschaft, “eher fünf nach als fünf vor zwölf”!

Pflege am Limit

Zwischen 2018 und 2020 fiel der Anteil der Arbeitssuchenden in der Kranken- und Altenpflege um 50 Prozent. Setzt sich dieser Trend fort, sind die Folgen für die Gesellschaft unabsehbar.

Laut des deutschen Pflegehilfswerks e.V. ist eine solch kritische Situation in vielen Pflegeheimen schon Realität. So gibt der durchschnittliche Pflegemix vor, dass sich eine Fachkraft um etwa 4 Personen kümmern muss, um eine optimale Versorgung und eine liebevolle Betreuung zu gewährleisten. Viele Pflegeheime können von diesen paradiesischen Zuständen nur träumen. So ist in manchen Heimen eine Pflegekraft für bis zu 15 Pflegebedürftige zuständig.

Auch in Krankenhäusern schrillen die Alarmglocken. Experten gehen von einem aktuellen Fehlbedarf von 100.000 Stellen aus. Damit hat Deutschland im internationalen Vergleich mit Ländern ähnlichen Lebensstandards die rote Laterne übernommen.

Wer derzeit einen Job im Gesundheitswesen sucht, wird folglich mit Handkuss genommen – Interessierte finden hier mehr Informationen.

Fachkräftemangel im Gesundheitswesen – Ursachen und Treiber

Der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen ist der Ausdruck einer vielschichtigen Krise und kann nicht an einer einzigen Ursache festgemacht werden. Zudem tragen verschiedene Treiber zu Verschärfung bei.

Gesellschaftlicher Alterungsprozess 

Hauptursache ist sicher der demografische Wandel. Die Deutschen werden im Durchschnitt immer älter. Damit steigt die Zahl der Pflegebedürftigen und Kranken rasch an. Demgegenüber stehen immer weniger junge Menschen, die für eine Gesundheitsausbildung infrage kommen.

Schlechte Arbeitsbedingungen

In der ambulanten und stationären Pflege sind die Arbeitsbedingungen alles andere als vorbildlich. Patienten müssen rund um die Uhr betreut werden, was mit einem hohen Arbeitsaufwand verbunden ist.

Folgende Aspekte treten dabei in den Fokus:

  • Schichtarbeit, was zu einer verminderten Work-Life-Balance führt
  • geringe Gestaltungsmöglichkeiten
  • hohe physische Belastung
  • wenig ansprechendes Arbeitsumfeld
  • geringe Bezahlung
  • schlechte Reputation des Berufsstands
  • hoher Zeitdruck
  • dünne Personaldecken
  • starke psychische Belastungen

In der Summe sorgen diese negativen Aspekte dafür, dass sich immer weniger Menschen für das Gesundheitswesen interessieren, immer mehr Fachkräfte die Branche wechseln oder in Frührente gehen.

Folgen des Fachkräftemangels im Gesundheitswesen

Für das vorhandene Personal häuft sich die Arbeit. Um leistungsfähig zu bleiben, wird die Unterbesetzung mit Mehrarbeit ausgeglichen. Überstunden sind die Folge, es müssen mehr Tage am Stück gearbeitet werden. Die Mehrarbeit wird eher zur Regel, denn zur Ausnahme. 

Dadurch wird eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt, die von den Entscheidern derzeit noch unterschätzt wird. Der Zeitdruck nimmt zu, die Belastung verstärkt sich. Diese Prozesse enden in einem andauernden Erschöpfungszustand oder in physischen und psychischen Krankheitsbildern mit entsprechenden Fehlzeiten. Die Motivation zum Berufsausstieg steigt.

Maßnahmen gegen den Pflegenotstand

Lösungsansätze erfordern das Zusammenspiel von Staat und den Gesundheitsbetrieben. Die vorherige Regierung hat dabei fünf Handlungsfelder definiert, die teilweise schon umgesetzt wurden:

  • Ausbildungsreform über die neu eingeführte generalistische Ausbildung
  • Stärkung der häuslichen Pflege mit dem Pflegestärkungsgesetz
  • Das Sofortprogramm Pflege und das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz sollen dazu beitragen, neue Stellen zu finanzieren.
  • Die Konzertierte Aktion Pflege (KAP) ist ein Maßnahmenbündel, bestehend aus der Einführung eines Personalschlüssels, Entlohnung nach Tarif, der verstärkten Einwanderung ausländischer Fachkräfte sowie eines gesteigerten Ausbildungsangebots. 
  • Standards, die Personaluntergrenzen definieren

Auf Betriebsebene werden folgende Maßnahmen vorgeschlagen:

  • Rückholung aus dem Ruhestand von qualifiziertem Personal durch Prämien
  • zeitgemäße Rekrutierungsstrategien
  • Umwandlung der Teilzeit- in Vollzeitkräfte
  • innerbetriebliche Ausbildungsoffensiven
  • Rekrutierung von Personal aus dem Ausland
  • Gehaltserhöhungen
  • Einführung flexibler Arbeitszeiten
  • Angebot betrieblicher Gesundheitsförderung
  • Gestaltung arbeitnehmerfreundlicher Arbeitsumgebungen
  • Forcierung von Weiterbildungen
  • Einführung digitaler Technologien

Fazit

Der Umbau des Gesundheitswesens ist eine gesellschaftliche Mammutaufgabe. Je früher damit begonnen wird, desto größer ist die Chance, dass auch in 15 Jahren in Deutschland jeder eine ausreichende Gesundheitsversorgung erhält.

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