Mit mehr Stickstoff mehr Nahrungsmittel produzieren? Eine wechselvolle Geschichte.

Stickstoff spielt in der Nahrungsmittelproduktion eine wichtige Rolle: Der Einsatz von Stickstoffdüngern in der Landwirtschaft beschleunigt das Pflanzenwachstum. Die Folge ist ein höherer Ertrag. Gleichzeitig hat die Beeinflussung des natürlichen Stickstoffkreislaufs aber auch andere Folgen: Ungenutzter Dünger gelangt ins Grundwasser und stellt als Nitrat ein Gesundheitsrisiko dar; er lässt Algen blühen, die wiederum sehr viel Sauerstoff verbrauchen und schließlich spielt Stickstoff in der chemischen Verbindung Lachgas (N2O) eine zentrale Rolle beim Klimawandel.

Die Bedingungen, unter denen Nahrungsmittel produziert werden, haben sich in den letzten Jahrhunderten entscheidend verändert: So müssen Lebensmittel in Zeiten der Globalisierung nicht mehr dort produziert werden, wo sie konsumiert werden. Veronika Gaube, Wissenschaftlerin am Institut für Soziale Ökologie (Alpen-Adria-Universität Klagenfurt | Wien | Graz), nimmt in ihrer Studie alle Faktoren in den Blick, die den Einsatz von Stickstoff in der Nahrungsmittelproduktion bedingen: „Wie viel Stickstoff wo eingesetzt wird, hängt von vielen Faktoren ab. Eine Rolle spielen Agrarsubventionen und Nahrungsmittelpreise. Auch die Gestaltung der landwirtschaftlichen Produktion ist maßgeblich: Sie ist abhängig von wirtschaftlichen Einflüssen, aber auch von der sozialen Situation im landwirtschaftlichen Betrieb wie beispielsweise der Arbeitsbelastung und der Lebensphase der dort arbeitenden Menschen. Und schließlich bestimmen die Präferenzen, die Konsumentinnen und Konsumenten bei ihrer Ernährung setzen, das Wechselspiel zwischen Produktion und Konsum entscheidend mit.“ Viele dieser Bedingungen haben sich seit 1830 erheblich verändert, und werden es auch in den künftigen Jahrzehnten weiter tun.

Veronika Gaube möchte in dem aktuell gestarteten Projekt ein sozial-ökologisches Simulationsmodell erarbeiten und anwenden, das es ermöglicht, die Wechselwirkungen rund um Stickstoffflüsse besser zu verstehen. Für dieses Modell mit dem Titel „Nitrogen and Food Flow Changes (NFC)“ werden alle Faktoren analysiert, welche die Interaktionen zwischen Gesellschaft und Natur in Bezug auf Stickstoff betreffen. Im Fokus des Modells stehen Entscheidungsprozesse landwirtschaftlicher Akteure, den Einsatz von Stickstoff betreffend. Über die Zeit wandelnde sozioökonomische Rahmenbedingungen beeinflussen dabei maßgeblich die simulierten Entscheidungsprozesse. Schließlich führen diese Entscheidungen zu Veränderungen der Stickstoffflüsse im Ennstal.

Veronika Gaube ist mit ihrem Projekt eine von vier Elise-Richter-Stipendiatinnen des FWF (Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung). Das Stipendium läuft bis Frühjahr 2016. Elise-Richter-Stipendien werden an hervorragend qualifizierte Wissenschaftlerinnen vergeben, die sich im Zeitraum der Förderung habilitieren (oder gleichwertig qualifizieren) möchten und sich danach um eine in- oder ausländische Professur bewerben können.

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