Multiple-Sklerose-Forschung auf neuen Wegen

Christoph Kleinschnitz von der Universität Würzburg bekommt die Auszeichnung gemeinsam mit Sven Meuth und Kerstin Göbel von der Universität Münster, die beide früher in Würzburg tätig waren. Es handelt sich um den Oppenheim-Förderpreis für Multiple Sklerose, den die Novartis Pharma GmbH (Nürnberg) erstmalig vergeben hat. Das Team aus Würzburg und Münster bekam den Preis am 27. November bei einem Festakt im Schlosshotel Reichenschwand verliehen.

Was bei der Multiplen Sklerose geschieht? Zellen des Immunsystems, die eigentlich Krankheitserreger bekämpfen sollen, wandern ins Gehirn und ins Rückenmark und greifen dort Nervenzellen an. Sie zerstören deren Isolationsschicht und rufen chronische Entzündungen hervor, die über das gesamte Zentrale Nervensystem verstreut sind.

Das aber ist offenbar nicht die ganze Geschichte. „Unsere bisherigen Forschungen zeigen, dass sich die Komplexität der Erkrankung nicht allein mit der Aktivität des Immunsystems erklären lässt“, sagt der Neurologe Christoph Kleinschnitz. Auch Faktoren, die bei der Blutgerinnung eine Rolle spielen, seien an den entzündlichen Prozessen im Nervensystem beteiligt. Darüber wissen die Mediziner schon einiges, mit ihrem preisgekrönten Projekt wollen sie für noch mehr Klarheit sorgen.

Fibrin-Ablagerungen im Gehirn

Im Gehirn von Multiple-Sklerose-Patienten fanden die Wissenschaftler unter anderem Ablagerungen von Fibrin und dessen Vorstufen – Fibrin ist das Endprodukt der Blutgerinnung. Die Ablagerungen scheinen aufzutreten, bevor bei den Patienten klinische Symptome zu sehen sind. Vermutlich sind sie an den frühen Nervenschädigungen beteiligt. Auch das körpereigene Räumkommando, das für die Auflösung von Blutgerinnseln zuständig ist, funktioniert bei den Patienten offenbar nicht mehr richtig.

Weiterer wichtiger Punkt: der Blutgerinnungsfaktor XII, der auch entzündliche Vorgänge aktiviert. Die Wissenschaftler stufen ihn als interessanten Angriffspunkt für die Therapie der Multiplen Sklerose ein. Denn sie konnten zeigen: Mäuse, denen dieser Faktor fehlt, sind vor Schlaganfällen geschützt; in ihrem Gehirn entstehen deutlich weniger Fibrinklumpen. Dieser Effekt trat auch ein, als die Forscher den Blutgerinnungsfaktor blockierten.

Mit dem Forschungsgeld soll untersucht werden, ob sich diese Befunde prinzipiell auch auf das Modell übertragen lassen, an dem die Multiple Sklerose experimentell untersucht wird. Mit Hilfe neuartiger Hemmstoffe der Blutgerinnung wollen die Forscher versuchen, Entzündung und Untergang der Nervenzellen abzumildern.

Multiple Sklerose: Infos über die Krankheit

Die Multiple Sklerose beginnt meist im frühen Erwachsenenalter und verläuft schubweise. Die Betroffenen spüren zu Beginn häufig ein Kribbeln in Armen und Beinen, stolpern vermehrt oder bekommen Schwierigkeiten beim Sehen. In schweren Fällen leiden sie später unter gravierenden Behinderungen; manche sind dann auf einen Rollstuhl angewiesen.

Heilbar ist die Multiple Sklerose bislang nicht. Die Medizin kann die Symptome lindern und die Lebensqualität der Patienten verbessern. An der Neurologischen Klinik der Universität Würzburg werden mehr als 2000 Patienten mit Multipler Sklerose betreut.

In Münster wurde kürzlich eine neue Spezialabteilung für entzündliche Erkrankungen des Nervensystems eingerichtet. Geleitet wird sie von Heinz Wiendl, der von Würzburg dorthin gewechselt ist. Sven Meuth ist in der Spezialabteilung seit August als Leitender Oberarzt und Experte für Multiple Sklerose tätig.

Kontakt

PD Dr. Christoph Kleinschnitz, Neurologische Klinik der Universität Würzburg,
T (0931) 201-23755, christoph.kleinschnitz@uni-wuerzburg.de

Prof. Dr. Dr. Sven Meuth / Dr. Kerstin Göbel, Universität Münster, Klinik für Neurologie – Entzündliche Erkrankungen des Nervensystems und Neuroonkologie sowie Institut für Physiologie – Neuropathophysiologie, T (0251) 83-46811, sven.meuth@ukmuenster.de goebelke@ukmuenster.de

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