Misserfolge in der Zahnimplantologie erkennen und beherrschen

Statistisch gesehen wird in diesem Jahr jeder Bundesbürger einmal auf dem Behandlungsstuhl in einer Zahnarztpraxis gesessen haben. Bis zum Jahresende dürften in Deutschland rund 80 Millionen Behandlungen erfolgt sein – zumindest verzeichnete die Bundeszahnärztekammer in der ersten Jahreshälfte bereits 40 Millionen Therapien.

Angesichts dieser Zahlen ist die Zahl von 2300 Beschwerden über zahnmedizinische Behandlungen oder Rechnungen, die in diesem Jahr beispielsweise bei der Unabhängigen Patientenberatung (UPD) eingetroffen sind, verschwindend gering. Juristen schätzen, dass jährlich etwa 2000 Patienten vor Gericht Haftungsansprüche gegen ihren Zahnarzt geltend machen – auch dies ist eine geringe Zahl.

Gleichwohl beobachten Juristen, dass die Haftungsfälle spürbar steigen, auch und gerade im Bereich der Zahnimplantologie. Der Grund: Angesichts steigender Implantationszahlen, einer steigenden Zahl von implantierenden Zahnärzten und komplexer werdenden Eingriffen steigt auch die absolute Zahl von Misserfolgen – »wobei Misserfolg nicht automatisch „Fehlbehandlung“ des Zahnarztes bedeutet«, betont Dr. Gerhard Iglhaut, Memmingen, Präsident des 24. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Implantologie. »Auch mit einem bestmöglichen Vorgehen lassen sich nicht alle Risiken ausschalten.« Hinzu kommt, dass auch das Verhalten der Patienten, z.B. Rauchen, oder bestimmte Erkrankungen Risikofaktoren sind. Selbst wenn sich Behandlungssituationen ähneln, kann das jeweilige Ergebnis daher sehr unterschiedlich ausfallen. Darum wollen die Implantologen bei ihrer Tagung offen über Misserfolge diskutieren, um daraus zu lernen.

Dieser Ansatz lockt vom 25. bis 27. November 2010 rund 3000 Zahnärzte, Oralchirurgen sowie Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen in das Congress Center Hamburg. Auch Zahntechniker und zahnmedizinische Fachangestellte nutzen das breite fachliche Angebot des Kongresses.

„Keine Profession spricht gerne über ihre Misserfolge“, räumt Iglhaut ein. „Und natürlich zeigen wir auf den Kongressen lieber die Bilder unserer erfolgreich verlaufenen Behandlungen.“ Es sei jedoch wichtig, auch dem Misserfolg ins Auge schauen zu können, mahnt der Kongresspräsident. „Nur der kann ein guter Arzt oder Zahnarzt sein, wer den Misserfolg zugibt, erträgt und daraus die richtigen Konsequenzen zieht.“

Also werden Experten bei der Tagung alle Stationen einer Behandlung beleuchten, mögliche Risiken beschreiben und mit ihren Kolleginnen und Kollegen diskutieren, wie man Komplikationen und Misserfolge vermeiden kann. Das Spektrum reicht von der Planung des Eingriffs, über die Operation, die Einheilungsphase bis hin zur Versorgung des Patienten mit dem endgültigen Zahnersatz.

Eine implantologische Behandlung wird heute vom angestrebten Therapieergebnis her geplant – „backward planning“, wie dieses Vorgehen von den Fachleuten genannt wird. Implantate sollen möglichst dort gesetzt werden, wo sie eine bestmögliche prothetische Versorgung mit Zahnersatz erlauben. Planungsfehler haben daher Folgen für die nachfolgende Umsetzung. Je komplexer der chirurgische Eingriff, desto risikoreicher ist er. So erfordert beispielsweise der Aufbau des geschrumpften Kieferknochens mit körpereigenen Knochentransplantaten viel Erfahrung. Dabei muss auch das Weichgewebe berücksichtigt werden. Es muss „spannungsfrei“ über dem Transplantat vernäht werden können und kann daher nur ein bestimmtes Volumen an transplantiertem Knochen bedecken. Gefürchtet ist die sogenannte Nahtdehiszenz: dabei weichen die genähten Wundränder auseinander, es drohen Infektionen.

Wenn Implantate verloren gehen – was eher selten der Fall ist – geschieht dies zumeist in der Einheilphase. Eine Überlastung der künstlichen Wurzel oder Entzündungen können dazu führen, dass das Implantat sich nicht fest mit dem umgebenden Knochengewebe verbindet. Entzündungen können auch noch längere Zeit nach der Behandlung Probleme verursachen. Leichte Blutungen oder Sekretentleerungen der Schleimhaut um das Implantat herum können durchaus vorkommen und treten mit zunehmendem Alter häufiger auf. Allerdings ist es wichtig, durch eine gute Mundhygiene Entzündungsprozesse zu verhindern, die dann auch auf das umliegende Knochengewebe übergreifen können (Periimplantitis). Wird diese Entzündung nicht gestoppt, ist das Implantat meistens nicht mehr zu erhalten. Untersuchungen, die auch auf dem Hamburger Kongress präsentiert werden, belegen, dass in solchen Fällen jedoch erneut implantiert werden kann.

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Die Deutsche Gesellschaft für Implantologie im Mund-, Kiefer- und Gesichtsbereich e.V. (DGI) ist mit über 7000 Mitgliedern –Zahnärzten, Oralchirurgen, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen – die größte Fachgesellschaft im Bereich der Implantologie in Europa. Ihr Markenzeichen ist die enge Kooperation von Praktikern und Hochschullehrern. Deren gemeinsames Ziel ist die schnelle Umsetzung gesicherten Wissens und neuer Erkenntnisse in die Praxis durch ein differenziertes Fortbildungsangebot auf dem Gebiet der Implantologie­ – zum Nutzen von Patientinnen und Patienten. Mehr Informationen: http://www.dgi-ev.de

Pressekontakt:
Pressestelle Deutsche Gesellschaft für Implantologie e.V.
Barbara Ritzert
Während der Tagung: CCH Hamburg, Raum 19, EG
Fon 040 3569-5305, Mail: ritzert@proscience-com.de
Nach der Tagung:
ProScience Communications GmbH
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