Mitmachen statt vermeiden

Fußball, Klettern, Skifahren – was für gesunde Kinder und Heranwachsende sportliche Herausforderungen sind, die zudem jede Menge Spaß machen, ist für Altersgenossen, die an Hämophilie („Bluterkrankheit“) leiden, oft mit zusätzlichen Gefahren verbunden. Denn: Beim Sport kann man sich leicht verletzen und jede noch so kleine Blutung ist ein ernsthaftes Problem für die Betroffenen. „Das jedenfalls ist eine oft genannte Befürchtung von Angehörigen oder Lehrern und Betreuern“, sagt Judith Sondermann von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Im Schul- und Freizeitsport, so die Sportwissenschaftlerin weiter, seien Kinder und Jugendliche mit Hämophilie daher häufig mit Unsicherheiten und Ängsten konfrontiert. „Und auch sie selbst wissen oft nicht, was sie sich zutrauen können. Die Konsequenzen sind dann meist eine Schulsportbefreiung und unzureichende körperliche Aktivität der Betroffenen.“

Doch das muss nicht sein. Auch mit der Bluterkrankheit lassen sich Bewegung und Sport in Schulalltag und Freizeit integrieren. Das können junge Patienten mit Hämophilie und ihre Angehörigen am 2. April beim 6. Gesundheits- und Bewegungstag erleben, zu dem die Teams des Lehrstuhls für Sportmedizin und Gesundheitsförderung der Universität Jena und der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Jenaer Universitätsklinikums einladen. Von 9 bis 16:30 Uhr erwartet die Besucher in der Dreifelderhalle (Seidelstraße 20 a) ein sportliches und informatives Programm mit Kurzvorträgen, gemeinsamen sportlichen Übungen sowie Zeit für individuelle Gespräche mit Ärzten und Therapeuten.

„In diesem Jahr werden wir ausgewählte Spiel- und Bewegungsformen aus den Sportarten Tischtennis und Klettern aufgreifen“, kündigt Judith Sondermann an. Ziel sei es, den jungen Patienten zu zeigen, wie sich damit ihre Beweglichkeit, Koordination, Kraft und Ausdauer verbessern lassen. „Auch Körperwahrnehmung, Konzentration und das Selbstvertrauen werden so gestärkt.“

Die Sportwissenschaftler der Universität Jena und Ärzte der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Jenaer Universitätsklinikums haben darüber hinaus in den vergangenen Jahren eine interdisziplinäre Sprechstunde für Kinder und Jugendliche mit Hämophilie etabliert. Neben der bestmöglichen Diagnostik steht dabei die bewegungstherapeutische Beratung und Betreuung der Betroffenen im Fokus. „Unsere Untersuchungen haben immer wieder bestätigt, dass regelmäßige Bewegung und Sport heute aus wissenschaftlicher Sicht grundsätzlich empfehlenswert sind“, unterstreicht Dr. Marco Herbsleb, Initiator der Veranstaltung. Angepasstes körperliches Training schütze die Gelenke, beuge degenerativen Schäden vor und trage zur Prävention verschiedenster Erkrankungen bei, macht der Sportwissenschaftler deutlich. „Nicht zu unterschätzen sind auch die positiven psychosozialen Effekte des Mitmachen-Könnens.“ Zudem gebe es Hinweise darauf, dass hämophile Kinder, die regelmäßig Sport treiben, seltener unter spontanen Blutungen leiden als inaktive Kinder.

Wer sich für eine Teilnahme am „Gesundheits- und Bewegungstag für Patienten mit Hämophilie“ interessiert, kann sich auch noch kurzfristig telefonisch anmelden unter 03641 / 945628 oder per E-Mail an judith.sondermannuni-jena.de.

Alle Interessierten sollten zum Bewegungstag Sportsachen mitbringen. Die Teilnahme ist kostenlos. Für Verpflegung wird gesorgt.

Kontakt:
Judith Sondermann
Institut für Sportwissenschaft der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Wöllnitzer Str. 42, 07749 Jena
Tel.: 03641 / 945628 bzw. 03641 / 945650 (Lehrstuhlsekretariat)
E-Mail: judith.sondermannuni-jena.de

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