Zu den Krebserkrankungen der Mundhöhle und des Rachens zählen bösartige Neubildungen der Lippe, der Zunge, des Gaumens, der Speicheldrüsen, des Mundbodens und des Rachens. Die wichtigsten Risikofaktoren für diese Erkrankungen sind Tabak- und Alkoholkonsum. Raucher erkranken bis zu sechsmal häufiger als Nichtraucher, wobei die Kombination von Alkoholkonsum und Rauchen das Risiko verstärkt. Auch der orale Genuss von Tabak (zum Beispiel Kautabak) stellt ein Risiko dar. Weitere Risikofaktoren sind unzureichende Mundhygiene und ein zu geringer Verzehr von Obst und Gemüse. Für einige Krebserkrankungen im Nasen-Rachen- Raum wird auch eine Beteiligung von Viren an ihrer Entstehung diskutiert. Bei Karzinomen der Lippe trägt Sonnenexposition zur Krebsentstehung bei. Ein meist beruflich bedingter Kontakt zu Holzstäuben kann das Risiko für Tumorerkrankungen vor allem im Bereich des Nasenpharynx steigern. Therapeutisch wird in Abhängigkeit von der Ausbreitung des Tumors in angrenzende Gewebe eine möglichst vollständige Entfernung angestrebt. Die Radikalität der Operation ist durch den möglichen Verlust an Funktion sowie durch den Verlust an Lebensqualität durch äußerliche Entstellung eingeschränkt. Um dies zu verhindern, kann in manchen Fällen eine alleinige kurative Strahlentherapie mit Strahlenquelle am Zielort (Brachytherapie) durchgeführt werden. Kombinationen aus Operation und Bestrahlung, eventuell auch Chemotherapie werden in fortgeschrittenen Stadien eingesetzt (Preiß et al. 2008).
Trends von Inzidenz, Mortalität und Überlebensraten
Die altersstandardisierten Inzidenz- und Mortalitätsraten an Krebserkrankungen des Mund- und Rachenraumes sind in Deutschland seit den 1980er-Jahren für beide Geschlechter zunächst angestiegen. Seit Mitte der 1990er-Jahre ist bei den Männern ein rückläufiger Trend zu beobachten, vor allem jüngere Männer sind inzwischen deutlich seltener von dieser Erkrankung betroffen. Bei den Frauen blieben die altersstandardisierten Raten seither weitgehend konstant. Ein weiterer Anstieg war jedoch noch bei den 55- bis 64-jährigen Frauen festzustellen. Mit Ausnahme der Speicheldrüsentumoren ist das Erkrankungsrisiko für Männer deutlich höher. Im Jahr 2004 traten etwa 7.600 jährliche Neuerkrankungen bei Männern und 2.800 bei Frauen auf. Das mittlere Erkrankungsalter lag für Männer bei vergleichsweise niedrigen 61, für Frauen bei 63 Jahren. Die relativen 5-Jahres-Überlebensraten haben sich seit Anfang der 1980er-Jahre bei den Frauen von 53 % auf 55 % und bei den Männern von 35 % auf 47 % verbessert. Die schlechtere Prognose bei den Männern ist auch auf den höheren Anteil prognostisch ungünstiger Tumoren des Rachenraums zurückzuführen.
Prävalenz
Im Jahr 2004 lebten in Deutschland etwa 25.600 Männer und 9.900 Frauen mit einer maximal fünf Jahre zurückliegenden Diagnose eines bösartigen Tumors im Bereich der Mundhöhle und des Rachens. Die 10-Jahres-Prävalenz lag bei 39.600 Männern und 15.700 Frauen. Im Vergleich zu 1990 lag die Prävalenz bei den Männern 2004 um 25 % bis 30 % höher. Entsprechend den demografischen Veränderungen war der Anstieg der Prävalenz bei den 60- bis 79-jährigen Männern am deutlichsten, bei den unter 50-jährigen Männern dagegen rückläufig. Bei den Frauen betrug der Anstieg seit 1990 insgesamt etwa 45 % bis 50 %. Mit Ausnahme der unter 50-Jährigen waren alle Altersgruppen in vergleichbarem Ausmaß betroffen. Etwa zwei von drei betroffenen Männern und jede zweite daran erkrankte Frau ist zwischen 50 und 69 Jahre alt. Für das Jahr 2010 errechnet sich bei Annahme konstanter Erkrankungs- und Überlebensraten eine 5-Jahres-Prävalenz von 25.900 Männern und 10.400 Frauen.
Fazit
Trotz zuletzt deutlich rückläufiger Erkrankungsraten sind die Prävalenzen bei den Männern seit 1990 aufgrund demografischer Effekte und Verbesserungen der Überlebensraten insgesamt noch angestiegen, allerdings zeichnete sich zuletzt ein leichter Rückgang ab. Die für 2010 hochgerechnete 5-Jahres-Prävalenz von 25.900 Männern wäre eher überschätzt, wenn die Neuerkrankungsraten auch nach 2004 weiter gesunken sind. Die Prävalenz bei den Frauen ist dagegen in nahezu allen Altersgruppen, vor allem infolge höherer Neuerkrankungszahlen, seit 1990 angestiegen. Nur die Zahl betroffener Frauen unter 50 Jahren ist zuletzt deutlich zurückgegangen. Für das Jahr 2010 ergibt sich hochgerechnet eine 5-Jahres-Prävalenz von 10.400 Frauen.
(RKI 02/2010)