Moderne Drachen in Gefahr – Rücksichtslose Ausbeutung asiatischer Riesenechsen aufgedeckt!

In einer jüngst in der internationalen open-access Zeitschrift Herpetological Conservation and Biology veröffentlichten, umfangreichen Studie hat ein Team aus deutschen und indonesischen Wissenschaftlern erstmals die Bedrohungssituation sowie den Schutzstatus aller Warane aus Südostasien analysiert. Sie kommen zu dem alarmierenden Ergebnis, dass diese faszinierenden Riesenechsen trotz bestehender internationaler Regulierungen und Gesetze in nicht nachhaltiger Art und Weise ausgebeutet werden. Erschienen ist die kritische Untersuchung in der renommierten online-Fachzeitschrift „Herpetological Conservation and Biology“.

Die Warane Südostasiens: Vielfach verfolgt und dennoch verkannt
Neben dem großen Bedarf für den Heimtiermarkt (für diesen Zweck werden die meisten Arten gehandelt) stellt der internationale Reptillederhandel eine enorme Bedrohung für einige wenige Arten dar. Denn Warane sind neben Krokodilen und Riesenschlangen diejenigen Echsen, die wegen ihrer schuppigen Häute kommerziell am häufigsten gejagt werden.

Pro Jahr werden alleine von Indonesien 450.000 Häute des Bindenwarans (Varanus salvator) legal exportiert, um daraus Handtaschen oder Armbanduhrenbänder herzustellen, die z.B. in Deutschland als „Echsenbändchen“ angeboten werden. „Vor allem der intensive und schlecht überwachte Handel mit Inselarten lässt befürchten, dass einige dieser Populationen dem Fangdruck auf Dauer nicht Stand halten können und ausgerottet werden“, gibt Dr. André Koch vom Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig – Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere (ZFMK) in Bonn zu bedenken. „Diese Inselendemiten sind daher besonders stark bedroht“, führt Dr. Koch weiter aus. Wie die anderen Autoren der Studie beschäftigt er sich seit vielen Jahren mit der Verbreitung, der Verwandtschaft und der unterschätzten Vielfalt der südostasiatischen Warane.

So konnten die Bonner Reptilienspezialisten erst 2010 gleich drei neue Warane von den Philippinen wissenschaftlich beschreiben. „Dieses sind nur die letzten spektakulären Neuentdeckungen von großwüchsigen Waranen aus Asien“, erläutert Prof. Dr. Wolfgang Böhme, Senior-Herpetologe und ehemals stellvertretender Direktor am Forschungsmuseum Alexander Koenig. Er führt fort: „Seit den 1990er Jahren konnten wir über ein Dutzend neue Waranarten aus Südostasien beschreiben. Darunter waren so auffällige Arten wie der gelbe Quittenwaran von den Molukken oder der strahlend blaue Baumwaran von Neuguinea.“ Zuletzt genannte Art kommt nur auf der kleinen indonesischen Insel Batanta nordwestlich von Neuguinea vor. Sie hat eine Größe von ca. 450 km2, das entspricht etwa der Fläche des Bodensees.

Ihr farbenfrohes Erscheinungsbild wird vielen Waranen zum Verhängnis. „Vor allem die Baumwarane von Neuguinea gehören zu den farbenprächtigsten Reptilien!“ betont PD Dr. Thomas Ziegler, Leiter des Aquariums am Kölner Zoo, der sich seit vielen Jahren in Vietnam für Arten- und Umweltschutz engagiert. „Als Schautiere in Zoos können sie für den Erhalt ihrer Artgenossen werben und im Rahmen von Nachzuchtprojekten haben Zoos die Chance Reservepopulationen von nur kleinräumig verbreiteten Arten in Menschenhand aufzubauen. So engagiert sich der Kölner Zoo schon seit Jahren, auch unterstützt durch den Weltzooverband WAZA, in der Erforschung und Nachzucht wenig bekannter und bedrohter Waranarten. Erst kürzlich glückte uns auch die erste Nachzucht des Quittenwarans in der zweiten Generation weltweit!“ Und Dr. Mark Auliya, Experte für den Reptilienhandel in Südostasien vom Helmholtz Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig und Senior-Autor der neuen Studie, fügt hinzu: „Gerade ihr oft farbenfrohes Schuppenkleid zusammen mit ihrem Seltenheitswert und hohem Schutzstatus schaffen eine große Nachfrage, so dass nicht selten vierstellige Beträge gezahlt werden, für Paare manchmal sogar fünfstellige. Selbst Komodowarane werden illegal gehandelt, obwohl diese laut dem Washingtoner Artenschutzabkommen (WA) für kommerzielle Zwecke nicht aus der Natur entnommen werden dürfen.“

Bestimmungsschlüssel zur Verbesserung der Kontrollen im Handel
Zwar unterliegen alle Warane dem WA-Abkommen, doch wird die Einhaltung der Handelsquoten nicht ausreichend überprüft – und nicht alle Arten werden auf der Basis von jährlich erlassenen Fangquoten gehandelt! Zu schlecht ist oftmals die Artenkenntnis der involvierten Behörden, als dass sie alle Waranarten zuverlässig unterscheiden könnten. „Aus diesem Grund haben wir einen ausführlichen Bestimmungsschlüssel für alle Waranarten der behandelten Region erstellt und sie zusätzlich mit vielen Fotos abgebildet. Dies soll den Verwaltungsbehörden und Zollstellen helfen, bestehende internationale Regularien besser umsetzen zu können, um den nachhaltigen Schutz der Waranvielfalt Indonesiens zu gewährleisten“, erklärt Dr. Evy Arida, ebenfalls Co-Autorin der Studie vom indonesischen National-Museum für Naturkunde bei Jakarta.

