Moleküle, die krank oder gesund machen: Tagung „Molecular Neurodegeneration“ am HWK

Wirksame Therapien zu finden ist vor allem deshalb so schwierig, weil diese molekularen Prozesseextrem komplex sind. Die Stoffkreisläufe und damit die Funktionsfähigkeit vieler Zellarten im Gehirn hängen wesentlich von der Funktionsfähigkeit der Microtubuli ab, die ein Teil des Cytoskeletts (also des „Zellgerüsts“) sind und Transportschienen für lebenswichtige Stoffe darstellen.

Veränderungen bestimmter Eiweiße (Proteine), z.B. der sogenannten Tau-Proteine, führen zu einem Zusammenbruch der Microtubuli und in der Folge zur Degeneration und dem Verlust von Nervenzellen. Dies wurde bereits für die die Alzheimer Krankheit ebenso wie für einige andere Formen von Demenzen nachgewiesen, die deshalb auch Tauopathien genannt werden. Aber auch bei bestimmten psychiatrischen Krankheitsbildern (z.B. Schizophrenien) oder motorischen Erkrankungen wie der Parkinson Krankheit scheinen Fehlfunktionen der Microtubuli und der Tau-Proteine sowie die daraus resultierenden Abbauprozesse eine große Rolle zu spielen. Mit dem Verständnis der molekularen Zusammenhänge sind auch neue Ansatzpunkte für mögliche medikamentöse Therapien geschaffen.

Die Tagung wird ausgerichtet von Frau Prof. Dr. Christiane Richter-Landsberg, Professorin für Molekulare Neurobiologie an der Carl-von-Ossietzky Universität Oldenburg, in Kooperation mit Frau Prof. Dr. Illana Gozes von der Tel Aviv University (Israel), Fellow am HWK und Trägerin des Forschungspreises der Alexander-von-Humboldt Stiftung.

Prof. Dr. Helmut Kettenmann (Berlin), der Mitbegründer der Federation of European Neuroscience Societies (FENS) und langjähriger Vorsitzender der deutschen Neurowissenschaftlichen Gesellschaft (NWG) wird über die Rolle von Microglia bei Krankheitsprozessen im Nervensystem sprechen. Prof. Peter Baas (Philadelphia, USA; HWK-Fellow) ist ein renommierter Experte im Bereich der Erforschung der molekularen Grundlagen der Nervenzellstruktur und ist mit einen Beitrag zum Thema „Microtubuli und ihre Bedeutung bei degenerativen Erkrankungen des Gehirns“ vertreten. Prof. Kristian Sromgard (Kopenhagen, Dänemark) wird über die Schnittstelle zwischen klinischer Forschung und klinischer Entwicklung mit dem Schwerpunkt „Drug Design“ (strukturbasiertes Design von Medikamenten) referieren. Außerdem haben Nachwuchswissenschaftler/-innen die Gelegenheit, in einer Postersitzung über ihre Arbeiten aus der Molekularbiologie zu berichten.

Insgesamt werden zu der Tagung etwa 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem In- und Ausland erwartet.
Tagungssprache ist Englisch.

Kontakt:
Dr. Dorothe Poggel, E-Mail: dpoggel@h-w-k.de

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