Mit Gummiarm und Thoraxtorso

Ob Gummiarm, Thoraxtorso oder Reanimationspuppe – die Kunststoffmodelle im Freiburger Studitz, dem Studierendentrainingszentrum für angehende Ärztinnen und Ärzte, sind duldsame Objekte. „Ein Gummiarm kennt keinen Schmerz, ein Patient dagegen schon“, sagt Dr. Sabine Diwo, ärztliche Leiterin des Studitz und im Hauptberuf Anästhesistin am Freiburger Universitätsklinikum. „Der Patient profitiert kolossal von unserer Einrichtung“, sagt Dr. Diwo, „weil zum Beispiel Venenpunktionen nicht erst am Patienten geübt werden müssen, sondern an einem Arm aus Kunststoff, in den kleine Schläuche mit roter Flüssigkeit eingearbeitet sind.“
Das Studitz wird komplett aus Studiengebühren finanziert, die Kurse sind kostenlos. Geübt wird dort vieles von dem, was sonst an realen Patienten gemacht wird: Wie werden Wunden richtig genäht? Was ist beim Abhören der Lunge zu beachten? Oder: Wie wird ein Ultraschallgerät gehandhabt? In den zweistündigen Sonographie-Kursen etwa untersuchen sich vier Studentinnen und Studenten gegenseitig, betreut werden sie dabei von einem Radiologen: „Die Sonographie-Kurse sind einzigartig in Freiburg“, sagt die studentische Tutorin Jasmin Wolf. „Im normalen Radiologie-Kurs des Medizinstudiums hat man zu zweit eine Dreiviertelstunde Zeit und ein Arzt betreut acht Teilnehmende. Hier im Studitz können Studierende zwei Stunden lang intensiv üben.“ Die Kurse sind beliebt und allerdings auch bis Ende des Jahres ausgebucht, so groß sei der Andrang, berichtet Sabine Diwo.
Ende November konnte das Angebot nun erweitert werden: Der Förderverein Alumni Freiburg e.V., dessen Mitglieder Forschung und Lehre an der Albert-Ludwigs-Universität aktiv unterstützen, spendete ein gebrauchtes Ultraschall-Gerät im Wert von 2000 Euro an das Studitz. „Die Spende kommt direkt den Studierenden zugute“, sagt Dr. Cornelia Staeves, Leiterin des Alumni-Büros der Freiburger Universität bei der Übergabe des Ultraschallgeräts. „Wir können jetzt im Abdomenraum eine weitere Liege mit einem Sonographiegerät einrichten“, freut sich Sabine Diwo. „Das bedeutet, dass künftig zwei Studierende mehr in aller Ruhe Ultraschall üben können.“
Seit 2007 können Studierende der Medizin in dem Skills Lab der Universität Freiburg ihre Fertigkeiten in aller Ausführlichkeit trainieren, ohne dass „echte Patienten“ darunter leiden – und die wiederum schätzen es, wenn die angehenden Medizinerinnen und Mediziner nicht mit zittriger Hand ihre erste Spritze ansetzen und der Stich womöglich daneben geht. Im Studitz werden sie von Ärztinnen und Ärzten in Kursen angeleitet, aber auch von anderen Studierenden nach dem „peer to peer“-Prinzip beim so genannten „Freien Üben“. „Die Studierenden lernen ohne Leistungsdruck“, sagt Sabine Diwo, „und selbst vermeintlich dumme Fragen haben bestenfalls die Konsequenz, dass sie etwas dazu lernen.“
In Deutschland gibt es inzwischen mehr als 30 solcher Skills Labs, deren Ausstattung und Größe aber deutlich differiert. Einige dieser Trainingszentren sind in die curriculare Lehre der jeweiligen Universitäten integriert: In Münster und Mannheim etwa gibt es regelrechte Lehr- und Lernkrankenhäuser. „Skills Labs sind aus der universitären Ausbildung in der Medizin nicht mehr wegzudenken“, meint Sabine Diwo. „Sie bieten eine Gelegenheit, das, was in Kursen zuvor erlernt wurde, in aller Ruhe eigenständig zu üben. Wenn man da als Universität nicht mitmacht, ist man nicht nur nicht auf der Höhe der Zeit, sondern fällt hinten runter.“
In Freiburg nutzen nach Angaben des Studitz mehr als 200 Studierende pro Semester das extracurriculare Angebot – Tendenz steigend. „Bei uns gibt es keine Scheine“, sagt die ärztliche Leiterin Sabine Diwo, „dafür aber Kenntnisse – und die sind am wichtigsten.“ Bisher werden Räume im Lehrgebäude an der Elsässer Straße abends stundenweise genutzt. Die Modelle und medizinischen Geräte müssen jeden Tag vor Kursbeginn auf- und danach wieder abgebaut werden, was die teuren Utensilien sehr strapaziert. „Feste Räumlichkeiten sind unser dringendster Wunsch“, sagt Sabine Diwo. „Dann könnten wir auch das Angebot weiter ausbauen.“ An Bedarf und Ideen mangelt es im Studitz jedenfalls nicht.

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