Multitasking kann sich im gehobenen Management positiv auf das Unternehmens auswirken

Im Gegensatz zu gängigen Zeitmanagementprinzipien, die für Aufgabenpriorisierung eintreten und sich auf sequenzielle Aufgabenausführung konzentrieren, kann sich im gehobenen Management Polychronizität („Multitasking“) sehr positiv auf die Leistung eines Unternehmens auswirken.
 
Dies ist das Fazit eines Forschungsprojekts, an dem Professor Vangelis Souitaris von der Cass Business School, angegliedert an die City University London, mitgewirkt hat.
 
Die Studie deckt auf, dass die Bilanzen der Unternehmen aus den verschiedenen Sparten neuer Technologien mit stark polychron orientierter Führungsriege besser ausfielen, als bei Unternehmen, deren Teams nur durchschnittliche oder gar geringe Polychronizität aufwiesen.
 
Wie erklären sich diese Unterschiede? Bei den polychronen Teams handelte es sich um überragende Informationsmakler, die mehr aufschlussreiche Informationen als ihre durchschnittlichen, monochronen Pendants aufnahmen und weitergaben. Daher erwiesen sich diese als weniger anfällig, sich in Nebensächlichkeiten zu verlieren: Strategische Entscheidungen konnten schneller und mit geringerer Fokussierung auf die Analyse großer Datenmengen gefällt werden. Die beschleunigte Entscheidungsfindung führte zu einer besseren Unternehmensleistung.
 

Auf der Grundlage von Daten zu Geschäftsführern und leitenden Angestellten von nahezu 200 an der Londoner Börse gelisteten Unternehmen aus dem Sektor neuer Technologien bemaßen die Forscher Tendenzen der Führungsspitze zu Multitasking-Ansätzen und beleuchteten anschließend die Unternehmensergebnisse. Anhand von Fragebögen und persönlichen Befragungen fanden die Forscher heraus, dass etwa ein Drittel der Teams in der repräsentativen Gruppe stark polychron ausgerichtet war. Bei etwa einem Sechstel der Teams handelte es sich um stark monochron orientierte Personen: Multitasking wurde abgelehnt und vermieden. Der Rest verteilte sich auf mittlere Bereiche.

Auch für Top-Teams anderer Sektoren kann sich eine polychrone Geschäftsführung als vorteilhaft erweisen. Effektive Informationsvermittlung und schnelle Entscheidungsfindung können für etablierte sowie in vielfältigen Branchen aktive Unternehmen sehr wichtig sein. Allerdings weist die Studie darauf hin, dass diese Fertigkeiten insbesondere bei neu gegründeten und kleineren, in dynamischen Geschäftsfeldern auftretenden Unternehmen essenziell sind; beispielsweise: Gesellschaftsmedien, Nachhaltige Technologien und Internetsicherheit. In solchen Fällen positioniert eine polychrone Unternehmenskultur die Führungsetage auf der Gewinnerseite.
 
Für die Studie wurden auf neue Technologien spezialisierte Unternehmen ausgewählt, da sich die Unternehmensleitung solcher stark dynamischen Unternehmen oft aus selbst ausgewählten Mitgliedern zusammensetzt, die gewöhnlich über ähnliche Ansichten verfügen. Zusätzlich ergeben sich hier meist ähnliche, sehr geschäftige Arbeitsatmosphären, bei denen nicht selten mehrere‚dringliche‘ Aufgaben auf einmal zu bewältigen sind.
 
Professor Vangelis Souitaris kommentiert: „Multitasking der Führungsebene ist ein Konzept, dessen Einführung in die strategische Forschung sehr wichtig ist, da es reflektiert, wie Top-Manager ihre wichtigste und knappe Ressource bemessen: Ihre Zeit.“
 
Und gleichzeitig räumt Souitaris mit der gängigen Meinung zum Thema ‚Multitasking‘ auf: „Gewöhnlich sind sich Managementexperten einig darüber, dass Manager Multitasking meiden sollten: Sie sollten E-Mails nur zweimal täglich abrufen und der Versuchung widerstehen, alles stehen und liegen zu lassen, um an anderer Stelle Brände zu löschen. Unsere Forschungen mit Führungskräften legen nahe, dass diese Tendenz etwas irrig ist. Tatsächlich erweisen Führungskräfte, die jede einzelne Aufgabe verbissen bis zum Abschluss verfolgen, ihren Unternehmen eventuell einen Bärendienst. Unter bestimmten Umständen erbringt das Top-Management bessere Leistung, wenn es Unterbrechungen akzeptiert oder gar begrüßt.“
„Im Hinblick auf Unternehmen aus dem Bereich neuer Technologien müssen Entscheidungsfinder nicht zwingend umfangreiche Informationsmengen verarbeiten, sondern benötigen vielmehr aufschlussreiche Informationen, die zu anderen Auffassungen führen können“, so Souitaris. „Wenn Multitasking zum Erlangen aufschlussreicher Informationen führt, beschleunigen sich strategische Entscheidungen, die sich wiederum positiv auf die finanziellen Erträge auswirken. Unternehmer und Investoren aus dem Bereich neuer Technologien sollten dies bei der Besetzung der oberen Etage eines neu gegründeten Unternehmens nicht aus den Augen verlieren.“
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