Multiprofessioneller Masterstudiengang „Versorgung von Menschen mit Demenz“

Mit steigendem Durchschnittsalter in Deutschland steigt rein statistisch die Zahl der Demenzerkrankungen. Prognosen besagen, dass im Jahr 2050 in Deutschland etwa drei Mio. Menschen mit einer dementiellen Erkrankung leben werden. Die Versorgung dieser Patienten wird in Zukunft nicht mehr allein von Ärzten und Pflegenden zu gewährleisten sein – es geht darum, wie Demenzpatienten im Stadtviertel leben können, wie Läden und Nachbarschaften einbezogen werden können, um so lange wie möglich in der gewohnten Umgebung bleiben zu können. Um solche neuen Ideen zu entwickeln, ist es sinnvoll, viele unterschiedliche Berufsgruppen und deren Wissen zu bündeln.

Deshalb hat die Universität Witten/Herdecke einen Masterstudiengang entwickelt, der – neben Pflegenden – auch Stadtplaner, Architekten, Technikentwickler, Versicherungsangestellte und Mediziner anspricht, die an dieser Zukunftsaufgabe teilhaben wollen. Die Robert Boschstiftung fördert die Teilnehmer durch die Vergabe von Stipendien. Am 31.7. 2015 startet die erste Runde des Aufnahmeverfahren und für die Vergabe der Stipendien.

Der berufsbegleitende Masterstudiengang umfasst elf Module, die sich von der individuellen Auswirkung dementieller Prozesse auf die Betroffenen und ihren Familien über die Gestaltung des Lebensraums, der Vermittlung und Entwicklung verschiedenster Versorgungs- und Therapieangebote, den Aufgaben der Kommune, den rechtlichen Voraussetzungen, den Aufgaben der Kosten- und Leistungsträger bis hin zu den Erfordernissen des Gesetzgebers befassen.

Die Studierenden bearbeiten im Kern dieses Studiums ein gemeinsames multiprofessionelles Projekt. Dahinein fließen die Erfahrungen und Ideen der Teilnehmer zu Versorgungskonzepten auf unterschiedlichen Ebenen unter dem Aspekt der Vermittlung von sozialpolitischen-rechtlichen, technischen und weiteren Bedingungen. So entsteht eine ideale, wissenschaftliche begleitete Laborsituation:

• Architekten planen differenzierte Lebensräume die über die übliche Barrierefreiheit hinaus das Wohnen, Leben und die Pflege erleichtern. Die Lebensräume können stimulieren oder beruhigend sein, sie können dem Bewegungsdrang nachkommen oder das Zuhause-Gefühl fördern.
• Ingenieure entwickeln technische Unterstützungssysteme, die unmittelbar den Betroffenen wie auch den Pflege- und Betreuungspersonen zugutekommen. Design, Bedienungsführung und andere technische Merkmale stellen außer der sicheren Funktion auch eine hohe Akzeptanz und Anwendungsbereitschaft sicher.
• Ferner sind Ökonomen, Juristen und Verwaltungsspezialisten gefragt, die die Realisierbarkeit dieser neuer Versorgungskonzepte ermöglichen. Sie passen diese den lokalen und kommunalen Bedarfen an und integrieren die Versorgungkonzepte in das Leistungsrecht. Sie prüfen arbeits- oder haftungsrechtliche Konsequenzen.
• Ein wichtiges Bindeglied spielen dabei die Haushaltswissenschaften, die mit ihrem eigenen Blick die Arbeit mit und für die Betroffenen beeinflussen.
• Schließlich sind bei der Bewältigung der unmittelbaren täglichen Pflege- und Versorgungsleistungen neben den Pflegeberufen zahlreiche weitere therapeutische Berufe gefragt, vor allem Physio-, Ergo- und Logotherapeuten. Es müssen individuelle Hilfe- und Unterstützungspläne erstellt und mit Leben gefüllt werden.
• Oft sind Entscheidungen bei der Versorgung schwer zu fällen, da es nicht nur richtig und falsch gibt, sondern viele Interessen und Bewertungen existieren. Betreuende Angehörige wie auch die beruflichen Akteure bedürfen ihrerseits bei ethischen Konflikten und/oder psychischen Belastungen die Unterstützung von Psychologen oder Seelsorgern.

Weitere Informationen auch auf unserer Website und Facebookseite:
https://www.facebook.com/pages/Multiprofessioneller-Master-Versorgung-von-Menschen-mit-Demenz/401491530022590?sk=timeline&ref=page_internal
http://www.uni-wh.de/gesundheit/multiprofessioneller-master-of-arts-demenz/

Kontakt: Dipl.-Päd. Otto Inhester, 02302 / 926-243, Otto.Inhester@uni-wh.de

Über uns:
Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1982 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als Modelluniversität mit rund 2.100 Studierenden in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsentwicklung.

Witten wirkt. In Forschung, Lehre und Gesellschaft.

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