Ministerpräsident Volker Bouffier besucht Marburger LOEWE-Zentrum Synmikro

Der Hessische Ministerpräsident Volker Bouffier hat sich im Rahmen der „LOEWE-Woche“ der Landesregierung an der Philipps-Universität Marburg über Synthetische Mikrobiologie informiert. Im 2010 gegründeten LOEWE-Zentrum „Synmikro“ untersuchen Wissenschaftler, wie das komplexe System der Zelle funktioniert, wie ihre unzähligen Komponenten miteinander vernetzt sind und nach welchen Regeln sie zusammenwirken. Auf dieser Grundlage entwickeln die Marburger Forscher neue Prinzipien für das Bioengineering. Sie kombinieren Zellbestandteile neu und verändern zelluläre Netzwerke, sodass neue Funktionen und Anwendungsmöglichkeiten entstehen.

„Verstehen Sie diesen Besuch als Anerkennung Ihrer Arbeit und als Bekenntnis, dass das LOEWE-Programm dauerhaft fortgesetzt wird“, sagte der Ministerpräsident. „Mit Ihrer Forschung gestalten Sie in vielen Lebensbereichen Zukunft mit, etwa in der Medizin, Landwirtschaft und Industrie.“ Die Forschung von heute bringe die Arbeitsplätze von morgen und trage dazu bei, Lebensbedingungen ein Stück besser zu machen.

Universitätspräsidentin Prof. Dr. Katharina Krause sagte in ihrer Begrüßung: „Dank der großzügigen Förderung des Landes Hessen für die Philipps-Universität und das Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie ist es gelungen, das zukunftsträchtige Forschungsgebiet Synthetische Mikrobiologie hier in Marburg zu etablieren.“

Vielfältige Anwendungsmöglichkeiten

Als Beispiel für die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten der Synthetischen Mikrobiologie nannte Prof. Dr. Bruno Eckhardt, Geschäftsführender Direktor des LOEWE-Zentrums ein Forschungsprojekt, bei dem Wissenschaftler Kieselalgen als eine Art Mikrofabrik genutzt haben, um sie unter anderem für die Produktion von Bioplastik, Impfstoffen oder Antikörper gegen Hepatitis-B-Viren zu nutzen.

„Die grundlegenden Mechanismen in den zellulären Netzwerken und die Regeln für das Design synthetischer Zell-Netzwerke können nicht von einer einzigen Forschergruppe aufgeklärt werden“, sagte Eckhardt. „Bei Synmikro haben wir 34 Arbeitsgruppen zusammengeführt.“ Die rund 130 Wissenschaftler bei Synmikro stammen aus allen naturwissenschaftlichen Disziplinen der Universität und des Max-Planck-Instituts für terrestrische Mikrobiologie (MPI). Auch die Evangelische Theologie ist mit dem Fachgebiet Ethik an dem Projekt beteiligt. „Ohne das LOEWE-Programm gäbe es unser Forschungszentrum nicht“, betonte Eckhardt.

Zelluläre Netzwerke mit bestimmten Eigenschaften designen

Das Land Hessen hat auch den Labor-Neubau mitfinanziert, in dem der Besuch des Ministerpräsidenten stattfand. Dort arbeitet Prof. Dr. Victor Sourjik, Leiter der Abteilung für System- und Synthetische Mikrobiologie am MPI mit seinem Forscherteam. Sourjik erläuterte, wie durch das Design synthetischer Netzwerke das Verhalten und der Stoffwechsel von Zellen in Mikroorganismen gesteuert und so Lösungsansätze für Umwelt- oder Gesundheitsprobleme entstehen können. Ein Beispiel dafür ist die synthetische Fixierung von Kohlendioxid. „Mikroorganismen haben im Laufe der Evolution hocheffiziente Biokatalysatoren entwickelt, mit denen sie CO2 in organische Materie binden“, erklärte Sourjik. Forscher von Synmikro befassen sich unter anderem damit, künstliche Stoffwechselwege zur CO2-Fixierung zu konstruieren. „Unsere Vision ist es, in Zukunft gezielt Chemikalien und Biotreibstoffe nachhaltig aus CO2 zu produzieren.“

Chance für Nachwuchswissenschaftler

„LOEWE bietet jungen Wissenschaftlern hervorragende Chancen, denn sie erhalten die Gelegenheit, in exzellenten Projekten mit erfahrenen Forschern zusammenzuarbeiten“, sagte Bouffier. Dass dies im Marburger LOEWE-Zentrum zutrifft, zeigte eine Gruppe von Studierenden, die im Rahmen des internationalen Team-Wettbewerbs iGEM (international Genetically Engineered Machine) mit Methoden der synthetischen Biologie beispielsweise essentielle Nährstoffe produziert haben, die Nahrungsmitteln zugefügt und so für die Bekämpfung von Unterernährung eingesetzt werden können. Ministerpräsident Bouffier war begeistert von dem Engagement der jungen Forscher und wünschte ihnen viel Erfolg für den nächsten Wettbewerb, bei dem das Marburger Team in den vergangenen Jahren regelmäßig sehr erfolgreich abgeschnitten hatte.

Roboter als zeitsparende Hilfsmittel bei umfangreichen Zellanalysen

Synmikro-Mitarbeiter demonstrierten dem Ministerpräsidenten auch einige der hochtechnologischen Geräte, die für ihre Forschung notwendig sind. Doktorand Max Mundt zeigte, wie in einem Durchflusszytometer innerhalb von Sekunden mehrere Tausend Zellen vermessen werden können. Prof. Dr. Anke Becker, stellvertretende Direktorin von Synmikro, führte ein Robotiksystem vor, mit dem sich zeitsparend eine große Anzahl an Untersuchungen von Zellen parallel durchführen lassen.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Bruno Eckhardt
Geschäftsführender Direktor des LOEWE-Zentrums Synthetische Mikrobiologie
Tel. 06421/28-21316
E-Mail: bruno.eckhardt@physik.uni-marburg.de

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