Mit Gift aus Knollenblätterpilz zielgerichtet gegen Krebs – Forum „Biopharmaceuticals am 23.05.2012

Das ist ein Beispiel, wie selektiv therapeutische Proteine an krankheitsrelevante Zielmoleküle binden und bei lebensbedrohlichen Krankheiten wirken können. Derzeit beschäftigen sich 550 laufende Projekte von Firmen mit Biopharmazeutika (BCG Biotec-Report 2012). Dabei stehen Effizienzsteigerung und oftmals neue Therapieoptionen für Alzheimer-Demenz, Arthrose oder Hirnhautentzündung im Vordergrund.

Das Kooperationsforum
Diesem umfangreichen Thema widmet sich das 3. Kooperationsforum „Biopharmaceuticals“ am 23. Mai 2012 in Benediktbeuern. Die Bayern Innovativ GmbH als Koordinator des Netzwerkes Life Science konzipiert und organisiert das Forum mit Roche in Penzberg als strategischem Partner – einem der europaweit größten Biotech-Standorte. Mit eingebunden ist der Cluster Biotechnologie Bayern.

Experten aus Industrie und Wissenschaft präsentieren aktuelle Strategien der Industrie und der Wissenschaft und stellen Technologieplattformen zur Effizienzsteigerung von Biopharmazeutika vor. Im Fokus stehen darüber hinaus das Design neuer biopharmazeutischer Wirkstoffe sowie die translationale Forschung und Rahmenbedingungen für Innovationen.

„Es gibt viele lebensbedrohende Krankheiten, bei denen Fortschritte zu erwarten sind“, bewertet Dr. Ralf Schumacher, Head of Large Molecule Research bei Roche in Penzberg, das therapeutische Potenzial von Biopharmazeutika. Die Pipeline des Pharma- und Biotechkonzerns umfasst dabei die Entwicklung Antikörper-basierter Therapeutika gegen Erkrankungen wie Krebs oder Alzheimer ebenso wie gegen Entzündungs- und kardiovaskuläre Erkrankungen. Durch das Verständnis der Funktionsweise dieser Medikamente will Roche „first in class“ und „best in class“ bei der Entwicklung neuer, medizinisch differenzierter biologischer Therapeutika sein.

Das erfordert neue Konzepte und Technologien, um bisher nicht oder schwer behandelbare Krankheiten wirkungsvoll zu therapieren. Wissenschaftler greifen hierfür häufig auf Wirkmechanismen aus der Natur zurück.

Durch die bereits beschriebene Kopplung des stark giftigen α-Amanitin an einen Antikörper gegen das Krebsantigen EpCAM konnten Wissenschaftler am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg in Zellkulturen das Wachstum von Krebszellen des Pankreas, Dickdarms, der Brust und des Gallenganges stoppen; Wirksamkeit in Pankreastumoren zeigen auch erste Tierexperimente. Das Gift des Kollenblätterpilz wird durch den Antikörper spezifisch an die Krebszellen transportiert, aufgenommen und erst im Zellinneren aktiviert, wo es seine zerstörerische Wirkung entfaltet.
Derzeit wird die Technologie von der Wilex-Tochter Heidelberg Pharma GmbH weiterentwickelt. Das Design geeigneter Linker, die das Gift an den Antikörper binden, steht dabei im Vordergrund, wie Dr. Torsten Hechler von dem Biotechunternehmen auf dem Forum berichten wird.

Ein weiterer neuartiger Ansatz nutzt die zelltoxische Wirkung von Viren für die Tumortherapie. Die sogenannten onkolytischen Viren greifen gezielt Tumorzellen an. Ein Beispiel sind die von dem kalifornischen Biotech-Unternehmen Genelux entwickelten Vaccinaviren, die bereits in anderer Form bei Millionen von Menschen zur Pockenimpfung eingesetzt werden. Wie Dr. Albert Röder berichten wird, ist es Forschern des Unternehmens gelungen, den Virus so zu modifizieren, dass er speziell Tumorzellen angreift, sich in ihnen vermehrt und dadurch abtötet.

Aktuell sind rund 150 Teilnehmer aus 6 Ländern angemeldet, u. a. von Almapharm, Apceth, Biocrates, Cevec Pharmaceuticals, Charles River, Cisbio, Daiichi Sankyo, Definiens, DiscoveRx, Eurofins, GE Healthcare, Leukocare, M&W Process Industries, Merck, PanaTecs, Promega, Roche, Sartorius Stedim, Dynamic Biosensors, Thermo Fisher Scientific, Toplab, Vibalogics und ViruSure.

Die begleitende Fachausstellung mit über 20 Ausstellern zeigt innovative Produkte, Technologien und Dienstleistungen aus den Bereichen biologische Wirkstoffentwicklung, klinische Forschung und Diagnostik sowie Prozessentwicklung und biotechnologische Produktion.

Das Forum bietet somit eine ideale Plattform zum Erfahrungs- und Wissensaustausch und um neue Kooperationen und Anwendungsfelder zu erschließen.

Veranstaltungshinweis
Am Vortag, dem 22. Mai 2012, kann die Biologics-Produktion am Roche-Standort Penzberg besichtigt werden (Nonnenwald 2, 82377 Penzberg).
Hierzu sind Medienvertreter ebenfalls herzlich eingeladen.

Netzwerk Life Science
Das Netzwerk Life Science führt Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft zusammen, um neueste Erkenntnisse aus den Biowissenschaften primär in den Bereichen Pharma, Food und Nutrition sowie Bio-Processing anzuwenden.
Bedeutende Plattformen hierfür sind z. B. der internationale Kongress „Forum Life Science“ sowie die Kooperationsforen „Drug Development“, „Biopharmaceuticals“, „Biopolymere“ oder „Food und Nutrition“. Darüber hinaus erfolgt seit Jahren der Auftritt mit dem Gemeinschaftsstand Bayern Innovativ auf internationalen Messen wie der „Analytica“, der „Biotechnica“ oder der „Drinktec“.
Begleitet werden diese Aktivitäten durch einen professionellen Wissenstransfer in Form der „Life Science News“, die regelmäßig in englischer Sprache erscheinen und an Partner und Kunden in aller Welt gehen. Das Netzwerk Life Science wurde im Jahr 2001 gegründet und umfasst heute 1.300 Firmen und Institute aus 30 Ländern.
Mit dem Netzwerk Life Science unterstützt die Bayern Innovativ GmbH die Ziele der Cluster Offensive Bayern.

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