Motorradkleidung: Schutz geht vor Design

(dmd). Jedes Jahr präsentieren sich noch schnellere, noch stärkere, noch dynamischere Motorräder auf dem Markt. Weniger Bewegung gibt es jedoch im Bereich Sicherheitssysteme für die Zweiräder. Während PKW- und LKW-Fahrer von einer dicken Blechhülle geschützt auf den Straßen unterwegs sind, dient dem Bike-Fan nur seine Kleidung als Schutzhülle. Immerhin hat sich auf diesem Gebiet einiges getan: Neue Materialien für Helme und Neuentwicklungen bei der Kleidung wie der kürzlich vorgestellte Airbag für Motorradfahrer von Ausrüster Dainese sorgen zumindest dafür, dass die Blessuren bei leichteren Unfällen geringer ausfallen – etwa, wenn der Motorradfahrer über den Asphalt rutscht.

Setzte man früher noch vorwiegend auf Leder, so kommen heute auch Materialien wie Cordura und Kevlar zum Einsatz, und teildurchlässige Membranen wie Goretex schützen die Biker vor eindringendem Regenwasser, ermöglichen aber gleichzeitig den Transport von Feuchtigkeit nach draußen. Zudem bietet die Textilbekleidung mehr Tragekomfort und mehr Schutz vor Kälte, da sie oft ein (herausnehmbares) Innenfutter besitzt. Das verhindert das Auftreten von Konzentrationsschwächen.

Leder bietet nach wie vor den besten mechanischen Schutz, insbesondere bei den Reibwerten, wenn der Fahrer über den Asphalt rutscht. Doch auch beim Leder ist einiges zu beachten. So gibt es einteilige Kombis und zweiteilige. Bei diesen ist ein umlaufender, fest mit dem Oberstoff vernähter Reißverschluss Pflicht. Reißverschlüsse, die nur wenige Zentimeter lang und obendrein mit dem Futter vernäht sind, reißen im Ernstfall leicht aus. Die Kleidung bietet dann natürlich keinen vernünftigen Schlag- und Schleifschutz mehr. Wer auf der Rennstrecke unterwegs ist, kommt an einem Einteiler kaum vorbei.

Verletzungen an Hals und Wirbelsäule haben zwar die schwerwiegendsten Folgen, sind laut der Fachzeitschrift „Motorrad“ mit einem Anteil von 8,5 Prozent an allen Unfällen aber relativ selten. Am meisten leiden bei Stürzen Beine und Arme mit allem, was dazugehört. Bevor man sich also Gedanken um eine High-End-Halskrause macht, sollten die Gelenkprotektoren an Knien und Ellenbogen auf dem neuesten Stand sein. Mindestens so wichtig wie niedrige Restkraftwerte sind aber eine gute, dabei stabile Passform, eine rutschfeste Fixierung und ein möglichst geringer Einfluss auf die Beweglichkeit des Fahrers. Außerdem soll der Protektor verhindern, dass scharfe oder spitze Gegenstände den Fahrer verletzten.

Das A und O bei Gelenkprotektoren ist ein perfekter Sitz. Weder dürfen die Schützer die Bewegungsfreiheit des Fahrers beeinträchtigen, noch sollen sie sich bei einem Sturz verdrehen oder verrutschen können. Generell gilt: Je mehr Protektoren, desto umfangreicher der Schutz, denn mittlerweile gibt es auch solche, die noch das Schienbein oder den Unterarm abdecken. Auch für die Hüfte gibt es wirkungsvollen Schutz.

Ein Protektor, der oft vergessen wird, ist der für den Rücken. Auch wenn schwere Rückenverletzungen eher die Ausnahme sind, kann ein er vor üblen Folgen schützen, da er die Wirbelsäule abdeckt. Rückenprotektoren gibt es in unterschiedlichen Größen, häufig sind Jacken standardmäßig nur mit einer kleinen Größe oder sogar nur mit einem Schaumstoff-Dummy ausgerüstet. Daher gilt: Genau hinschauen und bei Bedarf nachrüsten. Ein Protektor ist groß genug, wenn er auch die Schulterblätter abdeckt.

Lässt sich ein solcher nicht nachrüsten oder wäre dieser zu klein, dann empfehlen sich Protektoren, die man in Form einer Weste oder einfach mit Gummibändern befestigt, unter die Jacke zieht. Deshalb empfiehlt es sich, die Kombi zum Händler mitzunehmen, Protektoren einzusetzen und auf dem eigenen Motorrad in Fahrhaltung auszuprobieren, ob alles knackig sitzt und nichts kneift. Am besten schon beim Kombi-Kauf darauf achten: Je bequemer die Kombi geschnitten ist, desto schwieriger ist es, die Protektoren gut zu fixieren.

Hände und Füße werden in der Sicherheitsdiskussion gern vernachlässigt, dabei sind sie oft die ersten Körperteile, die bei einem Sturz Asphaltkontakt aufnehmen. Kein heißer Sommertag taugt als Grund, ohne Handschuhe Motorrad zu fahren. Generell gilt: Lieber hundertmal geschwitzt als einmal geschürft. Ob es die High-End-Racinghandschuhe mit dreifach gegenläufigen Klettriegeln, Rochenhaut und Kevlarschleifern sein müssen, muss jeder selber wissen. Achten sollte man bei der Anprobe darauf, dass die Innenhand keine Falten schlägt und die Handschuhfinger nicht zu lang sind. Dabei ist es ratsam, den Lenker zu umfassen. Minimal zu enge Finger stellen kein Problem dar, Handschuhe weiten sich im Einsatz leicht. Unumgänglich ist ein stabiler Riegel am Handgelenk, der verhindert, dass die Handschuhe von den Händen rutschen, wenn sie gebraucht werden.

Der wichtigste Protektor ist aber der Helm. Hier kommt es nicht nur auf guten Schlagschutz an. Vor allem muss ein Helm gut sitzen: passgenau und trotzdem bequem. Auch darf er beim Seitenblick nicht verrutschen oder auf Dauer den Kopf zu sehr einengen, denn dann drohen Kopfschmerzen. Deshalb sollte man sich beim kauf Zeit lassen und dort kaufen, wo man gute und kompetente Beratung findet. Das Design sollte dabei Nebensache sein.
So ausgestattet ist man zwar nicht vor allen Eventualitäten und Unfallverläufen hundertprozentig geschützt, man erleidet aber keine vermeidbare Schäden. Und es steigert das Fahrgefühl – und damit indirekt die Sicherheit.

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