Südostasien und Neuguinea als Zentrum der globalen Waranvielfalt
Mit 44 bisher beschriebenen Arten sind Südostasien und Neuguinea noch vor Australien das globale Diversitätszentrum der Warane. Zwar gibt es andere Echsengruppen, wie Geckos oder Skinke, die in der Region noch wesentlich artenreicher sind (immerhin ist Indonesien eines von 17 Megadiversitätsländern weltweit und beherbergt über 700 verschiedene Reptilienarten!), doch stehen die großen räuberischen Warane am Ende der Nahrungspyramide. Sie sind vergleichbar mit den fleischfressenden Raubtieren, die ebenfalls eine verhältnismäßig kleine Tiergruppe innerhalb der Säugetiere darstellen.
Gerade die riesige Insel Neuguinea mit ihren meist noch unberührten Regenwäldern beherbergt die größte Diversität an Waranen in Südostasien.

Dr. Auliya, der die Insel 2011 für eine TV-Reportage über den illegalen Reptilienhandel bereiste, zitiert eine aktuelle Untersuchung australischer Kollegen, wonach nur etwa ein Drittel der gefangenen Reptilien überhaupt in den Handel gelangt. Die übrigen zwei Drittel verenden bereits auf den ersten Stationen der langen Handelskette unter meist katastrophalen Haltungsbedingungen. „Dieser traurigen Verantwortung muss sich jeder bewusst sein, der so ein wild gefangenes Tier erwirbt. Nachzuchten aus Menschenhand mit verlässlicher Herkunft sind immer vorzuziehen!“ so Auliya.

Neben dem Handel warten in Südostasien jedoch noch weitere Bedrohungen auf die Warane. Die Riesenechsen sind als Hühnerdiebe verschrien und werden oft getötet, wenn sie in der Nähe menschlicher Siedlungen angetroffen werden. Unzählige Warane werden zudem Opfer des zunehmenden Verkehrsaufkommens. Und in manchen Regionen bereichern Warane sogar den Speiseplan der Bevölkerung.

Daher fordern die Autoren der Studie eine überarbeitete Festsetzung der Exportquoten einiger Arten sowie die Schaffung von Quoten für Arten, für die bisher keine Fang und Exportquoten festgelegt wurden. Zusätzlich plädieren die Wissenschaftler für eine strengere Einhaltung aller gesetzlichen Regularien sowie verbesserte und regelmäßige Schulungen für die relevanten Behörden, um dem illegalen Handel Einhalt zu gewähren. Außerdem existieren bisher keinerlei Untersuchungen über die Populationsgröße und -dichte irgendeiner Waranart, die kommerziell ausgebeutet wird! Dies könnte fatale Folgen für einige begehrte Arten haben!

Literaturquelle:
Koch A, Ziegler T, Böhme W, Arida E, Auliya M. 2013. Pressing Problems: Distribution, Threats, and Conservation Status of the Monitor Lizards (Varanidae: Varanus ssp.) of Southeast Asia and the Indo-Australian Archipelago. Herpetological Conservation and Biology 8(Monograph 3): 1-62.
Link zur Publikation:

http://www.herpconbio.org/Volume_8/monographs/Koch_etal_2013.pdf

Homepage der Fachzeitschrift: http://www.herpconbio.org/

Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Dr. ANDRÉ KOCH
Zoologisches Forschungsmuseum Alexander Koenig
Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere
Adenauerallee 160
53113 Bonn
Tele.: +49(0)228/9122 253
E-Mail: a.koch@zfmk.de

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Das Zoologische Forschungsmuseum Alexander Koenig – Leibniz-Institut für Biodiversität der Tiere hat einen Forschungsanteil von mehr als 75 %. Das ZFMK betreibt sammlungsbasierte Biodiversitätsforschung zur Systematik und Phylogenie, Biogeographie und Taxonomie der terrestrischen Fauna. Die Ausstellung „Unser blauer Planet“ trägt zum Verständnis von Biodiversität unter globalen Aspekten bei.

Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören zurzeit 86 Forschungsinstitute und wissenschaftliche Infrastruktureinrichtungen für die Forschung sowie drei assoziierte Mitglieder. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute arbeiten strategisch und themenorientiert an Fragestellungen von gesamtgesellschaftlicher Bedeutung Bund und Länder fördern die Institute der Leibniz-Gemeinschaft daher gemeinsam. Näheres unter www.leibniz-gemeinschaft.de

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