Multidisziplinäres Herzteam für Menschen mit angeborenen Herzfehlern

Die Deutsche Herzstiftung hat mit Unterstützung der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) und den Fachgesellschaften der Kinderkardiologen und Kardiologen heute eine Informationskampagne gestartet, um die Menschen mit angeborenen Herzfehlern in Deutschland auf die Notwendigkeit einer lebenslangen ärztlichen Betreuung aufmerksam zu machen. Die Kampagne richtet sich vor allem an die zurzeit rund 250.000 in Deutschland lebenden Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern (EMAH), die nach ihrem 18. Geburtstag nicht mehr durch einen spezialisierten Kinderkardiologen betreut werden können. Das Fehlen qualifizierter und koordinierter Betreuung ergibt sich unter anderem aufgrund von Abrechnungsproblemen.

„Nur schätzungsweise rund 35 Prozent der Patienten mit angeborenen Herzfehlern können nach der Operation im Kindesalter als geheilt gelten. Rund 65 Prozent der jährlich rund 6.000 operierten Patienten müssen sich dagegen mit hoher Wahrscheinlichkeit im späteren Leben einer oder mehrerer weiteren Operationen am Herzen unterziehen oder dauerhaft Medikamente aufgrund des Herzfehlers einnehmen. Die Gründe für die Notwendigkeit einer Nachbehandlung reichen von dem wachstumsbedingten Verschleiß eingesetzter Herzklappen- oder Gefäßprothesen bis zur Herzinsuffizienz, welche in manchen Fällen auch die Notwendigkeit einer Herztransplantation nach sich ziehen kann. Deshalb ist es zum einen wichtig, dass die betroffenen Menschen weiterhin regelmäßig von Fachärzten mit einem fundierten Wissen zu den Besonderheiten angeborener Herzfehler betreut werden. Zum anderen sollte eine etwaige Behandlungsnotwendigkeit gemeinsam von Herzchirurgen, Kinderkardiologen und Kardiologen diskutiert werden, um durch die gemeinsame medizinische Expertise der drei Fachdisziplinen sicherzustellen, dass die individuell bestmögliche Behandlungsoption gewählt wird“, sagte Professor Jochen Cremer, Präsident der DGTHG, am Mittwoch in Berlin.

Die in den letzten Jahrzehnten stark gestiegene Zahl von Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern ist eine Folge des medizinischen Fortschritts. Während noch vor 50 Jahren rund 80 Prozent der Kinder starben, die mit einem angeborenen Herzfehler zur Welt kamen, erreichen heute rund 85 Prozent der Menschen mit angeborenem Herzfehler dank der besseren diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten das Erwachsenenalter. Rund 5.500 Operationen pro Jahr führen alleine die deutschen Herzchirurgen bei Menschen mit angeborenem Herzfehler durch – bei einer Überlebensrate von 97 Prozent. Rund 50 Prozent dieser Patienten werden in einem Alter von unter einem Jahr operiert, knapp ein Drittel der Operationen sind Erst- oder Wiederholungseingriffe bei Patienten im Alter zwischen einem Jahr und 17 Jahren, rund 18 Prozent sind überwiegend erneute Eingriffe bei Menschen über 18 Jahren.

Zu den angeborenen Herzfehlern, die mit hoher Wahrscheinlichkeit nach einer Operation im Kindesalter keine weiteren Operationen benötigen, gehören der Vorhofscheidewand- und der Kammerscheidewanddefekt. Patienten mit einer Fallot-Tetralogie bzw. Pulmonalatresie, einer Transposition der großen Arterien, einem Einkammerherzen bzw. hypoplastischen Linksherzsyndrom, einer Aortenisthmusstenose oder einem angeborenen Aortenklappenfehler bzw. einer Subaortenstenose müssen sich hingegen mit hoher Wahrscheinlichkeit auch im späteren Leben einer oder mehrerer Nachfolgeoperationen unterziehen.

Die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG) vertritt als medizinische Fachgesellschaft die Interessen der über 1.000 in Deutschland tätigen Herz-, Thorax- und Kardiovaskularchirurgen im Dialog mit Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit.

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